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Straßenfest für die Verkehrswende in Gießen

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Von: Burkhard Möller

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Straßenbahn, Seilbahn und Fahrradstraßen: Über diese Ideen aus der Projektwerkstatt Saasen lacht mittlerweile keiner mehr. Nun gehen die Anhänger einer autofreien Gießener City den nächsten Schritt.

Als unlängst die neue Agenda-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« wieder einmal über die autofreie Innenstadt diskutierte, meinte am Rande der Veranstaltung ein Vertreter des Gießener Einzelhandels: »Die sind für uns gefährlicher als das Factory Outlet Center.« Jörg Bergstedt, Gründer der Projektwerkstatt Saasen, kann solchen Aussagen durchaus etwas abgewinnen, denn sie zeigten, dass die Ideen aus der Projektwerkstatt für eine »Verkehrswende in und um Gießen« ernst genommen und nicht einfach als Spinnerei abgetan würden. Beim Neujahrsempfang der Stadt adelte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Vorschläge aus der Saasener Denkfabrik sogar mit der Bemerkung, die Wiedereinführung der Straßenbahn dürfe kein Tabu sein. Und der Hessische Rundfunk widmete sich dem Thema Seilbahnen für Innenstädte unlängst ausführlich. Alles Ideen, die auch im Saasener Konzept www.giessen-autofrei.tk vorkommen und jetzt von der Gruppe um Bergstedt noch einmal überarbeitet worden sind. »Wir wollen damit einen offenen Diskussionsprozess in Gang setzen und Impulse geben«, sagte Bergstedt am Dienstag bei einem Pressegespräch in den Räumen des Wohnprojekts Prowo in der Lincolnstraße.

Das Konzept für eine autofreie Innenstadt innerhalb des Anlagenrings und eine Verkehrswende sieht die Ausweisung von Fahrradstraßen, zwölf neue Bahnhaltepunkte an den bestehenden Strecken, eine RegioTram/Straßenbahn mit Anschluss an die Bahnstrecken gen Marburg, Butzbach, Wetzlar und Grünberg, deren beide Linien sich am Marktplatz kreuzen, vor. Neu an diesem Konzept ist, dass eine RegioTram die Grünberger Straße und nicht mehr wie zuvor die Eichgärtenallee nutzt. »Die Grünberger Straße muss ohnehin saniert werden, das wäre eine gute Gelegenheit, dort Gleise zu verlegen«, erläuterte Bergstedt. Von der Linienführung durch die Eichgärtenallee sei man abgerückt, weil die Gleisinfrastruktur des früheren US-Depots leider unwiederbringlich zurückgebaut worden sei.

Die Vorteile der Straßenbahn gegenüber dem Bus liegen für Bergstedt auf der Hand: geringerer Platzverbrauch, damit Zugewinn an Gestaltungsraum, um mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Zudem sei die Fahrgastkapazität durch den viel engeren Takt deutlich höher. »Davon würde gerade der Einzelhandel profitieren. Das Elend mit dem Park-Such-Verkehr hat doch nichts mit attraktiver Innenstadt zu tun«, argumentierte der Verkehrswende-Aktivist. Neu ist auch die Seilbahnlinie im Süden, die alle Unieinrichtungen zwischen Klinikum und dem neuen »Campus der Zukunft« in der Klingelbachaue verbinden soll und die bis zur Kreisverwaltung an der Licher Straße verlängert werden könnte. Bergstedt hofft, dass die Universität anbeißt und die Machbarkeit einer Seilbahn-Lösung mit ihrem wissenschaftlichen Know-how prüft.

Mit dem gestrigen Pressegespräch ist die Sache keineswegs erledigt: In nächster Zeit will die Projektwerkstatt 5000 Info-Flyer unter die Gießener bringen, zudem sind mehrere Aktionen geplant, um die propagierte Verkehrswende »mit den Mitteln des Versammlungsrechts« zu simulieren. Den Auftakt soll am Freitag, 3. Mai, ein Straßenfest in der Neustadt bilden, das verbunden wird mit einer Demo der Schüleraktion »Fridays for Future«. Laut Bergstedt ist geplant, den Straßenraum zwischen Neustadt und dem Ende der Rodheimer Brücke zur Hälfte zu nutzen, um zu zeigen, wie Fahrradstraßen und Straßenbahnen funktionieren könnten.

Infos zum Verkehrsplan für Gießen im Internet unter www.giessen-autofrei.tk

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