Junge Unternehmer

Stoff für den Teamgeist kommt aus Gießen

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Sören Schneider und Sabrina Zerwas sind mit ihrem Textilunternehmen CorpoTex durchgestartet. Sie arbeiten für Marken von Rammstein bis Ramazotti. Nun planen sie auch baulich etwas Großes.

Es macht Spaß, dieser Maschine bei der Arbeit zuzusehen. Mit welcher Präzision und Geschwindigkeit sie die großen feuerroten Buchstaben auf die Rückseite der dunkelblauen Jacke stickt, ist faszinierend. Man kann sich gut vorstellen, dass sich die Mitarbeiter des heimischen Busunternehmens Erletz in diesen schicken Jacken wohlfühlen werden. Ob in der Produktion oder dem Showroom im Eingangsbereich der früheren Poppe-Verwaltung am Leihgesterner Weg: Überall stößt man bei CorpoTex auf bekannte Firmenlogos, auf internationale oder regionale Unternehmen, auf die Namen prominenter Künstler oder erfolgreicher Filme. Arbeits-, Team- oder Promotionbekleidung sorgen dafür, dass die US-Serie Homeland und Textilien von Roth Energie hier in einem Raum ebenso ihren Platz gefunden haben wie Til Schweigers Barefood-Kollektion oder die Blusen und Halstücher für Pascoe. "Irgendwann kommt jedes Unternehmen mit dem Thema Textil in Berührung", sagt Sabrina Zerwas. Dann ist CorpoTex zur Stelle.

Das 2011 von Sören Schneider gegründete Unternehmen wächst und steht vor einer großen Herausforderung. Möglichst noch im Sommer soll im Gewerbegebiet Europaviertel der Spatenstich für den neuen Unternehmenssitz erfolgen. CorpoTex will eine gut 3000 Quadratmeter große Fläche von der Stadt erwerben, der ausstehende Beschluss des Stadtparlaments dürfte Formsache sein. Als einer der führenden deutschen Anbieter von Corporate Design im Bereich Bekleidung platzt CorpoTex am Leihgesterner Weg, wo 17 Mitarbeiter tätig sind, im wahrsten Sinne des Wortes mittlerweile aus allen Nähten. "Das ist eine tolle Immobilie, wir werden mit einem weinenden Auge hier rausgehen", sagt Sören Schneider. Im Europaviertel wird sich die Nutzfläche von derzeit 600 Quadratmetern auf 1000 erhöhen.

Mit Textil und Bekleidung hat der 32-Jährige sein ganzes bisheriges Berufsleben zu tun; der Lehre im Bekleidungshaus Köhler folgte ein Studium an einer privaten Akademie mit dem Schwerpunkt Modemanagement und vor sechs Jahren der Start in die Selbstständigkeit in Gießen. 2014 folgte dann der Umzug in die Alten Brauereihöfe auf dem früheren Poppe-Gelände. Hier werden T-Shirts, Hemden oder Jacken hochwertiger Bekleidungsmarken für die Kundschaft aus Industrie und Handel, aus der Film- und Musikbranche oder dem Sport veredelt.

In den Produktionsräumen wird gedruckt, gestickt, gelasert und gepatscht. 200 000 derart veredelte Bekleidungsstücke verkaufte CorpoTex im vergangenen Jahr. Das klingt viel, ist für die Verhältnisse der Textilbranche im Grunde aber keine große Stückzahl. Am Massengeschäft haben Schneider und Zerwas kein Interesse; CorpoTex ist auf den Vertrieb und die Produktion von hochwertigen und nachhaltigen Produkten ausgerichtet. Das Unternehmen verfügt über einen breiten Kundenstamm und möchte weiterhin exklusiv bleiben.

Für die Macher der US-Erfolgsserie Homeland, die in den Studios Babelsberg gedreht wurde, gestaltete CorpoTex zum Beispiel die Jacken, die den Mitgliedern der Filmcrew nach Abschluss der Dreharbeiten geschenkt wurden. Kunden aus dem Motorsport wie Black Falcon und Zakspeed sowie der Musikkonzern Universal Music zählt CorpoTex ebenso zu seinen Kunden wie die heimischen Mittelständler Roth Energie, die Lück Gruppe, Neils&Kraft oder die Volksbank Mittelhessen. "Corporate Fashion ist ein ganz emotionales Thema für Mitarbeiter", weiß Sabrina Zerwas.

Vor einem Jahr ist die 30-Jährige beim Unternehmen ihres Lebensgefährten eingestiegen und zeichnet für die strategische Ausrichtung und das Marketing von CorpoTex verantwortlich. Sören Schneider ist für Vertrieb und Produktmanagement zuständig.

Die beiden, die die Gießener wahrscheinlich noch als diesjähriges Prinzenpaar in Erinnerung haben, haben eine präzise Vorstellung, wohin sie wollen: "Wir möchten inhabergeführt und der Region verbunden bleiben", betont Geschäftsführer Sören Schneider. "Und die Vier-Tage-Woche sowie die persönliche Freizeit", fügt Sabrina Zerwas lachend hinzu. "Das sind unsere Persönlichkeits-Ziele!"

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