Das Stadttheater wird ab der Spielzeit 2022/23 unter neuer Leitung stehen.
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Das Stadttheater wird ab der Spielzeit 2022/23 unter neuer Leitung stehen. 

Intendanz-Nachfolge

Stadttheater Gießen: Kritik aus dem Betriebsrat

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Kaum ist die Stelle der Intendanz am Stadttheater Gießen ausgeschrieben, gibt es Kritik. Aus dem Betriebsrat werden die kurze Bewerbungsfrist und eine angebliche Intransparenz des Verfahrens bemängelt. Die Oberbürgermeisterin relativiert die Kritikpunkte jedoch und erläutert das Besetzungsverfahren.

Gießen - Wer Intendant eines Stadttheaters werden will, muss sich bewerben. Doch in der Regel stehen Interessenten noch an anderen Häusern in der Pflicht. Würde ihr Wechselinteresse bekannt, könnte sich dies nachteilig für sie auswirken. So erging es vor einiger Zeit Christoph Nix, der in Konstanz Intendant war und sich auf eine Bürgermeisterposition in Trier beworben hatte. Obwohl er die Bewerbung wieder zurückzog, war der Konstanzer Gemeinderat pikiert und verweigerte Nix die Vertragsverlängerung als Theaterleiter. In einem solchen Verfahren muss also die hohe Vertraulichkeit der Bewerbungen gewahrt werden.

Auch am Stadttheater Gießen stehen die Zeichen auf Wechsel, denn Intendantin Cathérine Miville wird das Theater nur noch bis Ende der Spielzeit 2021/22 leiten. Die Stelle wurde Mitte Dezember 2019 erstmals auf der Stadttheater-Homepage ausgeschrieben. Es folgten Inserate in branchenüblichen Publikationen. Ende der Bewerbungsfrist: 15. Februar 2020. Als Kontakt ist die E-Mail-Adresse bewerbung.intendanz@stadttheater-giessen.de angegeben.

Stadttheater Gießen: Betriebsrat sieht "nicht transparentes" Bewerbungsverfahren

Im Theater sorgt der Findungsprozess offenbar für Irritationen. Die Theaterleitung hat zwischenzeitlich reagiert und lädt für den morgigen Donnerstag alle Beschäftigten zu einem Info-Treffen ein.

An der knappen Bewerbungsfrist, aber auch am seiner Ansicht nach "nicht transparenten" Bewerbungsverfahren stört sich der Stadttheater-Betriebsrat. "Man hätte sich locker ein halbes Jahr Zeit nehmen können. Wenn ich die besten Kandidaten haben will, muss ich auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen", kritisiert Posaunist Alexander Schmidt-Ries aus dem Philharmonischen Orchester. Er wurde vom Betriebsrat als Ansprechpartner in der Intendantenfrage gewählt. Er betonte, dass es aus Sicht aller Betriebsratsmitglieder besser gewesen wäre, wenn Bewerbungen zur Vorauswahl zentral an eine Stelle, die aus der Außensicht als "objektiv" eingeschätzt werde, geschickt würden. Stattdessen bringe sich die Intendantin durch die intern wirkende E-Mail-Adresse in eine Situation, in der ihr eine alleinige Vorauswahl der Bewerber vorgeworfen werden könnte. Neben der Zahl an offenen Leitungsstellen im Haus, könnte dies abschreckend auf Bewerber wirken. Dies zeigten Rückmeldungen aus der Branche.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, als Vorsitzende des Theateraufsichtsrats federführend im Findungsverfahren, gibt allerdings gegenüber dieser Zeitung Entwarnung: "Die Adresse bewerbung.intendanz@stadttheater-giessen.de geht nicht auf dem Rechner der Intendantin ein. Intendanz ist in der E-Mail-Adresse die Aufgabe, nicht der Adressat." Als Aufsichtsratsvorsitzende sei es für sie naheliegend gewesen, eine E-Mail-Adresse auf dem Server des Theaters einzurichten. Der spezielle E-Mail-Account sei eingerichtet worden, um sicherzustellen, dass für die Bewerbungen ein geschützter Raum garantiert werden könne.

"Der Betriebsrat", so Schmidt-Ries weiter, "hätte sich im Vorfeld gewünscht, mit den Gesellschaftern bzw. dem Aufsichtsrat ein Gespräch zu führen, um die Anforderungen an die neue Intendanz zusammen zu formulieren. Aber fehlende Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe sind an diesem Haus ohnehin ein Manko", moniert Schmidt-Ries. Außerdem wüsste man gerne, welche Experten bei der Bewerberauswahl eingebunden sind.

Stadttheater Gießen: Oberbürgermeisterin reagiert auf Kritik

Wie im Aufsichtsrat beschlossen, besteht die Findungskommission aus den beiden Gesellschafterinnen (OB und Landrätin), dem Landesvertreter und drei externen Experten. Die Intendantin begleite das Verfahren beratend. Die Experten decken nach Auskunft von Grabe-Bolz die Bereiche Musiktheater, Konzert, Schauspiel und Tanz ab, ebenso Kinder- und Jugendtheater, Partizipation, Vernetzung und Kooperationen.

Die Namen der Experten würden aber zunächst nicht veröffentlicht. "Zum einen soll damit verhindert werden, dass potenzielle Bewerber gesondert mit ihnen Kontakt aufnehmen und auch dass sie ihre Konzepte an der vermeintlichen künstlerischen Ausrichtung der Experten orientieren. Auch für die Experten gilt der geschützte Raum", betont Grabe-Bolz.

Auch Kritik an der Kürze der Bewerbungsfrist relativiert die OB. Diese werde für qualifizierte Theaterschaffende als ausreichend eingeschätzt, um eine (Kurz-)Bewerbung zu erstellen, in der erste künstlerische Vorstellungen formuliert und die üblichen Unterlagen enthalten sind. Grabe-Bolz: "Zwischen der Einladung zu einem Gespräch und den Terminen der ersten Runde ist erneut Zeit zur Vorbereitung des Gesprächs."

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