Stadtwerke-Kunden müssen künftig mehr zahlen. Wie hoch der Preis für Fernwärme ausfällt, ist noch unklar. 	FOTO: SCHEPP
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Stadtwerke-Kunden müssen künftig mehr zahlen. Wie hoch der Preis für Fernwärme ausfällt, ist noch unklar.

Energiekosten

Gießen: Stadtwerke erhöhen Preise für Gas und Wärme spürbar

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Kunden der Stadtwerke Gießen müssen kommendes Jahr mehr Geld für das Heizen ihrer Räume ausgeben. Die Preise für Erdgas und Fernwärme steigen.

Gieße – Die gute Nachricht vorneweg: Wer von den Gießener Stadtwerken Strom bezieht, muss kommendes Jahr nicht mehr Geld als jetzt bezahlen. Der Preis bleibt stabil. Die schlechte Nachricht: Ab 2021 steigt der Preis für Erdgas um 0,3 Cent pro Kilowattstunde. Für den Durchschnittskunden, der jährlich zirka 27 350 Kilowattstunden verbraucht, sind das pro Monat 6,83 Euro mehr als bisher. »Das ist die erste Preiserhöhung seit 2015«, sagt Unternehmenssprecherin Ina Weller, die die Erhöhung am Donnerstag zusammen mit den beiden Vorständen Jens Schmidt und Matthias Funk verkündete. Das Stadtwerke-Trio begründet den Anstieg mit dem Brennstoffemissionshandelsgesetz. 

Stadtwerke Gießen: Klimaneutral dank Zertifikat-Kauf

Der Bundestag hat das BEHG verabschiedet, um den Klimaschutz voranzutreiben. Demnach kostet ab dem 1. Januar 2021 jede ausgestoßene Tonne CO2 25 Euro. Dieser staatliche Auftrag verteuert Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas und Erdgas. Das Ziel: Fossile Brennstoffe sollen für Endkunden unattraktiver werden und so einen Umstieg auf erneuerbare Energien befördern. Für Erdgas bedeutet dies einen Anstieg um 0,455 Cent pro Kilowattstunde. 

 »Auch wir müssen die neue, politisch festgelegte Komponente in unsere Erdgaspreise einkalkulieren«, erklärt Schmidt. Gleichzeitig betont der Kaufmännische Vorstand, dass der Anstieg dank einer »ausgeklügelten Beschaffungsstrategie«, also einem vergleichsweise günstigen Einkauf des Brennstoffs, abgemildert worden sei. »Das versetzt uns in die Lage, unsere Endpreise lediglich um rund 0,3 Cent pro Kilowattstunde anheben zu müssen«, sagt Schmidt und ergänzt: »Ohne den neuen Posten für das CO2 hätten wir unsere Gaspreise spürbar gesenkt.« 

Stadtwerke Gießen: Auch der Fernwärme-Preis legt zu

Von dem Anstieg sind auch jene Kunden betroffen, die von den Stadtwerken mit Fernwärme versorgt werden. Denn obwohl Fernwärme in Gießen schon zu weiten Teilen regenerativ entstehe, müssten die SWG nach wie vor Erdgas für deren Erzeugung einsetzen, sagt der technische Vorstand Funk. Folglich macht sich der CO2-Aufschlag hier ebenfalls bemerkbar. »Wir kommen nicht umhin, unsere Preise auch in diesem Sektor anzupassen.« Wie hoch die Erhöhung der Fernwärme ausfällt, stehe derzeit noch nicht fest.

Die Energiewende kostet Geld, das betonen Weller, Funk und Schmidt gleichermaßen. Nicht nur für die Kunden, sondern auch für Händler wie die Stadtwerke. Der Gießener Energiedienstleister hat sich zum Beispiel vorgenommen, ab dem kommenden Jahr klimaneutral zu sein. »Jede Kilowattstunde Energie, die wir im Privat- und Gewerbekundensegment verkaufen, ist ab Januar CO2-neutral«, kündigt Funk an.

Stadtwerke Gießen kaufen Zertifikate von Wasserkraftwerk in Indien

Möglich wird das durch den Handel mit Zertifikaten. Und der funktioniert so: Die Stadtwerke kompensieren ihre Emissionen über den Kauf von sogenannten Verified-Emission-Reduction-Zertifikaten. Diese Zertifikate veräußern Betreiber, die mit ihren Projekten CO2 einsparen - etwa mit Windkraft-, Wasserkraft- oder Photovoltaikanlagen, aber auch mit großflächigen Aufforstungen. Laut SWG existieren besagte Unternehmungen nur, weil die Einnahmen aus dem Zertifikat-Handel ihren wirtschaftlichen Betrieb garantieren oder ihr Entstehen überhaupt erst ermöglichen. Deshalb befänden sich praktisch alle Projekte, für die solche Zertifikate ausgegeben werden, außerhalb Europas. Also in Ländern, in denen ohne diese finanzielle Unterstützung viel billigere Kohlekraftwerke gebaut würden.

»Dank der freiwilligen Kompensation können immer mehr saubere Kraftwerke echte Dreckschleudern ersetzen«, betonen die Stadtwerke-Vertreter. Um die rund 130 000 Tonnen CO2 zu kompensieren, die die SWG jedes Jahr erzeugen, kauft der Gießener Dienstleister Zertifikate eines Wasserkraftwerks in Indien. Schmidt betont: »Die aus der CO2-Kompensation resultierenden Kosten übernehmen wir. Für unsere Kundinnen und Kunden ändert sich nichts.«

Das betrifft jedoch nur den Strompreis. Mit Blick auf die Gebühren für Gas und Fernwärme müssen die Stadtwerke-Kunden künftig einen zusätzlichen finanziellen Beitrag zur Energiewende leisten.

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