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Trotz Corona auf gutem Kurs sind die Gießener Stadtwerke.

Stadtwerke trotzen Corona

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Mit den Stadtwerken hat eines der größten Gießener Unternehmen die Coronapandemie bisher gut überstanden. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der stadteigene Versorger mit 10,5 Millionen Euro einen sogar leicht erhöhten Gewinn. Für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft wird die Digitalisierung immer wichtiger.

SWG-Vorstand Jens Schmidt drehte seinen Laptop zu den Journalisten und deutete auf eine Grafik. Die Kurve zeigte, wie sich die Raumluft in der GründerWerkStadt an der Lahnstraße während des Pressegesprächs verändert hatte. Je reger der Gesprächsverlauf, desto höher wurde der Kohlendioxid- und Virengehalt der Luft in dem Raum, an dessen Wand Sensoren sitzen.

Mitte des vergangenen Jahres hatte die Stadtwerke Gießen AG mit dem Aufbau eines Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) begonnen, um zunächst im eigenen Haus durch rechtzeitiges Lüften der Verbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. An der Goethe- und der Sandfeldschule ist LoRaWan im Probeeinsatz, um auch hier einen Beitrag im Kampf gegen Corona zu leisten. »Die Pandemie ist auch ein Technologietreiber«, sagte der technische Vorstand Matthias Funk am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2020.

Kaum Infektionen bei Mitarbeitern

Das stadteigene Versorgungsunternehmen hat die ersten neun Monate der Pandemie, die in anderen Branchen schwere wirtschaftlichen Schäden anrichtet, gut überstanden. Dank zurückgehender Steuerbelastung stieg der Jahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr sogar um 1,5 Millionen Euro auf 10,5 Millionen, von denen 2,5 Mio. als Gewinnausschüttung dem Stadthaushalt zugeführt werden. Stadträtin und SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser hatte also doppelt Grund zur Freude. Die SWG seien ein »grundsolides Unternehmen«, stellte die SPD-Politikerin mit Blick auch auf die Eigenkapitalquote von 38,5 Prozent fest.

Beim Blick zurück hob Technik-Vorstand Funk hervor, dass die SWG trotz Corona-Lockdown die Umstellung von rund 21 000 Haushalten von L- auf H-Gas und die Inbetriebnahme des zweiten Müllheizkraftwerks (TREA II) bewältigen konnten. »Wir haben viele Mitarbeiter frühzeitig ins Homeoffice geschickt und hatten nur sehr wenige Infektionen in der Mitarbeiterschaft«, bilanzierte der kaufmännische Vorstand Schmidt. Diese Arbeitsfähigkeit sei für ein Unternehmen, das eine kritische Infrastruktur zur Verfügung stelle, essentiell. Schmidt: »Die Netze müssen funktionieren.«

Digitalisierung und Ökostrom

Über weite Strecken glich das Pressegespräch eher einer technologischen Leistungsschau als einer Bilanzpressekonferenz. Ob ein Überwachungssystem wie LoRaWan, ob die neue Livemap mit der Software Vectura Analytics, die anzeigt, wie voll der nächste Stadtbus ist, ob Energiemanagement, Verkehrssteuerung, die App fürs E-Tanken oder der Bäder-Zugang in Zeiten von Corona: Überall ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen beim Alltagseinsatz von Speichertechnologien, in Gießen aktuell mit der Energiezentrale des neuen Wohn- und Gewerbegebiets Philosophenhöhe. Oder der Vertrieb von E-Rollern. Die Energiewende erfordere ständig »neue, innovative Lösungen«, sagte Funk.

Den Anforderungen der Kommunalpolitik, die im Ziel der Klimaneutralität Gießens bis 2035 gipfelt, kommen die SWG offenbar auch unaufgefordert nach. Bei der Nahverkehrstochter Mit.Bus läuft die zweite Modernisierungswelle des nahezu CO2-freien Fuhrparks, und mit dem »neuen« klimaneutralen Produkt Gießener GrünstromPlus werde ebenfalls ein Beitrag geleistet, 2035Null näherzukommen.

Die SWG, denen die neue Stadtkoalition aus Grünen, SPD und Gießener Linke ein eigenes Kapitel in ihrem Koalitionsvertrag gewidmet haben, seien ein »wichtiger und krisensicherer Partner« beim Klimaschutz und der Verkehrswende, unterstrich Aufsichtsratsvorsitzende Eibelshäuser.

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