Wie geht es im Stadttheater Gießen nach dem Aus von Intendantin Cathérine Miville weiter?
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Wie geht es im Stadttheater Gießen nach dem Aus von Intendantin Cathérine Miville weiter?

Intendantinnen-Duo

Neue Intendanz: So geht's am Stadttheater Gießen nach Miville-Aus weiter

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Simone Sterr wird zur Spielzeit 2022/23 neue Intendantin am Stadttheater. Doch nicht allein. Gemeinsam mit Ann-Christine Mecke wird sie als Doppelspitze die Nachfolge von Cathérine Miville antreten.

»Upps«, habe Simone Sterr überrascht gesagt, erinnert sich Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, als sie am späten Dienstagabend von der Entscheidung erfahren habe. Da hatte Sterr nach der Theateraufsichtsratssitzung bereits den letzten Zug nach Bremen genommen - nur um am Mittwoch nach Gießen zurückzukehren. Denn dort wurde sie am Mittwoch als neue Theaterleiterin im Duo mit Ann-Christine Mecke vorgestellt.

Die beiden bundesweit anerkannten Theaterfrauen werden zur Spielzeit 2022/23 die Nachfolge von Intendantin Cathérine Miville antreten, die dann 20 Jahre im Amt gewesen sein wird. Gießen wird damit, nach dem Schauspiel Marburg, das zweite deutsche Theater mit einer weiblichen Doppelspitze sein.

Angela Dorn: »Großartige Wahl«

Das Votum für die Frauen, sowohl in der Fachkommission als auch im Theateraufsichtsrat, aber vor allem bei den am Ende entscheidenden Gesellschafterinnen des Stadttheaters, OB Grabe-Bolz und Landrätin Anita Schneider, sowie Jan-Sebastian Kittel als Vertreter des Landes, war deutlich. Und auch Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, zeigte sich bei der Vorstellung der Miville-Nachfolgerinnen, es konnte aber nur Sterr beim Pressetermin anwesend sein, mehr als erfreut. Sie sprach von zwei »herausragenden Theaterfrauen« und einer »großartigen Wahl«, prognostizierte ein »anspruchsvolles und innovatives Programm«.

Neue Intendanz an Stadttheater Gießen: Es gab 72 Bewerber

Aus einem Pool von 72 zum Teil »unglaublich guten Bewerbungen«, so Schneider, darunter auch Viererteams und drei aus dem Stadttheater selbst, hatten Sterr und Mecke mit ihrem Konzept und ihrer Erfahrung überzeugen können.

Simone Sterr bringt zwölf Jahre Erfahrung als Intendantin mit. 2003 hatte die heute 50-Jährige als jüngste Intendantin der Republik die Leitung des Theaters der Stadt Aalen übernommen. 2005 wechselte sie in gleicher Funktion an das Landestheater Tübingen (bis 2014). Seit der Spielzeit 2015/16 war sie Leitende Dramaturgin im Schauspiel am Theater Bremen. Bis zum Amtsantritt in Gießen wird sie als Dramaturgin am Theater Oberhausen tätig sein und sich parallel in die Gießener Theaterstruktur einarbeiten. Die kennt sie schon. Unter Schauspielleiter Martin Apelt war sie vor ihrer Aalener Intendanz eine Spielzeit im Gießener Kinder- und Jugendtheater im Einsatz.

In Gießen wird sich an der Seite der »Schauspielfrau« Sterr ab 2022 Ann-Christine Mecke im Leitungsduo um das Musiktheater kümmern. Sie war von 2014 bis 2018 Musikdramaturgin an der Staatsoper Stuttgart, ist aktuell an der Wiener Staatsoper. Sie studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Physik und ist Autorin des Opernführers Kompakt: »Salome«.

Neue Intendanz an Stadttheater Gießen: Wechsel zur Spielzeit 2022/23

Sterr erläuterte am Mittwoch bei der Vorstellung das Konzept der beiden Theaterfrauen für Gießen. Ihnen sei »eine starke Zuwendung zu einem festen Ensemble in allen Sparten« wichtig, sie wollten das Theater »offen und transparent nach innen und außen« führen. Die Durchlässigkeit zwischen den Künsten und Sparten liege ihnen ebenso am Herzen wie ein konsequent zeitgenössisches Programm. Das Theater müsse raus in die Stadt und das Umland gehen, mit kleinen Festivals punkten und dürfe Kinder- und Jugendtheater nicht bloß als Rekrutierungsmaßnahme künftiger Abonnenten begreifen. Die Gießener können sich auf internationale Autoren, Regieteams und Künstler freuen, die bei der »Bereicherung der eigenen Wahrnehmung« helfen. »Theater ist auch eine Feier«, ist Sterr überzeugt und zeigt sich dankbar dafür, dass in Gießen so früh über die neue Intendanz entschieden worden sei. Denn so ein sorgfältiger Prozess brauche Zeit und ein Wechsel sei auch immer eine »sensible Sache«.

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