Am Philosophikum beispielsweise wird die Universität bis ins nächste Jahrzehnt bauen. 	(Foto: Schepp)
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Am Philosophikum beispielsweise wird die Universität bis ins nächste Jahrzehnt bauen. (Foto: Schepp)

Stadt, JLU und THM wollen Planung langfristig abstimmen

Gießen (si). Die Stadt Gießen und ihre zwei Hochschulen wollen bei der Entwicklungsplanung langfristig eng zusammenarbeiten. 700 Millionen Euro haben allein die Justus-Liebig-Universität und die TH Mittelhessen in den letzten Jahren verbaut bzw. die Planungen dafür angestoßen.

Mehrere hundert Millionen Euro erwarten sie ab 2020 aus der zweiten Stufe des Hochschulbausonderprogramms »Heureka«. Das nutzt ihnen, stellt sie aber auch vor neue Herausforderungen. Das gilt genauso für die Stadt. Fragen zu Verkehr und Wohnraum etwa müssten neu beantwortet werden, bekräftigten Vertreter von Magistrat, JLU, THM und Experten aus ganz Deutschland gestern bei einer Tagung in der Uni-Aula, in der es um Perspektiven der Stadt- und Hochschulentwicklung ging. Eingeladen hatte die Uni Gießen.

2007 hatte die JLU ihr Konzept für die langfristige Entwicklungsplanung vorgelegt, das jetzt noch im Grundsatz gültig ist. Es sieht die Konzentration der Universität an drei Standorten vor: Dem Campus Lebenswissenschaften (Heinrich-Buff-Ring), Kultur- und Sozialwissenschaften (Philosophikum) und Innenstadt (Hauptgebäude). Damit waren Baumaßnahmen verbunden, die inzwischen zum Teil abgeschlossen sind (Biomedizin zum Beispiel, Chemie sowie Kleintier- und Vogelklinik folgen bald). Rat holte sich die Hochschule auch bei externen Fachleuten, so beim renommierten Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner, dessen Seniorchef Albert Speer am Montag die Veranstaltung zum Auftakt moderierte.

Auch Wissenschaftsminister Boris Rhein war präsent, sein Haus war Mitveranstalter des Symposiums. Rhein lobte nachdrücklich die Entwicklung, die die JLU – unterstützt vom Land – in den vergangenen Jahren genommen habe. Inzwischen zähle sie zu den 20 größten Universitäten in Deutschland, bekräftigte er.

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich erläuterte den Ausbau aus Sicht der Kommune. Aus der Fülle der Einzeldaten, die sie nannte, stachen unter anderem die bewilligten Bauprojekte heraus. Allein 2014 seien in Gießen 1377 Wohneinheiten neu erstellt worden (ein Wert, den sonst nur Großstädte erreichten, so Stadtplaner Julian Wekel von der TU Darmstadt). Ein Drittel davon – 443 – sei gezielt für Studenten errichtet worden, sagte Weigel-Greilich. Neu war in diesem Zusammenhang ihre Information, dass 2016 kaum mehr neue Studenten-Apartments entstehen werden, zumindest durch private Investoren. Der Markt sei offenbar »gesättigt«, so die Bürgermeisterin, die der Stadt ebenfalls eine erfreulich Entwicklung attestierte, etwa durch die Landesgartenschau und ihre Infrastukturmaßnahmen (Wieseckaue, Bahnhofsvorplatz).

Die Stadt verfüge glücklicherweise über genügend Flächen, das komme auch der Universität direkt zugute – zunächst beim Fraunhofer-Institut, das im Leihgesterner Weg entsteht.

Für die JLU hatten Präsident Joybrato Mukherjee und Kanzlerin Susanne Kraus die Entwicklung seit 2007 genauer beschrieben. Für die TH machte dies ihr Vizepräsident Frank Runkel – er nannte die gleiche Jahreszahl als »Wendepunkt«. Während sich in den 15 Jahren zuvor baulich »fast nichts« getan habe, habe die TH dann bis 2014 ihre Nutzfläche allein in Gießen um ein Drittel vergrößern können, auf 45 000 Quadratmeter. Bis 2020 seien weitere 6000 Quadratmeter geplant. Er dankte der Stadt für die gute Zusammenarbeit.

Das tat auch Mukherjee. Er wies allerdings auch darauf hin, dass der Planungsprozess nicht immer »reibungslos« laufe. Es gebe andere Interessengruppen, Bürgerinitiativen etwa, auf die die Stadt Rücksicht nehmen müsse. Die Universität brauche einen attraktive Standort, schon weil sich der Wettbewerb um die »besten Köpfe« ständig verschärfe. Dies werden bis hinein in Berufungsverhandlungen deutlich, wenn zum Beispiel nach Betreungsangeboten für Kinder gefragt werde.

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