Starker Beifall für exzellentes Konzert

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Gießen(bf). Einen glänzenden Auftakt der Saison von "Musik bei Vitos" erlebten die Besucher der Vitos-Kapelle am Samstag. Das sehr gut aufgelegte Gitarrenduo Haagen und Martens trat an, um den geneigten Zuhörern klassische und moderne Gitarrenmusik zu präsentieren, vom alten England bis zum modernen Tango. Es war ein hochinteressanter und anrührender Abend.

"Feliz Ano Nuevo 2020" hieß das Motto, und wie üblich war die Kapelle sehr gut besucht. Die Zuschauer gehen bei dieser Reihe kein Risiko ein: der Eintritt ist frei, und am Ende kann man nach persönlichem Ermessen spenden.

Seit 2010 als Duo unterwegs

Haagen und Martens sind in der Vitos-Kapelle keine Unbekannten, es ist ihr zweiter Besuch. Zudem traten sie auch im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg e. V. (KuKuK) erfolgreich auf. Peter Haagen studierte an der Musikhochschule Frankfurt und unterrichtete an der Justus-Liebig-Universität und verschiedenen Musikschulen Mittelhessens Musiklehrer, zudem unterrichtet er als Instrumentalpädagoge an der Gießener und Wetzlarer Musikschule.

Jörn Martens studierte an der Universität Gießen Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Seine klassische Gitarrenausbildung erhielt er in Köln. Beide sind auch solistisch und in mehreren Ensembles aktiv. Seit 2010 treten sie gemeinsam als Duo auf.

Mit ihrem neuen Konzertprogramm entführen die beiden das Publikum in die Vielfalt der Gitarrenmusik Europas und Argentiniens. Dabei stellen sie europäische Musik der Romantik und Renaissance in Kontrast zum Tango Argentino mit Werken unter anderem von Enrique Granados, Carlos Gardel, Astor Piazzolla und Robert Johnson.

Drei Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757), K 380, K 173 und K 159, eröffneten den Abend. Musiziert wurde mit sanfter Fröhlichkeit, man hörte lebendige Läufe und spürte einen sanften Tanzduktus; es herrschte stille Konzentration. In der zweiten der gleiche sanft tänzerische Stil, das Duo agierte mit sanfter Verschränktheit und arbeitete die wohlakzentuierte kompositorische Gegensätzlichkeit gut heraus. Die dritte Sonate schließlich war die intensivste. Deutlich tänzerischer, trug sie den Zuhörer wie im Traum davon. Wunderbar.

Hier wurden bereits mehrere Aspekte deutlich. Zum einen ist die klare und durchsichtige Akustik der gemütlichen Kapelle, die sogar warm wurde, einer so fragilen Musikdarstellung höchst zuträglich. Zum anderen praktizierten die Gäste eine ungewöhnlich große klangliche Durchsichtigkeit, in der man die Musik gleichsam wie unter der Lupe wahrnehmen konnte. Beides fügte sich zu einem großen Hörgenuss.

Weiter mit Mario Gangi. Seine "Suite Italiana" in drei Sätzen war stärker rhythmus- und melodiebetont und verströmte einen typisch mediterranen Charme, zudem war das Werk kompositorisch etwas dichter angelegt und wurde drängender musiziert. Im Folgenden musizierte man deutlich träumerischer, mit feinen Nuancen und einem hochsensiblen Abschluss. Schließlich wurde es sehr heiter und tanzbar, man agierte tief versunken. Starker Beifall. Im Nu fing die zweite Hälfte an, und man fand sich mit Robert Johnson im alten England wieder, man hörte in "The Flat Pavane" und "The Gaillard To The Flat Pavane" Lautenartiges, dabei reiche Verzierungen und Variationen.

Das erste große Glanzlicht des durchweg wohltuenden Abends war Enrique Granados Walzerzyklus "Valses Poeticos", ursprünglich eine romantische spanische Klaviermusik. Das kam mit fröhlicher Behändigkeit und einem neuen, ganz zarten Ansatz und einer fast lyrischen Auflösung; schöne melodische Akzente.

Noch ein Höhepunkt, abgesehen von Piazollas abschließendem "Tango Nr. 1", war Franciso Canaros "Corazon De Oro". Der Walzer erklang gefühlvoll, doch gleichsam analytisch, sehr hoch aufgelöst und ungemein transparent: Ein exzellentes Konzert. Langer, starker Beifall.

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