Streit um israelische Israel-Kritiker

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Eigentlich müsste man annehmen, dass das Antifaschismus-Referat des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Justus-Liebig-Universität und das Gießener Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus an einem Strang ziehen. Schließlich nehmen beide für sich in Anspruch, Judenfeindlichkeit zu bekämpfen. Wenn es freilich um Kritik am Staat Israel geht, wird die Sache kompliziert.

Eigentlich müsste man annehmen, dass das Antifaschismus-Referat des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Justus-Liebig-Universität und das Gießener Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus an einem Strang ziehen. Schließlich nehmen beide für sich in Anspruch, Judenfeindlichkeit zu bekämpfen. Wenn es freilich um Kritik am Staat Israel geht, wird die Sache kompliziert.

Das Bündnis hat binnen weniger Monate nun zum zweiten Mal das Präsidium der Universität aufgefordert, eine Veranstaltung mit einer israelischen Gaststudentin der Theaterwissenschaften in Uniräumen zu verbieten. Grund: Der Perfomance-Künstlerin, die sich in ihrer Heimat Israel in ihrer Arbeit mit der Situation der Palästinenser im Westjordanland und damit mit ihrer eigenen Regierung kritisch auseinandergesetzt hat, wird vorgeworfen, der BDS-Bewegung nahezustehen. BDS steht für Boycott, Divestment and Sanctions. Kritiker werfen der Boykottbewegung vor, unter dem Deckmantel des humanitären Einsatzes für die Palästinenser das Existenzrecht Israels infrage zu stellen und als "Vorfeldorganisation" der Islamischen Republik Iran zu agieren.

Eine im November geplante Veranstaltung mit der Studentin und einem in Deutschland lebenden israelischen Israel-Kritiker wurde abgeblasen; nicht aus inhaltlichen Gründen wohlgemerkt, sondern weil die Uni einzelnen Studenten grundsätzlich keine Räume überlässt. Bei der Veranstaltung heute Abend im GCSC-Gebäude am Alten Steinbacher Weg indes handelt es sich um eine Veranstaltung der Studierendenvertretung. Der AStA habe dafür gemäß den Raumvergaberichtlinien einen Raum im GCSC reserviert. Unisprecherin Lisa Dittrich: "Nach den uns vorliegenden Informationen gibt es keinen Grund, warum die Universitätsleitung im Rahmen ihres Hausrechts die Durchführung der Veranstaltungen untersagen müsste."

Laut Einladung des AStA soll es bei der englischsprachigen und ausdrücklich öffentlichen Veranstaltung ab 18 Uhr im Raum 001 um den Umgang der israelischen Regierung mit vermeintlich illoyalen Künstlern gehen, die einerseits staatliche Förderung beanspruchen und andererseits die Politik gegenüber den Palästinensern kritisieren.

In einem Schreiben an die Unileitung formuliert das Bündnis gegen Antisemitismus seine Befürchtung, dass die durchaus berechtigte Diskussion um Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst in Israel in einer "generellen Abwertung des Staates Israel" münden und sich dabei an Positionen der Boykott-Bewegung orientieren könnte.

Das sieht der AStA völlig anders und will mit seiner heutigen Veranstaltung gerade ein "Zeichen gegen Antisemitismus setzen". Man lasse es nicht länger zu, dass "jüdische Stimmen verstummen" müssten, weil sie von der Universität boykottiert würden, spielt die Studierendenvertretung auf die Absage im November an.

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