Suchtprävention: Island als Vorbild?

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). Kommt das isländische Suchtvorbeugungs-Programm "Planet Youth" nach Gießen? "Sehr beeindruckt" zeigte sich jedenfalls eine Gießener Delegation, die Anfang März an einer Konferenz in Reykjavik teilgenommen hat.

Vor gut einem Jahr präsentierte der Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende Klaus-Dieter Grothe in dem Gremium die Idee, das Modell auf Gießen zu übertragen. Zusammen mit Annette Berndt (Jugendamt), Andreas Schmidt (Diakonisches Werk) und Bernd Hündersen (Suchthilfezentrum) informierte er sich nun in Island über die Erfolge des 20 Jahre währenden Programms sowie dessen Umsetzung in anderen Ländern.

Einst waren öffentliche Schüler-Saufgelage Alltag in Reykjavik. Inzwischen nutzen die meisten Jugendlichen den Großteil ihrer Freizeit für angeleitete Sport- und Kreativangebote, die der Staat etabliert hat und samt Bus-Shuttledienst weitgehend finanziert. Außerdem verbringen Jugendliche nun mehr Zeit mit ihren Familien, schilderten Berndt, Grothe und Schmidt. Intensive Elternarbeit habe zu einem "neuen Blick" geführt. Väter und Mütter lernten einander kennen, seien stärker in der Schule eingebunden und zeigten mehr Interesse für die Aktivitäten ihrer Kinder - etwa bei organisierten Spaziergängen durchs Viertel zu abendlichen Jugend-Treffpunkten. Es gelte, die Grenzen von Freiheit und Kontrolle zu überdenken, sagte Schmidt.

Die meisten Ausschussmitglieder zeigten sich angetan. Es müsse aber näher untersucht werden, ob das Modell aus dem 300 000-Einwohner-Land auf Gießen übertragbar ist. Die Stadträtinnen Gerda Weigel-Greilich (Grüne) und Astrid Eibelshäuser (SPD) verwiesen auf hier vorhandene Strukturen von der Gemeinwesenarbeit bis zum Sportverein. Nicht zuletzt kostet die Umsetzung Geld; wie viel, blieb unklar. Die Stadt Reykjavik mit 200 000 Einwohnern habe ihre Ausgaben für Jugend und Soziales in zehn Jahren jedenfalls versechsfacht.

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