Der Gewinn aus 2019 fließt zu großen Teilen in die Rücklagen. Denn Corona dürfte sich 2020 negativ auswirken. 
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Der Gewinn aus 2019 fließt zu großen Teilen in die Rücklagen. Denn Corona dürfte sich 2020 negativ auswirken. 

Corona trübt Prognose

Stadtwerke Gießen verdreifacht Gewinn - Auswirkungen auf Stadt

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die Gießener Stadtwerke haben 2019 einen erheblichen Gewinn erwirtschaftet. Der Energieversorger kann das Geld gut gebrauchen. Denn der Geschäftsbericht für 2020 wird wegen Corona anders aussehen.

Gießen - Mindestabstand, großer Raum, offene Fenster für die Frischluft: Auch bei der Bilanzpressekonferenz der Gießener Stadtwerke war die Corona-Pandemie allgegenwärtig. Und das nicht nur wegen der Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch wegen der teils gravierenden Auswirkungen auf den Energiekonzern und seine Kunden. In Zahlen wird das erst im nächsten Geschäftsbericht aufschlagen. Umso glücklicher waren die beiden Vorstände Jens Schmidt und Matthias Funk sowie Prokuristin Ina Weller und Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser über das außerordentlich positive Ergebnis aus 2019.

Ein Gewinn von neun Millionen Euro steht am Ende unter dem Strich. Das ist mehr als das Dreifache im Vergleich zum Vorjahr. "Der Gewinn ist sehr wichtig, damit wir Rücklagen bilden und die Probleme aus 2020 abfedern können", betonte der kaufmännische Vorstand Schmidt.

Laut Schmidt ist der Erfolg vor allem Sondereffekten zu verdanken. Als Beispiele nannte er den Verkauf von Beteiligungen, Erträge durch Nachzahlungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie dem für die Stadtwerke vorteilhaften Bauboom in der Region. "Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr genau mit unserer eigenen Effizienz beschäftigt und hier vieles verbessert. Jetzt ernten wir die Früchte dieser Arbeit", betonte Schmidt.

Auch die Stadt Gießen profitiert. Während die Stadtwerke 6,5 Millionen Euro in die eigenen Rücklagen stecken (die Eigenkapitalquote liegt bei 36 Prozent), werden auch 2,5 Millionen Euro an die Stadt als Eigentümerin ausgeschüttet. "Die Stadtwerke sind für uns ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", unterstrich Eibelshäuser daher und fügte an, dass von jedem Euro, den die SWG einnehme, 29 Cent in der Region blieben.

Der technische Vorstand Matthias Funk gab im Anschluss Einblicke in die großen Projekte des vergangenen Jahres. In Sachen Wärmeerzeugung sei die Inbetriebnahme der zweiten thermischen Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlage (TREA 2) im April 2019 ein Meilenstein gewesen. Zudem habe man die aufwendige Umstellung von L- auf H-Gas nahezu abgeschlossen und die Fahrzeugflotte um zehn weitere Erdgasbusse erweitert. "2019 ist der letzte Dieselbus außer Betrieb genommen worden", betonte Funk und fügte an, dass nun die gesamte Flotte alternativ und somit nahezu klimaneutral betrieben werde.

Auch beim Umstieg der Kunden auf Elektroautos habe das Unternehmen Starthilfe geleistet, fügte Weller an. Mit der Produktwelt "E-Revolution" habe die SWG nicht nur 51 E-Autos an Kunden ausgeliefert, sondern auch elf Photovoltaikanlagen und Stromspeicher vermittelt. "Wer E-Fahrzeugen zum Durchbruch verhelfen möchte, muss aus unserer Sicht das Laden immer gleich mitdenken", sagte Weller.

2019 war für die Stadtwerke ein gutes Jahr. Daran ließen die Verantwortlichen keinen Zweifel. Ein Grund zur Euphorie sahen sie darin jedoch nicht. Dafür seinen die Herausforderungen der Zukunft viel zu ungewiss.

"Es lässt sich nicht abschätzen, welche Auswirkungen Corona haben wird", sagte Schmidt. Klar sei schon jetzt, dass die Schließung der Bäder und der starke Rückgang beim Busverkehr - bei laufenden Kosten - erhebliche Auswirkungen haben werde.

Ungewiss sei zudem, inwiefern die Schließung vieler Geschäfte den Stromverbrauch reduziert habe und in welchem Umfang der womögliche gestiegene Verbrauch der zu Hause weilenden Privatpersonen dies auffangen konnte. "Trotzdem sehen wir uns für die Zukunft gut gerüstet", betonte Schmidt. Eine Aussage, die bei einem Gewinn von neun Millionen Euro sicher etwas leichter über die Lippen kommt.

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