Im Stadttheater: Märchen für die ganze Familie

  • Manfred Merz
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Gießen (mm). Es soll ein Ereignis für die ganze Familie werden, verspricht Intendantin Cathérine Miville. Unter ihrer Regie feiert die Oper »Schwanda, der Dudelsackpfeifer« von Jaromír Weinberger am Samstag, 24. März, um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Während des Pressegesprächs deutete Miville eine spannende Inszenierung an und schwärmte von der »großartigen Musik«. Die Sänger betonten ihrerseits den Facettenreichtum der Partien. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des stellvertretenden Generalmusikdirektors Jan Hoffmann, der unter anderem mit einer »Teufelspolka« lockt, »die ein wenig nach Katzenmusik« klingt. Weinbergers Sound erinnert Hoffmanns Worten zufolge unter anderem an Smetana, Puccini und Humperdinck. Und um es vorwegzunehmen: Ein Dudelsack ertönt in der Oper nicht.

Gießen (mm). Es soll ein Ereignis für die ganze Familie werden, verspricht Intendantin Cathérine Miville. Unter ihrer Regie feiert die Oper »Schwanda, der Dudelsackpfeifer« von Jaromír Weinberger am Samstag, 24. März, um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Während des Pressegesprächs deutete Miville eine spannende Inszenierung an und schwärmte von der »großartigen Musik«. Die Sänger betonten ihrerseits den Facettenreichtum der Partien. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des stellvertretenden Generalmusikdirektors Jan Hoffmann, der unter anderem mit einer »Teufelspolka« lockt, »die ein wenig nach Katzenmusik« klingt. Weinbergers Sound erinnert Hoffmanns Worten zufolge unter anderem an Smetana, Puccini und Humperdinck. Und um es vorwegzunehmen: Ein Dudelsack ertönt in der Oper nicht.

In zweieinhalb Stunden wird auf der Bühne ein Märchen erzählt. Babinsky, der gerissene Gentleman-Räuber, so eine Art Robin Hood aus Böhmen mit einem Herz für die kleinen Leute, trifft auf den Landwirt und Volksmusikanten Schwanda. Mit dem listigen Versprechen einer Musikkarriere in der weiten Welt lockt Babinsky den virtuosen Dudelsackpfeifer von seinem Hof, auch weil er dessen frisch angetraute Frau Dorota für sich gewinnen will. Die Suche nach dem Glück führt die beiden ungleichen Männer ins Reich der frostigen Königin Eisherz. Schwandas kunstvolles Spiel taut die unterkühlte Monarchin sogleich wieder auf. Dumm nur, dass der Dudelsackpfeifer nun von zwei Frauen begehrt wird, was ihn natürlich augenblicklich zum Teufel in die Hölle treibt...

Zusammen mit seinem Textdichter Milos Kares und unter Mithilfe des Kafka-Freundes Max Brod schuf Weinberger eine melodienreiche folkloristische Oper, die nach ihrer Prager Uraufführung 1927 einen Siegeszug um die Welt antrat, bis sie aufgrund der antisemitischen Zäsur durch den Nationalsozialismus von den Spielplänen verschwand. Nach dem Theater Augsburg (2007) und der Dresdner Semperoper (2012) zeigt das Stadttheater das Stück in fünf Bildern, die klangintensive böhmische Volkstümlichkeit mit den Raffinessen spätromantischer Harmonie verbinden.

Der international gefragte Bariton Martin Berner interpretiert die Titelpartie, an seiner Seite steht Tenor Tilmann Unger als Babinsky. Als Königin Eisherz kehrt die junge Mezzosopranistin Dilara Bastar an die Lahn zurück. Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem Bass und früheren Ensemblemitglied Christian Tschelebiew als Teufel. Ihr Debüt am Stadttheater feiert Aleksandra Rybakova in der Rolle der Dorota. Im Graben spielt das Philharmonische Orchester Gießen auf.

Für die moderne Optik zeichnen der junge Bühnenbild- und Videokünstler Marc Jungreithmeier und die erfahrene Kostümbildnerin Monika Gora verantwortlich. Eisblau leuchtet das Reich der Königin, in grauen Farbstufen wird die Hölle illuminiert. Die Choreografien gestaltet wieder einmal Streetdance-Expertin Inga Schneidt – zu einem knappen Drittel wird in dieser Weinberger-Oper ausschließlich zur Musik getanzt, was den Videosequenzen Raum verschafft.

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