Ingke Günther und Jörg Wagner haben Kioske an allen möglichen Stellen inszeniert. FOTO: PM
+
Ingke Günther und Jörg Wagner haben Kioske an allen möglichen Stellen inszeniert. FOTO: PM

"rural exodus"

Die subversive Seite des Kiosks

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
    schließen

Kioske - vom Lockdown um ihre innerstädtische Laufkundschaft gebracht, ziehen aufs Land. Zumindest im neu erschienenen Katalog "rural exodus" des Künstlerpaares Ingke Günther und Jörg Wagner.

Frühjahr 2020. Die Innenstädte sind verwaist. Alle Läden und Luken sind geschlossen. Urbanität macht Pause. Der Lockdown lässt die Bewegungsradien kleiner werden. Ingke Günther und Jörg Wagner, bildende Künstler aus Gießen und Verfechter der Alltagskultur, haben eine Idee: Ein kleinformatiger Bautypus reagiert flexibel auf die neuen Herausforderungen. Kioske, um ihre innerstädtische Laufkundschaft gebracht, ziehen spontan aufs Land.

Mit Humor und kreativen Ideen gegen die Krise

Günther und Wagner durchstreiften den ländlichen Raum in der Umgebung ihres Wohnortes. Ausflug für Ausflug wuchs eine "Fotoserie mit Kioskbehauptungen heran, für die Hochsitze und andere vorgefundene Kleinstarchitekturen zu Kiosken transformiert werden." Mit Humor begegnen sie so einer beklemmenden Situation und feiern das Lebendige, Versorgende und Subversive des Kioskphänomenst. "Variantenreiche Verkaufsgehäuse nisten sich in Nischen ein, die sich auf unterschiedliche Weise anbieten. Dabei zeigt sich das Angebot bedarfsorientiert und die Ausgestaltung ist durch improvisierendes Geschick gekennzeichnet", beschreiben die Künstler ihre Grundidee. Da werden am Blechschuppen Hackbrötchen offeriert, auf einem mit Plastik überzogenen Heuballen prangt ein Kiosk-Schild, vor einem Hochsitz stehen Klappstühle, auf denen man sitzen und das in luftiger Höhe angebotene kiosktypische Angebot von Chips bis Cola konsumieren kann. Tapas am Stromkasten, Eis und kalte Getränke aus Kühlboxen in Drahtkörben oder Klopapier und Bio-ware - in Corona-Zeiten heiß begehrt - gibt es am Hochsitz zu entdecken. "Im Phänomen des Kiosks bündeln sich die Zeichen der Zeit auf positive Weise: Als entschiedenes Trotzdem - pragmatisch, lebendig, ideenreich, versorgend, funktional und kümmernd", behaupten die Künstler und stemmen sich zugleich mit einer gehörigen Portion Humor gegen die aktuellen Probleme der Zeit im Allgemeinen und der Künstler im Besonderen.

Das Projekt wurde von der Hessischen Kulturstiftung gefördert, die zum Erscheinen des Kataloges beigetragen hat. Fotografien aus dieser Reihe wurden, wie bereits berichtet, im Rahmen von #Collecting Corona durch das Oberhessische Museum angekauft. Eine Katalogpräsentation an Kiosken in Dortmund, Gießen und Frankfurt war geplant, musste jedoch aufgrund der aktuellen Situation bis auf weiteres verschoben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare