Diese Essschale (Herkunft Kamerun) ist im Oberhessischen Museum bereits ausgestellt. FOTO: PM)
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Diese Essschale (Herkunft Kamerun) ist im Oberhessischen Museum bereits ausgestellt. FOTO: PM)

Auf der Suche nach kolonialen Spuren

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Gießen(pm). Das Oberhessische Museum in Gießen und die Ethnografische Sammlung der Marburger Philipps-Universität erhalten eine Projektförderung in Höhe von 120 000 Euro des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste für die gemeinsame Erforschung der Ethnografischen Sammlungen und der Kolonialgeschichte Mittelhessens. Unter dem Titel "Provenienzen ethnographischer Objekte in Mittelhessen" vergleichen die beiden Institutionen ihre Objektgeschichten.

Der ethnografische Bestand des Gießener Museums ist nahezu unerforscht, allerdings haben sich in der Vorbereitung einer ersten Ausstellung 2019 bereits Verknüpfungen mit der Marburger Sammlung aufgetan. Das Forschungsprojekt untersucht nun anhand von Sammlerpersönlichkeiten und Forscherbiografien Parallelen im Bestand der beiden Sammlungen aus den Bereichen Kamerun und Tansania. Zentral ist der Austausch mit den Herkunftsgesellschaften (source communities) über die Objekte, sodass erstmals koloniale Verflechtungen Mittelhessens offengelegt werden könnten.

Förderung freut auch Grabe-Bolz

Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zeigt sich begeistert von der Förderung: "Erstmals kann sich das Oberhessische Museum wirklich als Ort der Forschung positionieren. Das Forschen gehört schließlich zu einer der fünf zentralen Aufgaben eines Museums - neben dem Sammeln, Ausstellen, Vermitteln und dem Bewahren. Im Arbeitsalltag kann dieser Aufgabe manchmal nicht ausreichend nachgekommen werden, deshalb ist dieses Förderprojekt, das uns in der Provenienzforschung unterstützt, eine großartige Bereicherung."

Kuratorin Dr. Dagmar Schweitzer de Palacios, Sammlungsleiter Prof. Ernst Halbmayer (Marburg) und Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch (Gießen) betonen die Relevanz der Zusammenarbeit in der Region. Die Kooperation ähnlich gearteter Sammlungen kann für die Objektforschung der eigenen Institution nutzbar gemacht werden. Der Ansatz, Aufgaben zu bündeln und gemeinsam zu erfüllen, stärkt und erweitert die Position beider Standorte; gleichzeitig werden Grundstrukturen für weitere Vorhaben gelegt. Im Ergebnis führt das Projekt zu einer Verdichtung von Kenntnissen historischer Ereignisse, die auf die Gegenwart übertragen werden. Die Kooperation beider Institutionen stellt eine Verknüpfung der Wissenschaftsgeschichte beider Städte und darüber hinausgehend der kolonialen Verflechtungen in Mittelhessen dar. Eine umfassende Erforschung und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik ist für diese Region bisher fast nicht vorhanden.

Die beiden Ethnografischen Sammlungen weisen historische Verknüpfungen auf. So können im Rahmen des Projekts die Entstehungen und Entwicklungen dieser Sammlungen mit ethnografischen Objekten untersucht werden. Insbesondere die Überschneidung von Personen und Sammlern auf universitärer Ebene, die möglicherweise an beiden Sammlungen mitgewirkt haben, und die Übereinstimmung bestimmter Herkunftskontexte der Objekte versprechen Forschungspotenzial. Vorgesehen ist die Aufarbeitung von Objekten aus Herkunftskontexten, die in beiden Sammlungen vertreten sind und nachweislich aus kolonialen Kontexten des heutigen Kamerun und Tansania stammen.

Projekt angelegt auf zwölf Monate

Das Projekt ist zunächst auf zwölf Monate angelegt, um Verdachtsmomente aufzuspüren, Verbindungen beider Sammlungen zu benennen und die Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften weiter zu konkretisieren.

Im Zuge der Ausstellung "Wieso? Weshalb? Warum? Fragen an die Ethnographische Sammlung" hat das Oberhessische Museum vor einem halben Jahr erste Erfahrungen im Bereich der Provenienzforschung zu Objekten aus kolonialen Kontexten gesammelt.

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