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Wer arbeitet, will auch essen… Anlaufstelle für die Stärkung zwischendurch.

Alter Flughafen

Süße Amerikaner im Ödland

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In unserer Serie "10 Minuten Gießen" haben wir diesmal zehn Zeigerumdrehungen lang die Szenerie am Gelände des Alten Flughafens in Gießen beobachtet - und Lust auf Amerikaner entdeckt.

Auf der Großbaustelle ist nicht viel los. Vielleicht ist es zu nass, vielleicht ist eine Handwerksfirma im Verzug. Ein Lkw befährt die Lilienthaltraße, gegenüber schwenkt ein großer Kran langsam seine Ladung von einer Seite auf die andere. "Hier entstehen Eigentumswohnungen", ist auf einem großen Schild zu lesen. Vieles andere ist auf dem Gelände des früheren US-Depots bereits entstanden, Firmen haben sich angesiedelt, Parkplätze und Infrastruktur sind in einem Stadium zwischen nagelneu und provisorisch. Es gibt noch keine Grünanlagen oder Bänke zum Verweilen, manche Wege sind unbefestigt. In der früheren US-Kommandantur und dem Kasino gehen längst Zivilisten unterschiedlicher Professionen ihren Jobs nach.

"Und einen Amerikaner bitte - wenn wir schon mal hier sind". Der Kunde, der sich im Backpavillon Moos zur Mittagszeit ein Brötchen holt, kennt sich offenbar mit der Geschichte des Areals aus. Denn dass auf dem Gelände jenseits der Rödgener Straße früher "der Ami" zu Hause war, ist nicht mehr erkennbar. Nur wer genau hinschaut, sieht ganz oben auf der Spitze des Fahnenmastes einen US-Adler hocken. Das Relikt einer vergangenen Zeit.

Derzeit ist das kleine Café so etwas wie eine Oase inmitten eines gastronomischen Ödlands, nirgends sonst kann man sich stärken. Auch der Moos-Container ist ein Provisorium. Sobald vorne am ehemaligen Wärterhäuschen der Neubau fertig ist, zieht die Filiale an ihren früheren Standort zurück. Ein blauer BMW fährt vor, dynamisch springt der Fahrer aus dem Wagen. Der Mann - dunkler Anzug, weiße Turnschuhe - entscheidet sich für eine Gießener Allgemeine Zeitung und ein Brötchen mit Ei. Eben herrschte im Laden noch gähnende Leere. Plötzlich kommen die Kunden von allen Seiten. Handwerker in Arbeitskleidung, junge Männer, die nach IT-Branche aussehen, mittelalte Männer in Jeans und Pullover. Einige sind mit ihren Smartphones beschäftigt, andere setzen das Bürogespräch fort. "Du wirst sehen, es dauert nicht mehr lange, und die kleinen Chinesen stecken uns in den Sack", prognostiziert einer. "Dann bin ich aber schon in Rente", sagt der andere. Es ist Mittagszeit. Vor dem Laden halten Sprinter und Lieferwagen mit Kennzeichen aus Dillenburg, dem Vogelsberg und aus Polen. Die Kollegen kommen zu zweit oder zu dritt, die meisten Kunden sind männlich. Heiße Wurst ist begehrt, aber auch die Spinattaschen gehen gut. Heute gibt es zwei Puddingstückchen für 2,22 Euro, das ist eine Überlegung wert. Die Kaffeemaschine ist im Dauereinsatz. Die meisten nehmen ihre Becher mit, es ist ihr Koffein-Kick für den Nachmittag.

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