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Stefan Lind und Petra Wagner von der Familienberatungsstelle der Lebenshilfe Gießen.

»Sterben ist Teil des Lebens«

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Gießen (pm). Über Sterben und den Tod zu reden, wenn man mitten im Leben steht, fällt schwer. Das wissen auch Stefan Lind und Petra Wagner von der Familienberatungsstelle der Lebenshilfe Gießen. Seit letztem Jahr bauen sie ein Projekt mit dem Namen »Behandlung im Voraus Planen« als Teil der Ambulanten Hilfen der Lebenshilfe auf.

Das neue Beratungsangebot richtet sich an Menschen mit Behinderung, die eine Anbindung an die Lebenshilfe Gießen haben und in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Damit haben sie als Versicherte einen gesetzlichen Anspruch auf die Beratung. Die gesundheitliche Versorgungsplanung ist im Hospiz- und Palliativgesetz verankert.

Für Menschen mit Behinderung

»Es geht darum, frühzeitig über Leben, Tod und Sterben nachzudenken und gemeinsam mit den Klienten zu überlegen, wie sie im medizinischen Notfall behandelt werden möchten. Das Angebot beschränkt sich nicht auf die letzte Lebensphase. Auch schwere Erkrankungen können dazu führen, dass man nicht mehr für sich selbst entscheiden kann. Deswegen möchten wir vor dem Eintreten eines Notfalls gemeinsam mit allen Beteiligten besprechen, wie die Person im medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und seelsorgerischen Bereich behandelt werden möchte«, beschreibt Petra Wagner den Beratungsansatz.

Ein strukturiertes Verfahren zur Ermittlung des mutmaßlichen Willens von Menschen mit Behinderung fordere neben Empathie und Geduld ein hohes Maß an Methodenkompetenz: »Je stärker die kognitive Beeinträchtigung einer Person ist, desto schwieriger ist es, den Willen zu ermitteln. Deswegen erstellen wir zusammen mit dem nahen Umfeld eine sogenannte Vertreterdokumentation. In dieser Dokumentation tragen wir das gesamte Wissen der Vertreter über die Person zusammen«, schildert Lind den komplexen Beratungsprozess. Zu diesem Kreis gehören gesetzliche Betreuer, Eltern, Wohnstätten/Werkstätten-Personal, Angehörige und Freunde. So soll aus vielen unterschiedlichen Quellen der Lebenswille der Person ermittelt werden.

Ziel ist es, die Behandlungswünsche für die letzte Lebensphase zu dokumentieren. »Schließlich ist es besser, etwas in der Schublade zu haben als sich im Notfall zu fragen, was die betreffende Person wohl gewollt hätte«, umreißt Wagner, die seit vielen Jahren auch als ehrenamtliche Hospiz-Begleiterin arbeitet, das Anliegen von »Behandlung im Voraus Planen«. Kontakt-Telefon unter 0641/972-1055-420.

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