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An diesem Wochenende hätten sich eigentlich die Premierenbesucher wieder im Eingangsbereich des Stadttheaters getroffen. Doch wegen Corona ist das unmöglich. Ob die Spielzeit gar komplett abgebrochen wird, ist weiterhin ungewiss. FOTO: WEGST/PM

Corona und Kultur

Stadttheater Gießen wartet auf Signal des Landes

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Wie es für das Stadttheater Gießen in der Coronakrise weitergeht, ist ungewiss. Der Spielbetrieb ist vorerst bis 3. Mai eingestellt. Um weiter planen zu können, fehlt ein Signal des Landes.

Während sich die Lage in anderen Bereichen ganz allmählich zu normalisieren beginne, fehle für die Theater jede Perspektive. So kritisierte Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins, kürzlich in einem Interview des Deutschlandfunks. Die Künste kämen "im Denken und im Sprechen der Großpolitik" nicht vor, beklagte er. Und dabei bräuchten Theater endlich klarere Ansagen, "wann welche Häuser wieder öffnen dürfen".

Bisher sehe alles danach aus, dass sie noch lange geschlossen bleiben müssten, im schlimmsten Fall gar bis zum Ende der Saison. Tatsächlich haben bereits zahlreiche Theater in Deutschland ihre aktuelle Spielzeit abgebrochen - überall dort, wo es klare Anweisungen der Landesregierung oder, wie etwa in Hamburg, des Senats gegeben hat. Doch Hessen hat hier bislang noch keine verbindliche Regelung vorgegeben. Am Stadttheater Gießen geht man bislang offiziell noch davon aus, dass der Spielbetrieb bis 3. Mai eingestellt ist. Die Mitarbeiter sind allesamt in Kurzarbeit.

Wird es auch hier zu einem Abbruch der Spielzeit wegen der Corona-Maßnahmen kommen? "Wir wissen es nicht. Wir können nicht eigenständig entscheiden", betont Intendantin Cathérine Miville. Und kann es eventuell Übergangslösungen mit verringerten Zuschauerzahlen, großem Sitzabstand, Mundschutz und umfangreichen Hygienemaßnahmen geben? Auch hier kann die Intendantin noch nichts Verbindliches sagen, denn bislang fehlt es an klaren Ansagen aus der Politik. "Das ist Ländersache. Und bislang hat das Land Hessen dazu noch nichts gesagt."

Unscharfe Regelung als Hemmnis

Entsprechend uneinheitlich sehen in Hessen die Regelungen an den fünf großen Theatern aus: die Staatstheater in Kassel und Wiesbaden haben ihren Spielbetrieb bis 30. April bzw. 19. Mai unterbrochen, an Oper und Schauspiel Frankfurt wird der 3. Mai als Datum genannt, am Landestheater Marburg und am Stadttheater Gießen sind alle Vorstellungen ebenfalls bis 3. Mai abgesagt.

Der Deutsche Bühnenverein, der Interessen- und Arbeitgeberverband von rund 470 Theatern und Orchestern ist, hat vor diesem Hintergrund zu den jüngsten Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen von der Politik "klare Perspektiven und Planungssicherheit für die Theater und Orchester" im Land gefordert. "Die unscharfe Regelung zu Großveranstaltungen darf nicht einfach auf Theater und Orchester angewendet werden", sagt Marc Grandmontagne, der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Er fordert die Politik auf, "Konzepte hin zu einer schrittweisen Normalisierung zu entwickeln", wobei "Erfolge im Hinblick auf die Kontrollierbarkeit des Ausbruchs nicht aufs Spiel" gesetzt werden dürften.

An diesem Wochenende hätte am Stadttheater das Schauspiel "Erinnya" Premiere gehabt. Auch die Oper "Brokeback Mountain" stand für den Mai erstmals auf dem Spielplan. Beide Produktionen sollen nun in die nächste Spielzeit übernommen werden. Deren Planung sollte eigentlich Ende April präsentiert werden. Auch dieser Termin wurde vorerst gestrichen, schließlich weiß man noch nicht verbindlich, ob eine Aufnahme des Spielbetriebs im Spätsommer/Herbst überhaupt möglich sein wird. Unklar bleibt auch, unter welchen Bedingungen für neue Vorstellungen geprobt und was überhaupt gespielt werden kann.

Laut Corona-Verordnung des Landes Hessen bleiben bis mindestens Ende August dieses Jahres alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern verboten. Da mag ein SoloAbend wie der von Martin Gärtner eigentlich für die taT-Studiobühne konzipierte Antigone-Abend mit kleinem Publikum im fast 600 Sitzplätze bietenden Großen Haus des Stadttheaters eine Option sein - aber ob das erlaubt sein wird, auch das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

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