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Michael Patrick Kelly sorgt mit einem fantastischen Konzert für den krönenden Abschluss des Gießener Kultursommers.

Stagediving mit Michael Patrick

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Wow, ist der sympathisch! Dass Michael Patrick Kelly ein netter Kerl ist, dürfte sich herumgesprochen haben. Doch dass der Star so gerne auf Tuchfühlung mit seinen Fans geht, mag den ein oder anderen der 5000 Besucher auf dem Schiffenberg dann doch überrascht haben. Kellys Konzert war der krönende Abschluss des Kultursommers: Stagediving und Bäder in der Menge inklusive.

Es ist noch hell, als Michael Patrick Kelly kurz vor acht die Bühne auf dem Schiffenberg betritt. Die riesige Videowand zeigt den eher schmächtigen Sänger mit dem schwarz-roten T-Shirt und den aufgerissenen Jeans in Großaufnahme. An seiner Seite stehen gleich drei Musiker mit Gitarren, Schlagzeuger und Keyboarder sind ebenfalls dabei. Den Rest übernimmt Michael Patrick Kelly mit seiner unverwechselbaren Stimme und an diversen Instrumenten.

Es wird rockig an diesem Abend. Das ist den 5000 Besucher im ausverkauften Abschlusskonzert des diesjährigen Kultursommers bewusst. Längst vorbei sind die alten Zeiten, in denen Michael Patrick Kelly mit seiner langhaarigen Kelly Family riesige Hallen gefüllt und mit dem roten Doppeldeckerbus durch die Lande gezogen ist. Dass dieses Aufwachsen ohne feste Heimat und eine Jugend unter den Augen der Öffentlichkeit und permanentem Erfolgsdruck nicht einfach war, das merkt man dem "Sing mein Song"-Gastgeber und "The Voice"-Juror immer noch an. Sein Song "Free" wirkt wie ein Befreiungsschlag und auch bei "Shake away" muss man unweigerlich an die riesige Last denken, die sich Kelly auch mit einigen Jahren in einem Kloster von den eigenen Schultern genommen hat.

Seinen tiefen Glauben an Gott und seine Nächstenliebe nimmt man Michael Patrick Kelly sofort ab. Die Suche nach direktem Kontakt mit dem Publikum, die bei anderen Sängern wie eine Publicity-Einlage wirken mag, ist ihm offenbar ein tiefes Bedürfnis. Das von der 14-jährigen schwer kranken Emily aus dem Publikum gehäkelte Kissen mit einem Bild von Baby Michael Patrick mit seiner Mutter hält er sichtlich gerührt in die Höhe. Und auch zum Stagediving gibt er sich der Menge hin, getreu dem Song "Friends R Family". Gleich zweimal klettert er von der Bühne, um etwa zu seinem Riesenhit "E Voila" Fans zu drücken, Hände zu reichen und vor allem jeden Rollstuhlfahrer einzeln zu begrüßen. "Ihr könnt mich adoptieren", ruft er den Fans zu - und so mancher könnte das ernsthaft in Erwägung ziehen. Selbst die Schweigeminute nach dem Johannes-Oerding-Song "Heimat" mit anschließendem Glockenschlag (die Glocke wurde aus Kriegsschrott gegossen) und einer Schweigeminute für den Frieden wirkt überzeugend. Nur, dass Gießen in Hessen und nicht im Sauerland liegt, sollte der Ire vielleicht noch mal nachschauen.

Kelly weiß, worum es im Leben wirklich geht. Wenn er die "Dark Side of Rock’n’Roll" besingt oder Jennifer Habens Hardrock-Lied "Unbroken" singt, dann kann man erahnen, durch welche Abgründe er gegangen ist, wie sehr er darum kämpfen musste, endlich das zu tun, was er, und nur er, tun will. "Kein Konzert der Tournee war so schnell ausverkauft, wie dieses", freut sich Kelly und kann sich sogar über die über den Zuschauern an einem Seil fahrende Kamera freuen.

Der Titelsong der Tour ist "ID", ein Lied, in dem es darum geht, wer man ist, wer der andere ist und wer wir alle zusammen sind. Es wird an diesem Konzertabend zum Symbol für einen Sänger, der seinen Platz in der Welt gefunden hat und ein Publikum, das über Generationen hinweg für zwei Konzertstunden innere Zufriedenheit empfindet - Michael Patrick Kelly sei Dank.

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