Parkhauskunst

Strafarbeit für Künstler oder Herausforderung?

  • schließen

Eine Fachjury berät über sechs Entwürfe von Künstlern zur Gestaltung der riesigen Parkhauswand an den Hessenhallen. Die Bürger haben schon einen Favoriten.

Die riesige Brandschutzmauer des neuen Parkhauses zwischen Hessenhallen und dem Wohnpark am Alten Schlachthof ist gesetzt. Sechs von den Projektbetreuern Ingke Günther und Jörg Wagner eingeladene Künstler haben ihre Vorschläge eingereicht, wie die rund 2600 Quadratmeter große Fläche mit Kunst am Bau attraktiver gemacht werden kann.

Noch bis 25. Januar können die Vorschläge auf www.giessen-direkt.de eingesehen und kommentiert werden – wie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz betont, entspricht dies dem Selbstverständnis der Stadt zur Bürgerbeteiligung. Die Online-Kommentare lassen auch schon einen Favoriten erkennen: den Gießener Künstler Thomas Vinson und seine Idee "Wandplatzpark". Auch bei der allerdings mäßig besuchten Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstag in der Aula der Max-Weber-Schule sprachen sich die Teilnehmer für diesen Vorschlag aus. Ob er auch umgesetzt wird, entscheidet am Freitag nächster Woche eine Fachjury. Doch das Votum der Bürger fließt in die Entscheidung mit ein.

"Die Wand ist eine Herausforderung", unterstrich Jörg Wagner. Rund 17 Meter hoch, 110 Meter lang und mit einem Raster aus Silikonfugen im grauen Beton überzogen, ist sie der Witterung ausgesetzt. Als Bauherr stellt die Helm Holding als freiwillige Leistung ein Budget von 40 000 Euro zur Verfügung. Die Entwürfe dürfen aus Brandschutzgründen nur zweidimensional sein, sollen Fern- und Nahsicht bedienen und ortsspezifisch angelegt sein. Ob das Kunstwerk auf Dauer sichtbar sein wird, hängt auch davon ab, ob die Hessenhallen den davor liegenden Schotterparkplatz später bebaut. Manch Besucher der Infoveranstaltung sah es als wenig attraktive "Strafarbeit" für Künstler an, Wagner und Günther werten es als " künstlerische Herausforderung".

Bis 25. Januar kommentieren

Ursprünglich war Prof. Ansgar Schnur vom kunstpädagogischen Institut der Universität angesprochen worden, der die Aufgabe an Günther und Wagner weiterreichte. Weil Geld und Zeit knapp waren, hatten die im nicht offenen Wettbewerb sechs Künstler eingeladen, die von früheren Arbeiten her mit Gießen bekannt waren. Graffiti war ausdrücklich nicht gewünscht. Zwar haben fast alle Künstler schon im Neuen Kunstverein ausgestellt, was ihre Auswahl etwas eingeschränkt wirken lässt.

Doch betonten die Organisatoren, dass es ihnen in erster Linie darum gegangen sei, Künstler einzuladen, die bereits mit Kunst am Bau oder stadtspezifischen Arbeiten zur Landesgartenschau in Gießen Spuren hinterlassen haben.

Karin Bergdolt aus Nürnberg will mit "Es ist wie es ist ist es fertig" über einen längeren Zeitraum eine Art Kalender auf der Wand entstehen lassen, was bei den Anwesenden aber wegen des sukzessiven Vorgehens auf wenig Gegenliebe stieß. Patrick Borchers aus Hagen schlägt mit "Blumengießen" Elemente aus der Botanik vor. Monika Goetz aus Berlin, die zur Landesgartenschau einen Heiligenschein auf eine Eiche an der Lahn gesetzt hatte, will mit einem in den Abendstunden sanft glimmenden "Sternbild" ein positives Zeichen setzen. Oliver Tüchsen bringt mit einem perspektivischen Kniff "The Wall" optisch zum umfallen. Katja von Puttkamers Markisenmalerei versteht sich als Anspielung auf die Suche nach Individualität im sozialen Wohnungsbau. All diese Vorschläge wurden im Bürgerplenum aber eher kritisch gesehen, da sich die Assoziationen nicht ausreichend erschlössen. Online-Kommentare und Bürger-Bewertungen in der Informationsveranstaltung stimmen mehrheitlich für den Vorschlag von Thomas Vinson, dem einzigen Gießener Künstler im Wettbewerb.

Er spielt mit seinem "Wandplatzpark" mit der Funktion des Gebäudes. Weil er am Donnerstag als einziger Künstler anwesend war, konnte er seine Idee auch noch einmal konkretisieren. Zu sehen ist ein Parkplatz aus der Vogelperspektive mit maßstabsgetreuen Parkflächen, einer roten Linie als Wegführung, die in ihrer Formgebung Elemente aus der Umgebung aufgreift und die rote Farbe des Stadtwappens verwendet. Alle Parkplätze sind mit Nummern versehen, deren Zahlen auf historische oder andere Daten der Stadt anspielen. Per QR-Code sollen Erläuterungen dazu abrufbar sein.

Entscheiden wird nun die Fachjury, in der neben Bauherr Helm und Architekt Birger Rohrbach auch Simone Maiwald (Kulturamt), Holger Hölscher (Stadtplanungsamt), Ansgar Schnur, Markus Lepper (Neuer Kunstverein) und als externe Expertin die Frankfurter Künstlerin Christina Potto vertreten sind. Wenn die Witterung es zulässt, wird frühestens im März eine Fachfirma wird den Siegerentwurf mit Farbe auftragen und vermutlich ist im Sommer die Kunst am Bau fertig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare