Stress kann ansteckend sein

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Gießen(pm). Stress kann ansteckend sein. Wenn wir eine andere Person in einer stressigen Situation erleben, fühlen wir uns möglicherweise ebenfalls gestresst; unser Körper schüttet sogar Stresshormone aus. Lassen wir uns schneller vom Stress anderer Personen anstecken, wenn uns mit diesen ein "Wir-Gefühl" - ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft und Gemeinsamkeit - verbindet?

Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Wien haben dies überprüft. Valerie Schury, Prof. Jan Häusser (beide Abteilung Sozialpsychologie der JLU) und Urs M. Nater (Wien) haben ihre Forschungsergebnisse kürzlich veröffentlicht. An der Studie nahmen Versuchsteilnehmer in Kleingruppen von je vier oder fünf Personen teil. Bei der Hälfte aller Kleingruppen wurde ein "Wir-Gefühl" erzeugt: Die Teilnehmer saßen gemeinsam an einem Tisch, wurden als Gruppe angesprochen und die Beteiligten überlegten, was sie als Gruppe verbindet. In der anderen Hälfte der Kleingruppen wurde kein solches "Wir-Gefühl" erzeugt: Die Teilnehmer saßen an Einzeltischen, wurden einzeln angesprochen und überlegten, was sie von den anderen unterscheidet.

Im Anschluss wurde in jeder Kleingruppe zufällig eine Versuchsperson ausgelost, die allein eine sehr stressige Aufgabe zu bearbeiten hatte: Die ausgelosten Personen mussten in einem simulierten Bewerbungsgespräch mit zwei strengen Interviewern überzeugend darlegen, warum sie für eine fiktive Stelle besonders geeignet seien.

Stresshormon analysiert

Im zweiten Teil der Aufgabe hatten sie anspruchsvolle Kopfrechenaufgaben zu lösen. Die anderen Versuchsteilnehmer beobachteten diese Situation. Während der Studie wurden bei den Probanden mehrfach Speichelproben genommen, um diese später im Labor auf das Stresshormon Cortisol zu analysieren. "Wenn die Beobachter Cortisol ausschütten, obwohl diese gar nicht unmittelbar gestresst wurden, lässt sich daraus schließen, dass sie mit Stress angesteckt worden sind", erklärt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Valerie Schury. Dieses Phänomen ließ sich im Rahmen der Studie beobachten. "Es zeigte sich zudem, dass die beobachtenden Versuchsteilnehmer signifikant häufiger das Stresshormon Cortisol ausschütteten, wenn zuvor ein ›Wir-Gefühl‹ mit der beobachteten Person erzeugt worden war."

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