Jubiläum

VHS stellt Pläne zum 100. Geburtstag vor

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Die Volkshochschule Gießen wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Das Jubiläum soll gefeiert werden – aber nicht mit einem großen Festakt. Was stattdessen alles geplant ist.

S taatsbürgerkunde für die junge Republik, die Frage der Moral nach einem für Körper und Psyche verheerenden Ersten Weltkrieg, Müttervorsorge – und Sternenkunde: Das waren die Schwerpunkte im ersten Programm der Volkshochschule Gießen in ihrem Gründungsjahr 1919. 100 Jahre später steht die Geschichte der Einrichtung und ihre Bedeutung für die (Erwachsenen-)Bildung im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres der VHS Gießen. In einem Pressegespräch im Rathaus stellten die Leiterin Waltraud Burger und die Dezernentin der VHS, Astrid Eibelshäuser, das Programm vor. Statt eines großen Festaktes wird es viele Veranstaltungen im Laufe des Jahres geben.

Zusammenarbeit mit der JLU

Zentral ist die Zusammenarbeit mit zwei Fachbereichen an der Justus-Liebig-Universität (JLU). Da wäre zum Beispiel die Kooperation mit Professor Bernd Käpplinger von der Professur für Weiterbildung. Zusammen mit Studenten soll die Entwicklungsgeschichte der VHS Gießen aufgearbeitet und an Biografien aufgezogen werden. Geplant ist außerdem eine Geschichtswerkstatt mit Käpplinger, die am 9. April beginnt. Zu dieser werden ehemalige und aktuelle Teilnehmer, Dozenten und Leiter aufgerufen, mitzumachen und alte Fotos und Lernmaterial zu Verfügung zu stellen. "Es geht darum, Formate zu finden, um Erinnerungen und Dokumente zu sichern und der Öffentlichkeit zu präsentieren", sagte Burger. Am Ende könnten zum Beispiel ein offenes Archiv oder Zeitzeugen-Videos stehen.

Eine Zusammenarbeit wird es auch mit Monika Christiane Rox-Helmer von der Fachdidaktik der Geschichte an der JLU geben. Lehramtsstudenten sollen herausfinden, wie das Thema Volkshochschule für eine junge Zielgruppe erschlossen werden kann. Burger sagte, in der Vergangenheit sei die Verbindung zur Universität "leider gekappt" worden; Studierende würden seltener zu finden sein in den Kursen als früher. Fachwissenschaftlich auch ein geplantes Symposium mit Vorträgen. Dieses soll aber nicht einmalig, sondern Auftakt für weitere Veranstaltungen dieser Art sein.

Breitenwirkung erhofft sich Burger von der Teilnahme an der bundesweiten Nacht der Volkshochschulen. Die Gießener Einrichtung will Einblick ins Kursangebot liefern und Mitmachaktionen anbieten. Außerdem sollen bei einer Ausstellung die besten Ergebnisse von Malkursen präsentiert werden.

Kurse in den Quartieren

Zum 95-jährigen Bestehen der Volkshochschule Gießen hatte eine Historikergruppe die Gründungsgeschichte aufgearbeitet. "Die Beteiligten fanden es damals schade, dass es nur eine Ausstellung gab, die Rechercheergebnisse aber nie publiziert wurden", sagte Burger. Das wird nun – fünf Jahre später – nachgeholt. Im Herbst soll das Buch veröffentlicht werden.

Dass die Volkshochschule mit ihrem Ziel, Bildung für breite Bevölkerungsschichten anzubieten, eine Zukunft hat, glaubt Burger fest. Deshalb sei es wichtig, ein Ohr an den Menschen zu haben und aktuelle Bedarfe zu erkennen. Beispiel Integrationskurse. "Wir haben dort zahlreiche Teilnehmer, also wird es in Zukunft darum gehen, diese einer beruflichen Fortbildung zuzuführen." Nicht vernachlässigt werden dürfe der kostengünstige Zugang zu Kunst und Kultur – im Gegensatz zu exklusiven und teuren Kursen privater Anbieter. Für Eibelshäuser ist der Kontakt zu anderen Bildungsträgern wichtig. "In einer Stadt wie Gießen müssen Angebote abgestimmt und Kooperationen angestrebt werden." Ziel müsse es auch sein, Bildung nicht nur in der Fröbelstraße, sondern auch in den Quartieren anzubieten.

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