Müllverbrennung

Stadtwerke weihen weiteres Müllheizwerk in Gießen ein

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Ihre zweite thermische Reststoff-Verbrennungsanlage (TREA) haben die Stadtwerke Gießen jetzt offiziell eröffnet. Das Millionenprojekt im Leihgesterner Weg soll technisch neue Maßstäbe setzen.

Kommunales Versorgungsunternehmen werden die Gießener Stadtwerke oft genannt. Nicht nur für Prof. Olaf Berger, den Vizepräsidenten der Technischen Hochschule Mittelhessen, ist das stadteigene Unternehmen aber viel mehr als ein Produzent und Lieferant von Energie. Ein "Hochtechnologieunternehmen" und "Trendsetter" seien die SWG, lobte der THM-Vize am Freitagvormittag in einem Partyzelt am Atzelbusch, wo die neueste großtechnische Errungenschaft der Stadtwerke gefeiert wurde. Nach sechsjähriger Planungs- und Bauzeit wurde unterhalb des Leihgesterner Wegs die zweite Thermische Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlage – kurz TREA II – eingeweiht.

Mit der zweiten Anlage haben die SWG technologisch noch einen draufgesetzt, nachdem bereits mit der TREA I vor allem in Sachen Abgasreinigung Maßstäbe gesetzt wurden. In der zweiten Anlage werden nicht nur pro Jahr bis 40 000 Tonnen vorbehandelter Gewerbeabfall aus der Region verfeuert, um Wärme für das Fernwärmenetz zu gewinnen, sondern auch, um Strom zu erzeugen. Bundesweit gebe es derzeit keine vergleichbare Anlage, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und lobte die SWG für deren erneut "innovative Pionierarbeit".

SWG-Technikvorstand Matthias Funk sprach von einem weiteren "kleinen Beitrag", den die SWG im Rahmen der dringend notwendigen klimafreundlichen Energieerzeugung leisteten. Mit der Verbrennung des regenerativen Ersatzbrennstoffs spare die TREA II rund 25 000 Tonnen Kohlendioxid bzw. sieben Millionen Liter Heizöl ein. Mit einer Investitionssumme von 26,8 Millionen sei die TREA II "das teuerste Einzelprojekt in der Geschichte der Stadtwerke".

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, dessen Behörde die TREA II in einem aufwendigen Verfahren genehmigt hatte, lobte die regionale Verwertungskette und den technischen Standard. "Da kann man als Genehmigungsbehörde guten Gewissens sagen, dass von dieser Anlage keine Gefahren für die Bevölkerung ausgehen", sagte der RP.

Überzeugungsarbeit im Umfeld des Atzelbuschs, wo die SWG nun drei Heizkraftwerke betreiben, hatte vor allem vor dem Bau der TREA I geleistet werden müssen. Daran erinnerte auch OB Grabe-Bolz, die den Bürgerverein "Lebenswertes Gießen" für dessen konstruktive Rolle bei der Planung vor zehn Jahren lobte. Jetzt – der Probebetrieb der TREA II lief bereits vor drei Jahren an – habe es aus der Anwohnerschaft keinen einzigen Einwand mehr gegeben.

Nach Angaben der Stadtwerke deckt die in der TREA II erzeugte Wärme den Bedarf von 3300 Einfamilienhäusern und durch den erzeugten Strom den Bedarf von rund 10 000 Durchschnittshaushalten. Bislang gehen die Experten von einer Jahreslaufleistung von etwa 7400 Stunden aus. Der Dank der SWG gilt dem früheren THM-Professor Fritz Richards für die Mitarbeit an dem Projekt.

Gruppen können die TREA II ab sofort besichtigen. Infos und Anmeldung unter www.swg-konzern.de.

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