Stahlmann Wilfried Schomber stellt am Schiffenberg aus

Wilfried Schomber verbindet in seinen Skulpturen Natur und Technik. In der Galerie auf dem Schiffenberg plant man derzeit, Schomber für drei bis vier Termine in diesem Jahr zu gewinnen, zu denen der 68-Jährige vor Ort arbeitet.

Langsam geht Wilfried Schomber zwischen seinen Skulpturen hindurch. Eher beiläufig und ohne viel Pathos spricht er über seine Werke: Hier ein Stier, dort eine Eule. Dass technische Elemente wie Leuchtdioden oder Nebelmaschinen eingebaut sind, erfährt man nur am Rande. Man könnte guten Gewissens behaupten, dass das Gespräch ein wenig vor sich hinplätschert. Doch dann darf der 68-Jährige aus Rabenau über Stahl sprechen, und ist plötzlich in seinem Element: E-Module! Linz-Donawitz-Verfahren! Eisen-Kohlenstoff-Diagramme! Die Worte kommen nun schneller. Die Blicke werden sofort eindringlicher.

Seit den 1970er Jahren, als er noch bei Faber & Schnepp arbeitete, fertigt Wilfried Schomber seine Skulpturen aus Stahl an. Damals, ein runder Geburtstag des Chefs stand an, entwarf er kleine Sternzeichen aus Metallabfall als Geschenk. "Er hat gesagt, ich müsse weitermachen", erinnert sich Schomber heute an die Reaktion des Chefs. Also weitermachen. Bald entstanden die ersten größeren Skulpturen, Rehe und Hirsche, für des Chefs Wochenendhaus.

Bis heute ziehen sich die Tiermotive durch seine Arbeit. Auch das hat eine Geschichte: "Als Kind habe ich Raben und Elstern großgezogen. Ich wollte Förster werden", verrät er. Der Stier und die Eule sind seit einiger Zeit genauso vor der Galerie auf dem Schiffenberg zu sehen wie ein lebensgroßer Bär aus Stahl und knapp 60 andere Werke. Darunter auch seine Interpretation des "Schrei" von Edvard Munch, die er nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zwischenzeitlich in einen "Schrei gegen die Atomkraft" verwandelt hatte. Für den Vogelpark Schotten schuf er einen gut fünf Zentner schweren Adler mit einer Spannweite von über vier Metern. Es dürfte einer der größten Metallvögel der Welt sein. "Ich habe noch viele Einfälle und müsste 150 Jahre alt werden, um sie alle umzusetzen", lacht der 68-Jährige. Sein großer Traum, den sich der Künstler unbedingt noch erfüllen möchte, aber ist ein Dinosaurier aus Stahl.

Damit der, aber auch der Bär oder der Stier, nicht unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht, gibt Schomber seinen größeren Skulpturen ein Skelett: Nachdem er sich mit Kreide eine Skizze auf den Hof gemalt hat, fertigt er den oft filigranen Kopf und die inneren Metallverstrebungen an. "Das ist körperlich anstrengend. Aber beim Hochheben des Gerüsts hilft mir mein Sohn." Früher hantierte der Künstler aus Rabenau mit einem Schneidbrenner, heute arbeitet er mit einem Plasmabrenner: Ein leitfähiges Gas mit einer Temperatur von etwa 30 000 Grad schneidet Messing, Titan oder Kupfer wie Butter. "Das ist fünf Mal heißer als die Oberfläche der Sonne. Damit habe ich völlig neue Möglichkeiten."

In der Galerie auf dem Schiffenberg plant man derzeit, Wilfried Schomber für drei bis vier Termine in diesem Jahr zu gewinnen, zu denen der 68-Jährige vor Ort arbeitet. Mitbringen soll er möglichst auch die mit Kohle betriebene Feldschmiede, die dem Rabenauer einst von seinem Onkel vermacht wurde. "Wenn ich die zu Hause anwerfe, muss ich aufpassen, dass die Nachbarn nicht die Feuerwehr rufen", lacht er. fd

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