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Der Zauberwürfel als Symbol für eine App, die fehlende Digitalisierung in der Eventbranche an mehreren Stellen gleichzeitig lösen will: »Gather« (Englisch für versammeln) ist die Geschäftsidee von Pawel Kobelev.

»Junge Gründer« - Start-up-Serie für den Sommer

Start-up-Serie: Pavel Kobelev möchte ein „Mega-Plattform“ für Events schaffen

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Mit seiner topaktuellen Idee hat er Eindruck hinterlassen beim diesjährigen Start-up-Weekend Mittelhessen in Gießen. Pawel Kobelev möchte seine App »Gather« zu einem universellen Werkzeug für Veranstalter, Organisatoren, Künstler und Besucher machen.

Seit gut einem Jahr müssen Menschen coronabedingt bei allen möglichen Zusammenkünften ihre Kontaktdaten hinterlassen - ob in der Kneipe und nun wieder bei Konzerten und Partys. »Daran haben wir uns inzwischen gewöhnt«, sagt Pawel Kobelev. »Doch Corona hat uns gezeigt, wie unvorbereitet wir hier eigentlich sind«. Lange hat es gedauert, bis die Zettelwirtschaft ansatzweise abgelöst wurde von der Luca-App. Auch langfristig werde es insbesondere bei Großevents Hygieneschutzkonzepte geben, darüber müsse man gar nicht streiten, ist sich Kobelev sicher.

Der 29-Jährige studierte an der Technischen Hochschule Mittelhessen im vor einigen Jahren gerade gestarteten Studiengang Eventmanagement und Technik und arbeitet heute in Berlin für einen Technikdienstleister, der sich im Zuge der Pandemie auch auf den Livestream-Kommunikationsbereich spezialisiert hat.

Mit seinen zwei Partnern, die noch ungenannt bleiben möchten, setzt Kobelev mit seiner App-Idee da an, wo Akteure und Besucher von Veranstaltungen in Kontakt kommen - daher auch der Name »Gather«, aus dem Englischen für versammeln. »Zunächst decken wir mit der App Grundlegendes ab, was im Vorlauf eines Events wichtig ist, also eine Bezahl-, Verifikations- und Informationsfunktion«, erläutert er. Mit Updates zu Events im Freien beispielsweise könnte man Besucher unmittelbar davor mit Push-Meldungen auf Mülleimer aufmerksam machen und so insgesamt für das Abfallproblem auf manchen Partys sensibilisieren.

Eine App für alle Prozesse

»Weitere Schritte und Funktionen sollen folgen, wie zum Beispiel ein Abo-Modell für verschiedene Tools in der App, eine Einkauffunktion, mit der man an Theken per Smartphone bezahlen kann oder einen Bereich, wo Veranstalter, Dienstleister, Künstler und andere Gewerke sich vernetzen können«, fährt Kobelev fort. Ebenso interessant für den Kassensturz nach dem Konzert beispielsweise: »Gather« soll die Auswertung von Daten wie Thekenumsätze ermöglichen und mit vorherigen Events vergleichbar machen.

Die Idee des gebürtigen Esten, der am Bodensee aufgewachsen ist, hat nicht nur einen technischen, sondern auch persönlichen und künstlerischen Hintergrund. Früher hat Kobelev selbst leidenschaftlich gerne kleine Techno-Raves organisiert - mit allem, was dazu gehört: Location finden, DJs auswählen, Deko gestalten, Getränkedienstleister beauftragen und nicht zuletzt natürlich Kosten kalkulieren. »Sehr cool« sei daher auch der Studiengang gewesen. Mit Eventmanagement und Technik konnte er sein Hobby professionalisieren. Und »Gather« soll nun die Software sein, die alle Prozesse, die Veranstaltungen mit sich bringen, digitalisiert, sagt Kobelev.

Bisher gebe es dafür nur Einzellösungen. Nicht aber das zentrale Tool - die »Mega-Plattform für Events«, wie er sagt. Er und seine Partner haben erkannt, dass auf dem Veranstaltungsmarkt auch schon vor der Pandemie verschiedene Entwicklungen abgelaufen sein, die so eine »Schnittstellenplattform« nötig machen. Google sei im Prinzip auch nichts anderes als eine Schnittstelle, die Informationen weiterleite.

Aber wie will das Trio damit nun Geld verdienen? »Das war tatsächlich noch ein Mangel, den die Jury beim Start-up-Weekend angesprochen hat - dass wir noch kein tragfähiges Finanzierungskonzept haben«, gibt Kobelev zu. Grundsätzlich möchten sie Provisionen für die Nutzung verschiedener Dienste in der App kassieren, das wären meist nur Centbeträge; hinzu kämen Einnahmen durch Abo-Modelle, die beispielsweise für Veranstalter von wiederkehrende Events interessant seien. Doch sie seien noch dabei, einen sinnigen Geschäftsplan zu entwickeln.

Jedenfalls kann sich das Team sicher sein: Der Markt für Zusammenkünfte von Menschen welcher Art auch immer wird zurückkommen. Und er wird nach dieser Krise genauer Ausschau halten nach effizienten Dienstleistern und attraktiver Software.

Ein Netzwerk für junge Start-ups in Mittelhessen sowie weitere Informationen gibt es im Internet unter foundershub-mittelhessen.de

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