1. Gießener Allgemeine
  2. Gießen

Stadtpark Wieseckaue in Gießen: So wurde er zum Volkspark 2.0

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Burkhard Möller

Kommentare

Der Stadtpark Wieseckaue in Gießen mit einer Fontäne in einem Teich. Davor sitzen zwei Personen auf einer Parkbank.
Stadtpark Wieseckaue in Gießen © Oliver Schepp

Der Stadtpark Wieseckaue in Gießen hat sich seit der Landesgartenschau 2014 enorm weiterentwickelt. Der Weg dorthin war jedoch voller Hürden.

Gießen – Es waren dramatische Tage vor zehn Jahren: Erst der Gerichtshof in Kassel machte den Weg für die Landesgartenschau auf den letzten Drücker frei. »Das war knapp«, erinnert sich Laga-Macherin Gerda Weigel-Greilich. Seitdem hat sich die vordere Wieseckaue in einen intensiv genutzten modernen Volkspark verwandelt.

Für den aktuellen »Stadtparkboten« des Fördervereins Gartenstadt Gießen hatte Vorsitzender Axel Pfeffer tief in den Erinnerungen gekramt. Im April 2010 standen er und seine Mitstreiter an einem Samstag im Schneeregen in der Fußgängerzone und verteilten Blümchen. Die Stimmung zur Landesgartenschau Gießen war damals vorsichtig ausgedrückt reserviert. Sprüche wie »mit dem Geld, was das kostet, sollte me erstmal die Toiletten in der Pestalozzischule reparieren« bekamen die Laga-Werber oft zu hören. Es gab viele Bedenken und Widerstand unter den Bürgern.

NameStadpark Wieseckaue
OrtGießen
Baujahr1930er Jahre, erweitert 1969
Besondere VeranstaltungenLandesgartenschau 2014, Jubiläums-Gartenfest 2019

Stadtpark Wieseckaue in Gießen: Landesgartenschau 2014 war Streitthema

Zwei Jahre später erreichte der Widerstand gegen die Gartenschau ihren Höhepunkt. Ein Bürgerbegehren scheiterte aus formaljuristischen Gründen, erst Ende März 2012 machte der Hessische Verwaltungsgerichtshof mit einem zweiten Urteil den Weg endgültig frei, und die Landesgartenschau Gießen 2014 GmbH konnte die ersten Aufträge zum Umbau der vorderen Wieseckaue vergeben.

Eine weitere Verzögerung hätte wohl das Aus für die Veranstaltung und damit ein wichtiges Stadtentwicklungsprojekt bedeutet. »Das war wirklich knapp«, sagt die für die Laga damals zuständige Stadträtin Gerda Weigel-Greilich. Das, was damals und in der Folge nicht nur in der Wieseckaue entstanden sei, »trägt bis heute«, ist die Grünen-Politikerin überzeugt.

Die Landesgartenschau als Turbo für die Wieseckauer Stadtpark-Entwicklung in Gießen

Dabei hat sich der Stadtpark Wieseckaue eigentlich erst nach der Landesgartenschau zu dem modernen Volkspark entwickelt, der er heute ist. Zu Spielplatz und Skatepark, die zur Landesgartenschau fertig wurden, gesellten sich im Laufe der Jahre die Seniorensportanlage, der Stangenpark am Waldbrunnenweg, Tennis-, Fußball- und Basketballfeld sowie zuletzt die Pumptrackbahn des Stadparks Gießen. Alles Einrichtungem, die von der Bevölkerung generationenübergreifend sehr gut angenommen werden.

»Wir wollten unsere stadtnahen Grünflächen sichern und attraktiver machen«, erklärt Weigel-Greilich die Entscheidung, den zum Hessentag 1969 entstandenen Park, der bei der Gartenschau 2014 als Ausstellungsgelände diente, umzubauen und kein neues Parkgelände vor den Toren der Stadt zu schaffen. »Ich habe mir damals viele Landesgartenschauen angeschaut, um zu sehen, was für die eigene Stadt das Beste ist. Bingen war ein sehr gutes Beispiel«, erinnert sich die Stadträtin.

Durch die intensive Nutzung des Stadtparks Wieseckaue sieht sie sich bestätigt. »Vor allem für die Bewohner der Innenstadt und der Nordstadt ist dieser öffentlich zugängliche moderne Park mit den vielen kostenlosen Spiel- und Sportmöglichkeiten wichtig, gerade für junge Familien«, betont Weigel-Greilich.

Stadtpark Wieseckaue in Gießen: Potenzial für weitere Spiel- und Sportangebote

Platz, um vielleicht noch eine weitere Spiel- oder Sporteinrichtung unterzubringen, sieht die fürs Gartenamt zuständige Dezernentin noch im Bereich der sogenannten Wissenschaftsachse, die sich von der Ringallee bis zur Brücke über den Neuen Teich zieht. Dagegen sollen die Wiesen Richtung Waldbrunnenweg frei bleiben, abgesehen von naturnahen Nutzungen wie den Stadtgärten.

Zu den Angeboten, die sich nach der Gartenschau fest etablierten, gehört auch die Strandbar. Dass die Stadt dem Betreiber in der Saison an drei Wochenenden größere Events bis 22 Uhr gestattet, ist für Weigel-Greilich auch eine wirtschaftliche Frage: »Wenn wir wollen, dass es da eine Gastronomie gibt, muss man Veranstaltungen zulassen, sonst lohnt sich der Betrieb nicht«. Schließlich habe man damals erst nach der dritten Ausschreibung einen festen Betreiber gefunden.

Veranstaltungen im Gießener Stadtpark nach langer Pause

Ganz wichtig sei auch, dass es bis heute einen Förderverein gebe, der das Gartenamt bei der Parkpflege unterstützt und eigene Veranstaltungen wie den Weltkindertag im September durchführt. Mit Blick auf das zehnjährige Gartenschaujubiläum in zwei Jahren kann sich Weigel-Greilich wieder ein Jubiläums-Gartenfest vorstellen, wie es das 2019 über zehn Tage lang gab. »Irgendetwas sollten wir da auf jeden Fall wieder machen«, sagt »Lady Laga«.

Die erste Großveranstaltung im Stadtpark Wieseckaue seit 2019 wird vom 26. bis 29. Mai das erste »Schwanenteich Open Air« mit Bandauftritten, Streetfood und Biergarten rund um die Strandbar sein. (Burkhard Möller)

Auch interessant

Kommentare