Nach dem Brand

Streit um "Aura" in Gießen geht weiter

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Die DLRG will nach dem Brand in ihrem Vereinsheim die Kündigung des Gastronomievertrages durchsetzen. Die Lebensretter streiten jetzt mit "Aura"-Gastronom Dimitri Skartsanis vor Gericht.

Vor einigen Monaten saßen sie noch gemeinsam an einem Tisch, nun ist das Tischtuch zwischen Alexander Sack, dem Vorsitzenden der Gießener Kreisgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), und dem Gießener Gastronom Dimitri Skartsanis endgültig zerschnitten. Das musste am Freitagvormittag am Landgericht auch Richterin Anne Glänzer anerkennen, als sie die Güteverhandlung nach wenigen Minuten abbrach und in die "richtige" Verhandlung überleitete.

Tischtuch zerschnitten

Nach dem verheerenden Brand im DLRG-Vereinsheim im Januar 2017 ging es am Freitag im Grunde um die Frage, ob die Kündigung des Mietverhältnisses, die die DLRG im März diesen Jahres gegen den bisherigen Pächter des Restaurants "Aura" ausgesprochen hat, wirksam wird oder nicht. Skartsanis werde weder die außerordentliche noch die ordentliche Kündigung durch die DLRG anerkennen, teilte Anwalt Matej Kvas mit. Der Gastronom pocht auf den laufenden Mietvertrag und erklärte auch vor Gericht, dass er sich nicht erklären könne, warum die DLRG trotz ehemals "freundschaftlichem Verhältnis" beider Parteien das Mietverhältnis beenden wolle. In einem kurzzeitigen hitzigen Schlagabtausch beider Anwälte, die DLRG wird von Harald Scherer vertreten, wurde zwischen den Zeilen deutlich, dass der Beklagte den Grund für die Kündigung unter anderem darin sieht, dass sich der zukünftige Pächter der DLRG-Gastronomie in dem geplanten Neubau angeblich mit "400 000 Euro Investitionssumme" einbringen werde. Die Klägerseite bestritt, dass bereits ein neuer Pächter gefunden sei. Dieses Scharmützel wird jedoch kaum in die richterliche Bewertung einfließen.

Entscheidend wird vielmehr sein, wie Richterin Glänzer beim nächsten Termin am 20. Dezember beurteilt, ob der Beklagte ein Gutachten der Kläger entkräften kann, das aussagt, dass Schweißarbeiten des von Skartsanis beauftragten Handwerkers ursächlich für den Brand gewesen sind. Sollte dies so sein, hätte Skartsanis, der sagte, der Handwerker bestreite, überhaupt geschweißt zu haben, weiterhin Miete zahlen müssen, um einer Kündigung zu entgehen. Das hat er aber nicht – seinen Angaben zufolge jedoch nach Rücksprache mit einem DLRG-Vorstandsmitglied.

Mietsache untergegangen?

Ein zweiter Punkt, auf den sich die Klage der DLRG stützt, bleibt ebenso strittig. Hier ging es um die Frage, ob die Mietsache durch den Brand zum großen Teil "untergegangen" sei und daher von der DLRG nicht vermietet werden kann. Das Problem: Der dem Gericht vorliegende Mietvertrag umfasst nicht alle Flächen, die die DLRG dem Gastronom zur Verfügung gestellt hat. Skartsanis: "Wenn es nur um die Flächen gehen würde, die im Mietvertrag eingetragen sind, hätte ich keine Konzession bekommen." Nicht eingetragen sind u.a. Personalräume, Toiletten und Lager. "Zerstört wurden 90 Quadratmeter", sagt Skartsanis. Der Streit um das "Aura" geht weiter.

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