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Violinisten beim Auftritt in der Kongresshalle. FOTOS: JOU

Starke Interpretationen

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Gießen(jou). Das Publikum kam am Samstag in der gut gefüllten Kongresshalle in den Genuss eines der bislang besten Konzerte des Universitätsorchesters. Da stimmte einfach alles - von der formalen Konzeption über die Tempowahl bis hin zur Feindynamik. Zu loben ist zudem die erlesene Werkzusammenstellung.

Den Auftakt bildete Camille Saint- Saëns‹ "Danse macabre" op. 40. Bei der 1874 entstandenen Komposition handelt es sich um die Orchesterfassung der Liedvertonung eines Gedichts von Henri Cazalis. Unter der Leitung des Universitätsmusikdirektors Stefan Ottersbach spielte das Ensemble die Symphonische Dichtung rhythmisch markant und mit energischem Nachdruck. Konzertmeister Ilja Vladimirov gefiel mit seinem wohlklingenden, im Timing genauen Spiel. Die konturierte, im Spannungsbogen durchdachte Interpretation begeisterte restlos. Selbst wer die spukhafte Todesthematik der Programmmusik ausblendete, wird von der ausgefeilt instrumentierten Komposition in Bann geschlagen worden sein.

In noch stimmungsvollere Ausdruckswelten führten danach Saint- Saëns‹ "Introduction et Rondo Capriccioso" op. 28. Staunen ließ Soloviolinist Jermolaj Albiker - er hatte vor fast 20 Jahren schon einmal in Begleitung des Uniorchesters musiziert - mit seinem gleichermaßen virtuosen wie feinsinnigen Vortrag. Betörend, welch mannigfaltige Facetten er seinem Instrument entlockte und wie akkurat er mit dem Ensemble interagierte. Solist und Orchester setzten wohldosiert die Akzente und unterstrichen voller Fantasie derbe spanische Folklore-Anklänge. Regelrecht mitzureißen vermochte die temperamentgeladene Schlusssteigerung.

Den Bogen in die Mitte des 20. Jahrhunderts schlug Ernest Blochs neoklassizistische "Suite Symphonique". Das Ensemble förderte in seiner opulenten Darbietung der Ouvertüre die abwechslungsreiche Orchestrierung differenziert zu Tage; ansprechend zur Geltung brachte es kühne Klangwirkungen. Ebenso gefiel die getragene Passacaglia. Im scheinbar unaufhaltsamen musikalischen Strom rückte die schicksalhaft-ernste Sphäre in den Vordergrund. Kaum entziehen konnte man sich dem drängenden Impuls bei dem architektonisch strengen Allegro-Finale.

Einen Höhepunkt des Konzerts markierte das "Poème" für Violine und Orchester op. 25 von Ernest Chausson. Mit feiner lyrischer Ader trug das Orchester die verklärte Einleitung vor, Albiker knüpfte inspiriert daran an. Die tiefgründige Interpretation bereitete ein emotional intensives Erlebnis.

In der wieder recht detailfreudigen Darbietung rundeten die "Polowetzer Tänze" aus Alexander Borodins Oper "Fürst Igor" das Vergnügen ab. Mit ausgezeichnetem Rhythmusgefühl verlieh das Orchester den Kontrasten im Bewegungscharakter Lebendigkeit. Überdies zauberte es sehr schön immer neue Farbmischungen.

Die starken Interpretationen werden die Besucher so schnell nicht vergessen. Für den nicht enden wollenden Beifall wurden sie mit einer Zugabe belohnt.

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