Studieren am Rand, aber mit viel Potenzial

  • schließen

Gießen(gl). Kleine Studienfächer haben großes Potenzial - und das soll im Rahmen der "Kleine Fächer Wochen" an der Universität öffentlich demonstriert werden. Mit einem Festakt im Biologischen Hörsaal im Uni-Hauptgebäude wurden sie eröffnet. Vorgestellt wurde den dabei auch zwei der von Till Schürmann gedrehten Image-Filme, in denen Absolventen der acht kulturwissenschaftlichen Fächer zeigen, welche Berufsfelder sich ihnen geboten haben.

An der JLU beteiligen sich an den "Kleinen Fächer Wochen" mit Festivalcharakter bis zum 29. Januar das GiZo mit der Osteuropäischen Geschichte, Slavistik und Turkologie sowie die Alte Geschichte, Gräzistik, Islamische Theologie, Klassische Archäologie und Latinistik. Diese Kleinen Fächer seien "für das Profil der Universität ungemein wichtig", betonte Uni-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee in seinem Grußwort und machte deutlich, welche Rolle dabei die Zentrenbildung spielt. Prof. Mechthild Dreyer von der Arbeitsstelle Kleine Fächer belegte dies anhand von Zahlen: Es gibt bundesweit 156 Fächer mit insgesamt 2593 Professuren an 89 Uni-Standorten. "Die stehen für ein sehr hohes Internationalisierungspotenzial." Prof. Sebastian Klempgen, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates des GiZo, erinnerte daran, dass es auch immer des Engagements der beteiligten Personen bedürfe, um die Zentren mit Leben zu erfüllen.

Das Programm der "Kleinen Fächer Wochen" unter dem Titel "Europa - EinBlick von den Rändern" stellten die Professoren Monika Wingender, Peter von Möllendorff und Peter Hasslinger im Einzelnen vor. Katharina Lorenz präsentierte mit Till Schürmann die Alumni-Filme. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Ensemble Mala Isbuschka.

Nach fast zwei Stunden Festakt folgte dann noch die Lesung von Serhij Zhadan gemeinsam mit seinem Übersetzter Juri Durkot. Zhadan, in der Ukraine Grenzgänger zwischen den Gattungen, Lyriker und Musiker einer Punkrockband, macht in seinen Büchern den russisch-ukrainischen Krieg und seine Folgen zum Thema. Zhadan gehört zu den populärsten und in den letzten Jahren mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Gegenwartsautoren der Ukraine. Der Aktivist des Maidan las Auszüge aus seinem Buch "Internat", das 2018 auf Deutsch im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Der Kampf der Separatisten spielt sich dort ab, wo Zhadan aufgewachsen ist. Er habe zeigen wollen, welche Auswirkungen das auf die Zivilisten hat und habe dabei Wert darauf gelegt, "nicht in die Muster der Propaganda zu verfallen", erläuterte der Autor. Zhadan schildert im Roman, wie sich die vertraute Umgebung eines Lehrers, der seien Neffen aus einem unter Beschuss geratenen Internat retten will, in ein unheimliches Territorium verwandelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare