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Teresa Rinder in ihrem Atelier im Jokus.

"Stempeln hat etwas Meditatives"

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Seit einem Jahr arbeitet die Künstlerin Teresa Rinder in einem der Ateliers im Jokus. Dort zeigt sie aktuell auch ihre jüngst entstandenen Arbeiten in einer Werkschau und bietet Workshops sowie geregelte Öffnungszeiten an. Ein weiterer Schritt auf ihrem Traumziel, einmal nur von der Kunst leben zu können.

Es ist erfrischend kühl in den Kellerräumen des Jokus an diesem heißen Sommertag. Durch die Fenster blickt man ins Grüne. Und an den Wänden des kleinen Ateliers, das Teresa Rinder seit einem Jahr in der Ostanlage 25a betreibt, hängt Grafikkunst. Auf einem Tisch liegen aus Linoleum oder Printblock geschnittene Stempel mit Tiermotiven. In einer Ecke des kleinen Raums steht ein Kleiderständer voller bedruckter T-Shirts und Taschen, die man zu kleinen Preisen kaufen kann. Teresa Rinder hat sich hier ihre Vision von einem eigenen Atelier erfüllt. "Das war ein Traum, der mich schon immer begleitet hat", erzählt sie. Doch bis zu ihrem langfristigen Ziel, einmal ausschließlich von ihrer Kunst allein leben zu können, ist es noch ein langer Weg.

Teresa Rinder, 1989 im baden-württembergischen Ostfildern geboren, hat in Gießen Kunstpädagogik studiert, erst auf Bachelor, dann im Masterstudiengang. Als sie 2017 den Magisterabschluss in der Tasche hatte, fand sie aber keinen passenden Job. Viele ihrer Kommilitonen hatten ohnehin schon auf Lehramt gewechselt. Doch Teresa Rinder wollte lieber als Künstlerin arbeiten und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. "Ich habe einfach zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Menschen angesprochen", erinnert sich die 30-Jährige an den Glücksmoment, als ihr Sönke Müller von der Initiative raumstation 3539 von den neuen Ateliers im Jokus erzählte. Teresa Rinder bezog eines davon und erkannte schnell, was es für sie bedeutete, sich selbstständig zu machen. "Man muss sich alle Materialien selbst besorgen und arbeitet in einem ganz anderen kreativen Prozess als früher an der Uni", erinnert sie sich. "Am Anfang war da das Gefühl von krasser Freiheit und Euphorie und dann auch ein Stück weit Überforderung." Für das Jobcenter musste sie als Existenzgründerin einen Businessplan aufstellen und sich in Sachen Kunstvermarktung Kenntnisse aneignen. Denn "die Vermarktung und der Geldaspekt spielen im Kunstpädagogikstudium kaum eine Rolle". Sie besucht viele Märkte, stellte etwa bei Fluss mit Flair aus und kümmert sich um die Online-Akquise. "Poster gehen gut, Originale werden seltener gekauft", hat sie beobachtet. "Ich hoffe, dass mein Publikum weiter wächst", sagt sie und kümmert sich darum, ihre Kunst und ihr Angebot in ihrem Graphic Art Studio 25 bekannter zu machen.

Das Atelier im Jokus liegt ein wenig versteckt, Laufkundschaft gibt es hier so gut wie nicht. Da sind feste Öffnungszeiten ein wichtiger Punkt. Teresa Rinder hat die eingerichtet und steht jeden Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (01 78/8 74 12 97) im Atelier bereit. Sie bietet außerdem Stempelworkshops an: an den Samstagen 13. und 27. Juli jeweils von 13 bis 15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer will, kann unter Anleitung der Künstlerin lernen, wie man mit Linolmessern Formen ausschneidet, die anschließend zum Stempeln verwendet werden können. "Die Arbeitsweise ist für jeden leicht zugänglich. Man muss nicht super malen können, kann sich auch Motive von Vorlagen auf das Stempelmaterial durchpausen." Und auch das Drucken auf Stoff oder Papier an sich ist ganz einfach, braucht keine aufwendige Presse, kann mühelos auch zu Hause von Hand erledigt werden. "Stempeln hat etwas Meditatives. Man kommt ganz schnell in einen Flow", schwärmt Rinder, die die simple, aber wirksame Technik gerne anderen weitervermitteln will.

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