Henrik Wieneckes Stahlplastik dominiert die untere Ebene. FOTO: BF
+
Henrik Wieneckes Stahlplastik dominiert die untere Ebene. FOTO: BF

Stahlfigur verströhmt Leichtigkeit

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen(bf). Schon bestens vertraut, ist die aktuelle OKB-Ausstellung "Das kleine Format" dennoch eine willkommene Abwechslung: Zahlreiche OKB-Künstler zeigen kleinere Arbeiten und beweisen damit einmal mehr, dass bescheidene Größe keinesfalls Mängel mit sich bringt; es ist eben anders. Zur Vernissage am Samstag war ergänzend eine Ausstellung von neun Keramikern der Region zu sehen, aber eben nur einmal. Die Gesamtwirkung war für den Betrachter hochcharmant.

In einer Art Kunstmarkt waren die Stände auf dem Rasen vor der Galerie platziert, und kurz nach dem Start kam die Sonne heraus. Zugleich war in der Galerie die Schau mit Arbeiten auch der Keramiker zu sehen, man konnte entspannt hineinflanieren.

Schon draußen fiel die hohe kreative Qualität der Objekte auf. Zwar waren hier zahlreiche sehr gut haushaltsgeeignete Tassen, Teller oder Schalen und noch so einiges mehr zu sehen, doch fiel gleich die überwiegend hohe künstlerische Qualität der Gestaltung auf. Ganz gleich zu welcher Funktion gedacht, zeigten sich hier hoch ästhetische Objekte in verschiedenster Größe und Anmutung - man konnte sich kaum sattsehen. Das Meiste vermutlich sogar spülmaschinenfest. So kann man teilweise echte Kunst direkt auf dem Frühstückstisch genießen.

In der Galerie ist die Eingangshalle wieder mit etwas größeren oder vielmehr raumbedürftigen Skulpturen von 27 Künstlern inszeniert, deren Gruppierung dem Betrachter nicht den Überblick nimmt. Auffällig ist zum einen die Stahlfigur von Henrik Wienecke, die einen engelartigen Duktus aufweist. Daneben erzählen Bertold-Josef Zavadckis hochansehnliche Keramiken vom Tango und den Menschen, die ihn tanzen: differenziert, sicher in der Komposition, stark in der Wirkung auf den Betrachter. Eine kleinere Bronzeskulptur von Markus Thorn, der ansonsten meist in Stein arbeitet, kommuniziert weiter hinten ganz entspannt mit den Arbeiten an der großen Rückwand. So ergeben sich klug und attraktiv inszenierte Gruppen. Auch hier finden sich ausgefallene Arbeiten, etwa Thorns zweifache Fotoinszenierung, die aus zig alten kleinen Schwarzweißfotos zusammengesetzt ist und im Breitwandformat eine leicht an Comics erinnernde Form aufweist - und eine ziemlich lange Geschichte erzählt. Verblüffend, wie hier Dutzende Geschichten zusammengewachsen zu sein scheinen und eine neue ergeben.

Mit schönster Leichtigkeit feiert gegenüber Paulina Heiligenthal in ihrer Dreierserie mit blütenartigen, aquarellfarbenen Farb- und Lichtflächen "Die Leichtigkeit des Sommers". Markant ist auch Thomas Wörsdörfers Arbeit "Der Seher", ein wie aus Stein gemachtes Antlitz eine Mannes, dessen Augen sich in ihrer Substanz nicht von den anderen Partien seines Gesichts unterscheiden. Man verspürt eine leichte magische Wirkung, versenkt man sich in dieses Bild.

Insgesamt eine Schau, die den Besuch einmal mehr lohnt, indem sie Vielfältigkeit und den Ausdrucksreichtum der Künstler abbildet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare