Stadt verteilt nur einmal 3000 Masken

  • Daniel Beise
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Gießen (bei). Seit Kurzem sind wegen der zwar sinkenden, aber weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen FFP2-Masken oder medizinische Masken, wie man sie aus dem OP kennt, Pflicht im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen öffentlichen Räumen. Die Forderungen nach kostenlosen Masken für Bedürftige kamen umgehend. Die hessische Landesregierung hat insgesamt eine Million Schutzmasken an die Kommunen geliefert, die vor allem über die mehr als 50 Tafeln im Land verteilt werden sollen.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um FFP2-Masken. Das hessische Innenministerium teilte zudem mit, dass es den Landkreisen und kreisfreien Städten obliege, wie viele Masken sie tatsächlich an die Tafeln oder über andere Wege an Bedürftige verteilen.

Auch in Gießen werden Masken über die Tafel verteilt, »allerdings auch nur an die Kunden der Gießener Tafel«, betont Holger Claes, Leiter des Diakonischen Werks und der Tafel. »Rund 85 Prozent der Bedürftigen in der Stadt gehören nicht zu unseren Kunden. Würden wir diese auch mit Masken versorgen, würde uns das logistisch erschlagen«, erklärt Claes. Dieses Verhältnis zeigt sich auch auf Landesebene, wie Dr. Melanie Hartmann, Referentin für Armutspolitik und Bahnhofsmission bei der Diakonie Hessen, bestätigt. »Lediglich zehn Prozent aller Unterstützungsbedürftigen sind Kunden der Tafeln. Wollen wir auch die vielen anderen Menschen in sozialen Notlagen erreichen, sollten weitere soziale Einrichtungen wie Bahnhofsmissionen, Unterkünfte für Geflüchtete oder Tagesaufenthalte für Wohnungslose mit kostenfreien FFP2-Masken ausgestattet werden«, fordert Hartmann.

Stadt: Kostenlose Verteilung unnötig

Die Stadt Gießen hat sich indes gegen die grundsätzliche Verteilung von Masken entschieden. »Da die Bund/Länderkonferenz bestätigt hat, dass auch medizinische Masken verwendet werden dürfen und diese in den Haushalten verfügbar und zu sehr geringen Kosten auch in jeder Drogerie erhältlich sind, halten wir eine kostenlose Verteilung nicht für nötig«, sagt Claudia Boje, Sprecherin der Stadt. In den anderen Kommunen im Landkreis kommen finanziell Schwache, die keine Tafel-Kunden sind, beispielsweise über die Impflotsen an Masken. Sie können pro Person 15 Stück bereitlegen oder auch bei Bedarf zuschicken, hieß es. Die Stadt Gießen hat vom Landkreis 3000 Masken bereitgestellt bekommen, die man über Stadtteilzentren und Gemeinwesenarbeit weitergeben werde. Zum Vergleich: In der Stadt gibt es mehr als 5000 Gießen-Pass-Inhaber. Das sind vorrangig Personen, die Sozialleistungen beziehen. »Da die 3000 Masken nicht ausreichen werden, sind wir froh, dass der Bund angekündigt hat, dass Hartz-IV-Empfänger jeweils zehn FFP2-Masken erhalten werden.« Für die Landesregierung zähle indes zunächst, dass die ehrenamtlichen Helfer und die Tafel-Kunden ausgestattet werden können.

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