Die Eule ist aus dem gleichen Holz, pardon, Stein wie die Johanneskirche. FOTO: SCHEPP
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Die Eule ist aus dem gleichen Holz, pardon, Stein wie die Johanneskirche. FOTO: SCHEPP

Der steinerne Kauz

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Gießen(chh). Die Eule gilt als Symbol der Weisheit. Im alten Griechenland war sie der Göttin Athene geweiht. Athene war Schirmherrin der Künste und der Wissenschaften. So gesehen ist das steinerne Exemplar, das im Foyer der Universitätsbibliothek steht, hier bestens aufgehoben. Dabei hatte es einst einen weitaus prestigeträchtigeren Platz.

"Ursprünglich krönte die Figur den geschwungenen Giebel des Jugendstil-Universitätsbibliotheksbaus aus dem Jahr 1904", wie die JLU-Sammlungsbeauftragte Alissa Theiß betont. "Als das Gebäude 1944 den Bomben der Alliierten zum Opfer fiel, stürzte die Eule 15 Meter in die Tiefe - und blieb erhalten."

Im Krieg vom Dach gefallen

Das liegt vor allem am robusten Material. Die Eule besteht aus Londorfer Basalt, auch Lungstein genannt. Die Gießener Johanneskirche wurde einst aus dem gleichem Material gebaut. Laut Theiß ist das in Rabenau abgebaute Gestein sehr witterungsbeständig und verschleißfest.

Die Bibliothek von 1904 galt aus baulichen Gesichtspunkten als vorbildlich. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Bibliotheksleiter entworfen. "Sie verfügte über einen großen hellen Lesesaal und eigene Räume für die mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucke", erzählt Theiß. Es habe sogar Pläne gegeben, eine Rohrpost einzubauen, mit der Nachrichten zwischen den einzelnen Abteilungen hin- und hergeschickt werden könnten. "Dazu ist es aber nicht gekommen."

Die Bomben der Alliierten richteten verheerende Schäden am Gebäude an. 90 Prozent des Buchbestands wurden zerstört, nur der Keller und das Erdgeschoss blieben einigermaßen erhalten. Damit die Ruine weiterhin als Büchermagazin genutzt werden konnte, wurde ein Notdach verbaut. Wenig später wurde das Gebäude abgerissen und machte so Platz für eine neue Universitätsbibliothek. Es ist die 1959 eingeweihte "Alte UB" an der Bismarckstraße. Auch die steinerne Eule erhielt hier ihren Platz.

Seit 1983 in neuer UB

Allzu lange blieb sie jedoch nicht. Als die Bibliothek 1983 aus Platzgründen in das heutige Gebäude am Philosophikum I zog, gehörte auch die Eule zum Umzugsinventar. Seither wacht sie hier über die Studenten. Und animiert den ein der anderen vielleicht beim Streben nach mehr Weisheit.

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