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Auf der Brachfläche neben dem Jobcenter könnte die Lehrkräfteakademie errichtet werden.

Ansiedlung

Große Veränderung nahe Bahnhof Gießen bahnt sich an - Vehemente Proteste

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Es gibt immer noch keine Entscheidung über den Standort der Hessischen Lehrkräfteakademie in Gießen. Die Stadt stellt die Weichen für eine Ansiedlung am Güterbahnhof. Eine vom Magistrat beauftragte »Räumungssimulation« für die verlängerte Personenunterführung im Bahnhof liegt vor.

Gießen - Fast eineinhalb Jahre nach der Ankündigung des hessischen Kultusministeriums, die Lehrkräfteakademie des Landes von Frankfurt nach Gießen und Alsfeld zu verlagern, gibt es immer noch keine Entscheidung, wo die Landeseinrichtung mit ihren 230 Beschäftigten in Gießen angesiedelt werden soll. »Derzeit werden noch intensive Gespräche geführt, eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Mit Blick auf das laufende Verfahren sind nach wie vor keine näheren Auskünfte möglich«, hieß es dieser Tage aus dem für die Planung und Standortentscheidung zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).

Um die Ansiedlung der Behörde haben sich heimische Privatinvestoren mit zwei Flächen am Güterbahnhof und dem Heyligenstaedt-Areal am Aulweg beworben. Die Stadt geht laut Planungsdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) davon aus, dass innerhalb der nächsten vier Wochen eine Entscheidung darüber fällt, wer von den beiden den Zuschlag erhält.

An der Standortentscheidung ist die Stadt Gießen zwar nicht beteiligt, aber sie hat nun vor einigen Tagen die Weichen für eine Ansiedlung der Akademie auf der Westseite des Bahnhofs gestellt und eine vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans »Am Güterbahnhof II« offengelegt. »Der Vorhabenträger und der Magistrat gehen zum Zeitpunkt der Offenlage des Änderungsentwurfs davon aus, dass das Ausschreibungsverfahren des Landesbetriebs Bauen und Immobilien Hessen zum Neubau für die Hessische Lehrkräfteakademie den Zuschlag für das ehemalige Güterbahnhofareal vorsehen wird«, heißt es in der auf den 11. Oktober datierten Begründung für das Planänderungsverfahren.

Nahe des Gießeners Bahnhofs: Kommt Lehrkräfteakademie?

Damit hat die Stadt Zweifel an dem Standort, die vor den Sommerferien aufgekommen waren, ausgeräumt. In der Juli-Sitzung des Stadtparlaments, die die Planänderung auf den Weg brachte, hatte Stadträtin Weigel-Greilich die Ausführungen von CDU-Bürgermeister Peter Neidel dahingehend ergänzt, dass die von der Mittelhessische Wohnen und Investor David Szegedy vorgelegte Bauplanung für die Akademie geändert werden müsse. Andernfalls wäre die beabsichtigte Verlängerung der Fußgängerunterführung des Bahnhofs mit einem Ausgang zur Lahnstraße gefährdet. Dort will die Stadt bekanntlich einen Fernbusbahnhof einrichten. Die Investorenplanung für die Akademie sieht vor, dass der westliche Ausgang für die später zu verlängernde Unterführung bereits unter dem Gebäudeangelegt wird.

Daraufhin ergänzte das Stadtparlament die Planvorlage um den Zusatz, wonach die Stadt vor Abschluss der Neubau-Planung mit der Bahn »Einvernehmen über den Bau der Unterführung herstellen muss«. In der gegenüber dem Juli nun veränderten Planbegründung heißt es nun: Die Funktionalität eines künftigen Fernbusbahnhofs und die Verlängerung der Unterführung würden durch den Bau der Akademie nicht beeinträchtigt, aber die notwendigen Anpassungen der geplanten Verkehrsanlagen müssen im weiteren Verfahren gesichert werden. Neben dem Planänderungsverfahren will die Stadt mit dem Investor einen Durchführungsvertrag abschließen.

Lehrkräfteakademie am Bahnhof Gießen? Zuganbindung als Argument

Gegenstandslos wird das alles, sollte sich der LBIH in den nächsten Wochen für den zweiten Gießener Standort am Aulweg entscheiden. Dort hatte Investor Wolfgang Lust bis zuletzt ein Grundstück gefehlt, um die Lehrkräfteakademie auf dem Heyligenstaedt-Areal zu realisieren. Nach Informationen dieser Zeitung liegt ihm derweil aber die Zusage des Eigentümers vor, dass er diesen Teil der Fläche für sein Vorhaben nutzen kann. Letztlich soll die Akademie dort in das Großprojekt »5 Höfe« integriert werden.

Im Zusammenhang mit der geplanten Verlängerung der Personenunterführung und einer möglichen Ansiedlung der Lehrkräfteakademie am Güterbahnhof hatte die Stadt auch eine »Räumungssimulation« für den Bahnhof in Auftrag gegeben, die seit Ende September vorliegt. Darin wird unter anderem eine Kompletträumung simuliert, wenn alle Gleise mit Personenzügen belegt sind. Die Studie spricht von einer »Anfangsverteilung« von fast 4000 Personen und kommt zum - wenig überraschenden - Ergebnis, dass ein weiterer Ausgang zur Lahnstraße zu einer »deutlichen Entlastung« der bestehenden Personenunterführung führen würde.

Gegen die Verlagerung der Lehrkräfteakademie aus Frankfurt nach Mittelhessen, die bis 2024 abgeschlossen sein soll, gibt es vehemente Proteste der Mitarbeiter, die im Rhein-Main-Gebiet bleiben wollen. Die Stadt Gießen macht sich für den Standort Güterbahnhof vor allem aufgrund der direkten Anbindung an den Nahverkehr stark.

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