Rolf Mank-de Vries (hinten) und Wolfgang Bellof vom Wiesecker Heimatmuseum präsentieren den neuen Kalender gleich im praktischen Ausklappformat. FOTOS: GL
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Rolf Mank-de Vries (hinten) und Wolfgang Bellof vom Wiesecker Heimatmuseum präsentieren den neuen Kalender gleich im praktischen Ausklappformat. FOTOS: GL

Ein starkes Stück Wieseck

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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In jedem Jahr bringt der Heimatverein Wieseck einen Kalender heraus. Für 2021 bietet der erstmals Poartgeschichten als Karikaturen nicht nur für waschechte Urwiesecker. Gezeichnet hat dieses "starke Stück Wieseck" rund um Poart und Kirche der frühere Kunstlehrer Rolf Mank-de Vries.

Poart und Martinskirche sind die herausragenden Wiesecker Wahrzeichen. Heimatforscherin Lina Fleig hatte die schon mal in den Siebzigerjahren in einem Mundartgedicht zum Sprechen gebracht. Rolf Mank-de Vries geht nun einen Schritt weiter. Für den neuen Kalender des Heimatvereins Wieseck hat der ehemalige Kunstlehrer den beiden Baudenkmälern Gesichter verpasst und lässt sie Monat für Monat durch Zeit und Raum reisen.

Die Poart beim Rodeln an der Badenburger Hohl, als Ausguck im Höhenrausch auf dem Brauhausturm oder Arm in Arm mit der Kirche beim utopischen Spaziergang auf der Philosophenstraße - immer gibt es Bezüge zu Wiesecker Örtlichkeiten und prägenden Personen zu entdecken.

Die Monatsbeiträge entstanden aus früheren Skizzen, Entwürfen und Erinnerungen in Kinderzeichnungen, die Rolf Mank-de Vries mit Sinn für Heimatgeschichte sowie mit Tusche und Bleistift in ansprechende Karikaturen verwandelt, ergänzt und aktualisiert hat. Vieles hat er seinen Zeichnungen gleich auf dem Aufklappkalender gegenübergestellt, auch die Texte hat er selbst verfasst.

Baudenkmal mit Gesicht

Und natürlich ist auch der eine oder andere satirische Seitenhieb dabei. So beteiligt sich der Heimatverein mit einer Zeichnung, die die Poart auf dem Brauhausturm Hanteln stemmen lässt, daran, den 56 Meter hohen Turm doch zu einem echten Vorbild für "Kunst am Bau" zu machen. Und gleichzeitig bekommt in Manks Karikatur das eigentliche Wiesecker Wahrzeichen, die Poart, als eine Art Kasseler Herkules wieder den ihr gebührenden Rang. Auch an die Rettung des alten Flughafengebäudes im heutigen Europaviertel, einst beliebtes Ausflugsziel der Wiesecker, wird erinnert, wenn Rolf Mank-de Vries gleich einen "Rettungsschirm" aufspannt und die Poart im Flugzeug abheben lässt.

"Wehklage der Poart" im Dezember

Immer wieder ergänzen historische Aufnahmen die Karikaturen. So kann man im September nicht nur Kirche und Poart bei einer "Wiesecker Atlantikfahrt" in See stechen lassen, sondern auch ein Foto entdecken, das Amerika-Auswanderer beim Heimatbesuch Ende des 19. Jahrhunderts vor der Poart zeigt. Dass die ausgerechnet zur 1200-Jahr-Feier des Ortsteils plötzlich ohne Torhüterhäuschen auskommen musste, auch daran erinnert Rolf Mank-de Vries mit der "Wehklage der Poart" zum Jubiläum 1975.

Ursprünglich habe er die Zeichnungen für ein Kinderbuch vorgesehen gehabt, um seinen Enkeln einen eher lustigen Zugang zur Geschichte Wiesecks zu vermitteln, erzählt er. Nun habe er den Kalender "zur Hälfte für mich selbst gemacht, als Teil meines Vermächtnisses". Von der anderen Hälfte seines kreativen Einsatzes profitieren nun alle, die den Kalender der Heimatvereinigung erwerben und so im nächsten Jahr jeden Tag ein "starkes Stück Wieseck" neu entdecken können.

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