Bei einer Evakuierung des UKGM dürften einige hundert Krankentransporte nötig werden. Blick auf das UKGM.
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Bei einer Evakuierung des UKGM dürften einige hundert Krankentransporte nötig werden.

Bombensondierung

Evakuierungen in Gießen: Teilräumung des Uniklinikums möglich - Auch Wohnungen und Läden betroffen?

  • Marc Schäfer
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Wegen einer bei Bombensondierung müssen die Gießener am 23. und 24. August mit Evakuierungen rechnen. Dafür gibt es allerdings auch Kritik aus der Führungsetage des Klinikums.

Gießen – Am 23. und 24. August heißt es: Luft anhalten! An diesen beiden Tagen soll auf einem Baufeld am Gießener Bahnhof - zwischen der Neuen Post und den Gleisen – eine lange geplante und bereits mehrmals verschobene Bombensondierung stattfinden. Nötig wird diese Sondierung, weil die Stadt auf dem Areal eine Abstellanlage für insgesamt 400 Fahrräder errichten möchte.

Bei einer ersten Untersuchung des Geländes waren zuletzt 16 Verdachtsfälle - sogenannte Anomalien - aufgefallen. Dabei kann es sich um alte Gleise, einen Nagel oder Blecheimer handeln. Da der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg als Transport- und Versorgungskreuz sehr stark bombardiert worden ist, ist es aber auch nicht unwahrscheinlich, dass dort tatsächlich ein Blindgänger gefunden wird.

Bombensondierung in Gießen: Fund eines Blindgängers könnte zu Evakuierungen führen

Je nach Größe, Lage und Zustand der Bombe könnte ein Fund eine Evakuierung in einem Radius von bis zu 1000 Metern nach sich ziehen. Davon betroffen wären unter anderem die Wohnungen Hunderter Gießener, Geschäfte, Büros, Seniorenzentren, Kitas und Schulen sowie der Bahnhof und der Zugverkehr. Vor allen Dingen aber auch das St. Josefs Krankenhaus/Balserische Stiftung, das in einem Radius von 500 Metern liegt, sowie das Universitätsklinkum Gießen-Marburg (UKGM), das sich innerhalb eines 1000-Meter-Radius befindet.

Rundschreiben des UKGM Gießen: Evakuierung des Krankenhauses nur im Katastrophenfall riskieren

Prof. Werner Seeger, der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM, hat sich am Mittwoch in einem Rundschreiben mit deutlicher Kritik an den Plänen der Stadt an die Mitarbeitenden des Klinikums gewandt. Zuvor habe das städtische Ordnungsamt das Klinikum gebeten, Vorbereitungen für eine eventuelle Teil- oder Komplettevakuierung zu treffen. »Wir haben gegenüber dem Ordnungsamt zum Ausdruck gebracht, dass wir mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind. Ein Klinikum unserer Größe wäre nur mit dramatischen Folgen evakuierbar: Bei Hunderten schwerstkranker und mehr als 150 intensivpflichtiger und in der Mehrheit beatmeter Patienten ist eine Verlegung in verschiedene Krankenhäuser nur mit Maßnahmen in der Größenordnung eines Katastrophenfalls und mit schwerster Patientengefährdung durchführbar«, schrieb Seeger. Selbst Todesfälle könnten seiner Meinung nach aus der Verlegung resultieren. Daher forderte er für den Fall eines entsprechenden Bombenfundes »alternative Lösungsansätze« für das UKGM.

Keine Voll-Evakuierung des UKGM-Gießen: Heute (13.08.21) Planung der Bombensondierung

Die sind am Donnerstagnachmittag offenbar gefunden worden. »Eine Voll-Evakuierung des Klinikums ist zum Glück vom Tisch«, sagte Claudia Boje, Sprecherin der Stadt, nach einer Beratung mit Experten des Kampfmittelräumdienstes. Dabei sei unter anderem herausgekommen, dass nicht zu evakuierende Bereiche des UKGM wie die Intensivstation oder die Frühgeborenenstation nicht evakuiert werden müssten. Über zeitliche Planungen und eventuelle Folgen der Bombensondierung will die Stadt am heutigen Freitag (13.08.2021) im Rahmen einer Pressekonferenz informieren.

Im vergangenen November führte ein Bombenfund auf dem Gelände des Magna-Parks in Langgöns zu einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr im Kreis Gießen.

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