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Ein Stück Hoffnung

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Von: Karola Schepp

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Rolf K. Wegst hat auch diesen kleinen Geiger aus Sliven fotografiert.
Rolf K. Wegst hat auch diesen kleinen Geiger aus Sliven fotografiert. © Wegst

Gießen (gl). Wenn Georgi Kalaidjiev und Maria Hauschild, die Gründer und Macher der Initiative »Musik statt Straße«, erzählen, dann wird deutlich, wie wertvoll ihr schon zehn Jahre währender Einsatz für Kinder im bulgarischen Sliven ist (siehe dazu auch Bericht auf Seite 33). Im Ghetto Nadeshda leben dort Tausende Menschen türkischer, griechischer und bulgarischer Herkunft - viele davon Roma - auf engstem Raum im Elend. Ohne die Chance, ein Musikinstrument zu erlernen oder im Chor zu singen, eine warme Mahlzeit zu bekommen und vielleicht sogar eine berufliche Perspektive in der Musik aufgezeigt zu bekommen, hätten diese Jungen und Mädchen keine Chance.

Auch der Gießener Fotograf Rolf K. Wegst hat das selbst erlebt: Er ist schon viermal auf Einladung des früheren Stadttheatergeigers Kalaidjiev in dessen bulgarischer Heimat gewesen, hat mit eigenen Augen gesehen, »wie wenig es braucht, damit junge Menschen ihre Chancen nutzen, etwas aus ihrem Leben machen zu können.« In seinen Bildern hat Wegst das festgehalten. In einer Ausstellung, die am 13. August im Rathaus-Foyer eröffnet wird, berichtet er vom schwierigen Lebensumfeld der Kinder, von der Mauer, die ihr Viertel abschottet, und seinem eigenen Gefühl der Hilflosigkeit angesichts des Elends, aber auch von der Hingabe, mit der die Jungen und Mädchen die Musik für sich entdeckt haben. »Es ist enorm, welchen Unterschied ›Musik statt Straße‹ in deren Leben macht«, berichtet Wegst gemeinsam mit Hauschild und Kalaidjiev im Büro der Oberbürgermeisterin. Erst im Frühjahr dieses Jahres war der Fotograf, dessen Buch über die Kinder von Sliven demnächst in einer neuen Auflage erscheinen wird, wieder in Bulgarien. »Das Viertel ist noch mehr auf die Verliererstraße geraten«, lautet seine deprimierende Einschätzung.

Umso wichtiger ist das Angebot »Musik statt Straße«, das Hauschild und Kalaidjiev seit zehn Jahren, so die OB, »mit Kontinuität und Herzblut« vorantreiben - auch zur Freude von Stephanie Jackson vom Kulturamt und Maria Hutsylo vom Ausländerbeirat der Stadt. Einige hundert Slum-Kinder sind so im Laufe der Zeit über die klassische Musik in Betreuung gekommen. Jeweils 30 Kinder werden parallel gefördert, einige haben sogar schon eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. »Musik statt Straße« hilft mit Stipendien, Essen, Medizin, Nachhilfe und vor allem Wertschätzung, die die Kinder ansonsten nicht bekommen.

Vier Konzerte und Begegnungsreise

16 der Kinder werden am übernächsten Wochenende mit dem Bus aus Sliven nach Gießen reisen und dort zum zehnjährigen Bestehen von »Musik statt Straße« bei mehreren Konzerten mitwirken. Am Freitag, 16. August, 19 Uhr, musizieren sie bei einem Galakonzert im Rathaus gemeinsam mit Kindern der Gießener Musikschule und Musikern des multikulturellen Orchesters. Am Samstag, 17. August, 12 Uhr, folgt am Berliner Platz vor der Kongresshalle ein Konzert zur Eröffnung des »Tags der Kulturen«. Weitere Auftritte gibt es am Samstag, 17. August, um 19 Uhr in der evangelischen Kirche Annerod, mit dem multikulturellen Orchester und am Sonntag, 18. August, um 15 Uhr, im Licher Kino Traumstern, gemeinsam mit dem Jugendchor Songlines aus Lich. Rolf K. Wegsts Ausstellung mit Fotos von Kindern aus Sliven wird am Dienstag, 13. August, um 18 Uhr im Rathausfoyer eröffnet und ist dort bis 30. August zu sehen.

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