Bei Niklas Göbel und Mutter Ingrid Göbel von der Flugbörse Gießen wird wieder Urlaub gebucht. FOTO: EP
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Bei Niklas Göbel und Mutter Ingrid Göbel von der Flugbörse Gießen wird wieder Urlaub gebucht. FOTO: EP

Urlaub im Coronajahr

Ab in den Süden oder nur nach Balkonien?

  • vonSebastian Schmidt
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Bald wird man wieder trotz Corona Urlaub machen können. Niklas Göbel vom Reisebüro Flugbörse in Gießen erläutert Optionen und Bedingungen für Reisen im Sommer.

Bis jetzt ist 2020 ein stressiges Jahr gewesen. Corona hat den Alltag ganz schön durcheinander gebracht. Es mussten Kinder bespaßt und gleichzeitig im Homeoffice gearbeitet werden. Die Freizeitangebote sind weggefallen, und man konnte sich nicht mehr mit seinen Freunden treffen. Da täte Urlaub gut. Doch der wird dieses Jahr zumindest in Deutschland teuer werden.

"Mit einer Preissteigerung von bis zu 30 Prozent muss man bei den Hotels rechnen", sagt Niklas Göbel, der Juniorchef der Flugbörse Gießen. Das Reisebüro hat seit Kurzem wieder geöffnet, und die ersten Kunden haben ihren Urlaub gebucht - überwiegend in Deutschland. "Für viele Menschen ist ein Urlaub in der Heimat gerade am sichersten", sagt Göbel. Manche wollen hier bleiben, weil sie dem Gesundheitssystem vertrauen. Andere wollen nicht fliegen, weil sie Angst vor Infektionen im Flugzeug haben, schildert er seine Erfahrungen und vermutet: "Deswegen werden dieses Jahr die Nordsee oder auch das Allgäu boomen."

Viele Urlaubsorte sollen bald wieder für Touristen zugänglich sein. "Der Reiseverband geht davon aus, dass es ab Juli möglich sein wird, in ganz Deutschland zu verreisen", sagt Göbel. Ab 14. Juni soll die generelle Reisewarnung für Mitgliedsstaaten der EU wegfallen und durch individuelle Reisehinweise ersetzt werden. Welche Reiseziele dann erreichbar sein werden, hänge davon ab, wie die Corona-Situation vor Ort sei, zum anderen, wie sehr die Wirtschaft am Tourismus hänge.

Göbel vermutet: "Deswegen gehören auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu den ersten Bundesländern, die die Einreiseverbote für Touristen aufgehoben haben." Urlauber sollten sich darauf einstellen, dass sie diesen Sommer eher in die weniger stark betroffenen Gebiete wie Portugal oder Kroatien reisen können, sagt er.

Eine wichtige Frage für Touristen ist, was passiert, wenn es einen Corona-Ausbruch am Urlaubsort gibt? Wenn es vor dem Reiseantritt geschehe und es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gebe, sieht der ADAC gute Chancen, dass die Kunden die Reise kostenfrei stornieren können. Das sei der Fall, wenn die Reise durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umständen beeinträchtigt wird. Eine Reisewarnung sei ein starkes Indiz dafür. Wenn die Reise aber nicht unmittelbar bevor stehe, könne es sein, dass man erst noch abwarten müsse. Der ADAC rät dazu, sich die Stornobedingungen des Anbieters im Vorfeld genau anzuschauen.

Ein andere Situation ist es, wenn man bereits im Urlaub ist und dort Corona ausbricht. Wenn es dann eine Reisewarnung gebe, solle man sich zuerst an sein Reisebüro wenden, sagt Göbel. Die werden versuchen, einen nach Hause zu bringen. "Wir hatten Urlauber aus den Philippinen wieder sicher nach Hause gebracht, die haben sich dann mit einem großen Blumenstrauß bedankt", erzählt der Juniorchef. Den Urlaub müsse man dann nur anteilig bezahlen, je nachdem, wie viele Tage man verliere.

Reisewarnungen beachten

Wenn man den Urlaub bucht, während bereits eine Reisewarnung vorliegt, sieht die Sache aber anders aus. Göbel: "Dann ist es das eigene Risiko." Und im Zweifel bleibe man auf den Kosten sitzen. Eine Reisewarnung sei für sämtliche Abwicklungen wichtig. Wenn gar keine vorliegt und man trotzdem aus Angst absage, bleibe einem meist auch nur die kostenpflichtige Stornierung übrig.

Die Kosten des Urlaubs werden dieses Jahr sowieso bereits höher sein, da die Umsetzung der Hygienebestimmungen bei Hotels dazu führe, dass man nicht alle Zimmer belegen könne. Das schlage sich im Preis der übrigen Zimmer nieder. Aber auch die gesteigerte Nachfrage spiele eine Rolle: Wenn mehr Menschen in Deutschland Urlaub machen, werde der Preis der Angebote steigen.

"In Reisebüros kann man aber noch Schnäppchen machen", sagt der Juniorchef. Die Flugbörse habe sich vorbereitet und Geheimtipps in Deutschland aufgespürt, damit die Kunden den Urlaub auch genießen können. Für ihn wird die nächste Zeit doppelt spannend. Denn er wird schon bald die Leitung des Reisebüros von seiner Mutter übernehmen.

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