Was die Stimmen befehlen

  • vonConstantin Hoppe
    schließen

Gießen(con). "Es müssen auch in Zukunft erhebliche rechtswidrige Handlungen von ihm erwartete werden, wenn er nicht behandelt wird" - mit diesen Worten erläuterte die Vorsitzende Richterin Dr. Kathrin Exler das am Freitag verhängte Urteil gegen einen 25- Jahre alten Mann aus Eritrea. Mit dem Urteilsspruch am Freitag steht fest: Der 25-Jährige muss in Sicherheitsverwahrung in eine psychiatrisches Krankenhaus.

Der Angeklagte griff dreimal grundlos Personen im Stadtgebiet an: Zuerst attackierte er im Oktober 2019 einen Studenten in der Buslinie 1, danach bewarf er am 3. Juni diesen Jahres in der Nähe des Kugelbergs eine 17-Jährige mit Steinen. Eine Woche später griff er eine Frau an der Südanlage in nähe der Johanneskirche an und würgte sie. Im folgenden Gerangel geriet die 28-Jährige Gießenerin vor ein herannahendes Auto. Dessen Fahrer konnte noch rechtzeitig reagieren und ausweichen.

Der 25 Jahre alte Mann leidet an einer paranoiden Schizophrenie, durch die er Stimmen hört, die ihm auftragen, was er tun soll. Er selbst spricht von den Stimmen seines Onkels und der Jungfrau Maria. Zu den Vorwürfen zeigte sich der Beschuldigte während des Verfahrens geständig. Allerdings gab der psychisch kranke Mann auch an, keine Erinnerungen an die konkreten Taten zu haben.

Wann genau die Krankheit bei dem Mann aufgetreten ist, kann heute nicht mehr gesagt werden: Der psychiatrische Gutachter Dr. Tobias Krusche vermutete, dass sie erstmals kurz nach Ankunft des Mannes in Deutschland vor fünf Jahren aufgetreten sein könnte. "Vermutlich liegt es auch an der Krankheit, dass er niemals in Deutschland Fuß fassen konnte", erläuterte auch Dr. Kathrin Exler in ihrer Urteilsbegründung.

Erschwerend kommt für den Beschuldigten hinzu, dass er sich in seinen bereits erfolgten Behandlungen nicht kooperativ zeigte - insbesondere was die Einnahme von Medikamenten angeht. Deshalb kommt auch eine ambulante Behandlung des 25-Jährigen nicht in Frage. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte für die Unterbringung in Sicherheitsverwahrung in einer psychiatrischen Klinik.

Deshalb soll der 25-Jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden; außerdem muss er auch die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen. Eine Vorgabe, dem sich auch die Verteidigung und schließlich auch das Schöffengericht anschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare