Umstritten: Hol- und Bringzone für Elterntaxis an der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden. FOTO: SCHEPP
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Umstritten: Hol- und Bringzone für Elterntaxis an der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden. FOTO: SCHEPP

Hol- und Bringfläche

Gießen: Streit um Zonen fürs "Elterntaxi"

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Grünen kritisieren die Neuerung im Stadtteil Kleinlinden als "vollkommen falsches Signal" - und als "Fehlentscheidung", die rückgängig gemacht werden soll.

Gießen(mö). Die Einrichtung einer gut 20 Meter langen "Hol- und Bringzone" für sogenannte Elterntaxis in der Lützellindener Straße nahe der Brüder-Grimm-Schule wird von der Grünen-Fraktion im Kleinlindener Ortsbeirat abgelehnt und als "vollkommen falsches Signal" an Eltern, Kinder und Schule gewertet. Diese Maßnahme, die CDU-Verkehrsdezernent Peter Neidel Anfang Juni umgesetzt hatte, "widerspricht jeder verkehrspolitischen und ökologischen Vernunft. Sie konterkariert darüber hinaus pädagogische Bemühungen um Bewegungs- und Gesundheitsförderung auch im Sinne eines sicheren und gut gestalteten Schulwegs für die Kinder", erklären die grünen Ortbeiratsmitglieder Christiane Janetzky-Klein und Prof. Frieder Lutz. Sie wollen mit einem Antrag im Ortbeirat den Magistrat auffordern, diese "Fehlentscheidung" zurückzunehmen.

Der Kritik schließt sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtparlament, Klaus-Dieter Grothe, an. Der Kinder- und Jugendpsychiater weist außerdem darauf hin, dass "Eltern ihren Kindern keinen Gefallen tun, wenn sie diese mit dem Auto zur Schule bringen. Vielmehr wissen wir, dass dahingegen der selbständig zurückgelegte Schulweg positive Effekte auf körperliche Fitness, Konzentration und Sozialverhalten zeigt." Zu einer Stadt, die bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein wolle, passe das "rückwärtsgewandte Konzept für einen Elterntaxi-Parkplatzüberhaupt nicht".

Grothe hatte im vergangenen Jahr angekündigt, dass Bring- und Abholzonen für Elterntaxis mit den Grünen nicht zu machen sind. Allerdings hat die Regierungspartei keine Handhabe. Neidel handelt in seiner Funktion als Leiter der Straßenverkehrsbehörde, die die Straßenverkehrsordnung anwendet. Diese Aufgabe ist dem politischen Einfluss entzogen. Das Stadtparlament und einzelne Fraktionen können zwar ihren verkehrspolitischen Willen zum Ausdruck bringen, aber nicht im Einzelnen entscheiden, wo welche Tempobeschränkung oder ein Parkverbot gilt.

Bei der Präsentation der Elterntaxi-Zone Anfang Juni hatte es zwar Kritik von Anwohnern und Zweifel des Ortsvorstehers gegeben, aber im Grundsatz wurde die Ausweisung der Zone als das kleinere Übel begrüßt. Schulleitung und Elternbeirat würden es lieber sehen, wenn die Schüler/innen selbstständig oder mit dem Bus zur Schule kämen, aber Schulleiterin Barbara Burggraf räumte ein: "Das Elterntaxi ist Realität".

Neidel hatte angekündigt, dass weitere Hol- und Bringzonen an anderen Schulen geprüft werden. Die Zone in Kleinlinden läuft zunächst als Verkehrsversuch.

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