Der fast 60 Jahre alte graue Lastwagen mit der Aufschrift "Haltet die Straßen sauber" gehört jetzt Roland Engel. Der Oldtimer-Sammler würde sich freuen, den vierrädrigen Ruheständler des städtischen Fuhrparks bei öffentlichen Veranstaltungen zu zeigen. FOTO: SCHEPP
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Der fast 60 Jahre alte graue Lastwagen mit der Aufschrift "Haltet die Straßen sauber" gehört jetzt Roland Engel. Der Oldtimer-Sammler würde sich freuen, den vierrädrigen Ruheständler des städtischen Fuhrparks bei öffentlichen Veranstaltungen zu zeigen. FOTO: SCHEPP

Ein Stück Gießener Mobilkultur

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). Roland Engel traute seinen Augen nicht, als er im Frühjahr 2019 die Marburger Straße entlangfuhr. Auf dem Gelände des Mercedeshändlers Neils & Kraft stand ein Fahrzeug, dessen Anblick ihn unvermittelt in seine Jugend zurückversetzte. Inzwischen hat der 52-Jährige den historischen Wasserwagen von der Stadt Gießen gekauft - und das irgendwie zufällig, beinahe aus Versehen. Im Gespräch wird aber deutlich, wie sehr sich Engel über den Neuzugang in seiner Oldtimersammlung freut.

"Haltet die Straßen sauber!", mit dieser Aufschrift tuckerte der graue Mercedes-Lastwagen durch die Stadt. Fast 50 Jahre lang diente er treu der Stadt, zunächst in der Straßenreinigung. Mit einem "Wasserbalken" entfernte der "Straßenspreng- und Waschwagen" Schmutz vom Asphalt. Seit den Siebzigerjahren wird der Dreck nicht mehr einfach in den Kanal gespült. Der Siebentonner mit dem 5000-Liter-Tank diente fortan dem Gartenamt zur Bewässerung von Beeten und Bäumen. Mehrmals rollte der Hingucker beim Fassenachtsumzug mit.

"Der hat sein Gnadenbrot verdient" - mit anerkennenden Worten wurde der Methusalem des städtischen Fuhrparks vor genau zehn Jahren in den Ruhestand geschickt. Zwar war das Fahrzeug funktionstüchtig mit seinem zweiten Motor aus den 1970er-Jahren und dank einer liebevollen Generalüberholung 1999 bei den Stadtwerken. Doch die Technik sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es.

Die Stadt übergab den Mercedes leihweise an Neils & Kraft, wo er als "Teil der Automobilkultur der Gegend" - so der Geschäftsführende Gesellschafter Michael Kraft - ausgestellt wurde. Öffentlich zu bewundern war er vor fünf Jahren einmal beim Tag der offenen Tür im Stadtreinigungs- und Fuhramt - und dann wieder im April 2019.

Nun kam Roland Engel ins Spiel. Der Lollarer entdeckte auf dem Freigelände des Autohauses das Fahrzeug, das er als Schüler häufig in Aktion gesehen hatte. Der Autohändler war besorgt, dass das Fahrzeug Opfer von Vandalen werden könnte. "Nur deshalb habe ich bei Neils & Kraft und dann bei der Stadt angerufen", sagt Engel ein wenig verdutzt.

Nach einigem Hin und Her wurde er gefragt, ob er den Wasserwagen nicht kaufen wolle - und bekam nach einer offiziellen Ausschreibung den Zuschlag. Wie kam es dazu? Engel hebt die Schultern. "Ich habe völlig einen an der Murmel, was das betrifft", so erklärt er seine Oldtimer-Liebe.

Vier Wochen lang nahm Engel zusammen mit Mitarbeitern eine umfassende Inspektion vor, reparierte einiges und brachte das Stadtwappen wieder auf den Türen an, das er auf Fotos gesehen hatte. "Ich habe mich informiert, es ist kein Hoheitszeichen."

Satt tuckert der Dieselmotor, als der stolze Besitzer das Schmuckstück fürs Foto aus der Halle fährt. "Als ich ihn aus Gießen nach Lollar gebracht habe, haben viele Leute mit offenen Mündern die Köpfe verdreht", erzählt der 52-Jährige. Werden die Gießener ihren "Elefanten" hin und wieder zu Gesicht bekommen, etwa bei Veranstaltungen? Engel ist offen für Anfragen: "Ich würde mich freuen."

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