Stadtwerke: 4,8 Millionen Euro Gewinn

Gießen (si). Die Stadtwerke Gießen haben 2007 einen Gewinn von 4,8 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet - so viel wie seit langem nicht mehr.

Gießen (si). Die Stadtwerke Gießen haben 2007 einen Gewinn von 4,8 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet - so viel wie seit langem nicht mehr. Für Vorstand und Aufsichtsrat ist dies allerdings nur bedingt Anlass zur Freude. Ursächlich seien zum größten Teil einmalige Sondereffekte wie die rückwirkende Erstattung von Ertragssteuern, sagte der Vorstandsvorsitzende Manfred Siekmann gestern bei der Vorlage der Jahresbilanz. "Wir können nicht davon ausgehen, auch im nächsten Jahr ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen". Siekmann zufolge haben sich die Erträge im Konzern - AG und Tochterunternehmen - unterm Strich "nicht befriedigend" entwickelt. Ein Grund dafür: In den vergangenen Jahren seien Kostensteigerungen nicht in vollem Umfang weitergegeben worden. In dem Zusammenhang ließ Siekmann durchblicken, dass sich Stromkunden der Stadtwerke im Januar auf eine neue Preiserhöhung einstellen müssen. Den genauen Umfang ließ der Geschäftsführer offen.

Mit Blick auf die stark gestiegenen Energiepreise und die rechtliche Auseinandersetzung bei der Vergabe der Buskonzessionen sprach der Aufsichtsratsratsvorsitzende Dr. Volker Kölb von einem "einigermaßen turbulenten Jahr 2007". In seiner Funktion als Kämmerer darf sich Kölb, der die Bilanz mit Siekmann und dem für Technik zuständigen Vorstandsmitglied Reinhard Paul erläuterte, über den Abschluss aber freuen: Vom Stadtwerke-Gewinn fließen eine Million Euro in den Stadtsäckel. Die übrigen 3,8 Millionen wandern in die Rücklagen des Unternehmens, um "für alle Fälle gewappnet zu sein". Siekmann verwies unter anderem auf ein laufendes wasserrechtliches Kartellverfahren, bei dem die Stadtwerke zu Preissenkungen gezwungen werden könnten. Die Stadt hatte auch im vergangenen Jahr eine Million Euro an Dividende einstreichen können, damals entsprach dies jedoch dem gesamten Jahresgewinn; 2006 fiel dieser, ebenfalls wegen Sondereffekten, ungewöhnlich niedrig aus.

Zum Konzernergebnis trugen die einzelnen Unternehmenszweige - wie schon in den Vorjahren - stark unterschiedlich bei. Der Löwenanteil kam mit 2,6 Millionen Euro von der AG, rentabel arbeiteten aber auch Mit.Bus GmbH (746 000), Heizkraftwerk Gießen GmbH (265 000) und die Elektrizitätswerke Hammermühle Versorgungs-GmbH (193 000). Die Mittelhessen Netz GmbH erwirtschaftete dagegen ein Minus von 2,26 Millionen Euro - vor allem, weil die Regierungsbehörden des Bundes (Strom) und des Landes Hessen (Erdgas) die Entgelte für die Netznutzung gekürzt hatten. Im Vorjahr hatte die "MIT.N" noch ein Plus von über 300 000 Euro beigesteuert. In der Bilanz fällt auch auf, dass die Aufwendungen für Personalausgaben deutlich - um 1,6 Mio. Euro - sanken. Siekmann verwies auf geringere Rückstellungen für die Altersteilzeit. Die Mitarbeiterzahl verringerte sich nur unwesentlich. 743 Menschen arbeiteten am Jahresende bei den Stadtwerken.

Für die kommenden Jahre rechnet das stadteigene Unternehmen mit weiter sinkenden Nutzungsentgelten und dadurch auch weiter steigendem Wettbewerbsdruck auf den Strom- und Gasmärkten. Die Stadtwerke wollen sich deshalb neue Geschäftsfelder erschließen. Die Planungen laufen - unter Beteiligung von Vorstand und leitenden Mitarbeitern - unter der internen Bezeichnung "Projekt SWG 2015", und es gibt auch schon einen ersten konkreten Vorschlag: Danach sollen "Energiedienstleistungen" für öffentliche und private Einrichtungen - von Wohnungsbaugesellschaften über Krankenhäuser bis hin zu Unternehmen - angeboten werden. Das Paket umfasst die Erstanalyse des Energieverbrauchs, die Ermittlung und Bewertung des Einsparpotenzials, ein technisches und betriebswirtschaftliches Konzept "mit vertraglich zugesicherter Einspargarantie" und schließt die Umsetzung der Vorschläge sowie eine Erfolgskontrolle ein. Kunden in ganz Hessen würden schon bald gezielt angesprochen, sagte Vorstandsmitglied Paul.

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