Ein ganzer Haufen Formulare liegen auf einem Tisch und ein blauer Kugelschreiber darauf.
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In Zukunft soll eine einfache Sprache helfen, dass die Bürger Informationsmaterial und Formulare der Stadt Gießen besser verstehen. (Symbolbild)

Bürgernähe

Einfache Sprache statt Behördendeutsch – Gießen will Formulare ändern

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Amtliche Formulare oder Bescheide von Behörden sind schwer zu verstehen. Die Stadt Gießen will das ändern, aber sagt: Das wird ein langer Prozess.

Gießen – Die Lebenshilfe Gießen hat in der Walltorstraße ein Büro für Einfache und Leichte Sprache eröffnet. Hier sollen Texte und Informationen verständlich aufbereitet werden. Zielgruppe sind Menschen, die Schwierigkeiten haben, diese zu erfassen. So soll ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Die Lebenshilfe bietet auch anderen Unternehmen und Behörden an, als »Übersetzerin« tätig zu werden. Auch die Stadt Gießen will sich verstärkt mit verständlicher Verwaltungssprache beschäftigen. Die speziell geregelte Leichte Sprache hingegen spielt in der Stadt aktuell keine Rolle, bestätigt Behördensprecherin Claudia Boje.

Stadt Gießen will Einfache Sprache aber keine Leichte Sprache

Bei der Leichten Sprache handelt es sich um eine vereinfachte und barrierefreie Variante der deutschen Sprache. Sie verzichtet auf Fremdwörter und arbeitet mit kurzen Sätzen. Während es für die Leichte Sprache ein striktes Regelwerk gibt, ist die Einfache Sprache flexibler. Verwaltungssprache einfach und verständlich zu halten, sei für die Stadt ein wichtiges Thema, sagt Boje. Bestimmungen, Entscheidungen und Hinweise sollen für Bürgerinnen und Bürger verständlich und nachvollziehbar sein; Leistungen und Angebote sollen die Menschen erreichen. »Die Stadtgesellschaft ist heterogen, ob Menschen wenig Deutschkenntnisse haben, eine Beeinträchtigung, Behinderung, keine und nur wenige Lesekompetenzen oder auch einfach nur wenig Zeit» - die Botschaften sollen bei so vielen wie möglich »ankommen«.

Boje betont, dass der Fokus der Stadt hierbei nicht auf der Leichte Sprache als speziell geregeltes Kommunikationsmittel gelegt werde. Verständliche Sprache ergebe überall dort Sinn, wo mit Bürgerinnen und Bürger direkt schriftlich kommuniziert werde: Vom Infoflyer und dem Webauftritt über das Antragsformular bis hin zum Bescheid.

Umstellung auf Einfache Sprache in Gießen ein langfristiger Prozess

Boje schränkt jedoch ein, dass es sich »um einen langfristig angelegten Prozess« handele. Mit einer eingerichteten Steuerungsgruppe »Diversity« gebe es eine ämterübergreifende Struktur, die auch dieses Thema im Blick habe. Außerdem gebe es dazu regelmäßig Fortbildungen - erstmalig im September 2018, zuletzt im April. »Die Kurse erfreuen sich unter den Mitarbeitenden großer Beliebtheit und sind regelmäßig ausgebucht«, betont Boje.

In den Ämtern würden immer wieder bestehende Texten überarbeitet. Auch auf der Internetseite seien einige Informationen in verständlicher Sprache aufgeführt - zum Beispiel auf der Themenseite Corona. »Mitgedacht wird das Thema auch bei den aktuellen Prozessen in der Verwaltung rund um die Digitalisierung von Anträgen und bei neuen Produkten«, betont Boje. So sei anlässlich der Kommunalwahl ein Wahl-Infoflyer in verständlicher Sprache veröffentlicht worden.

Immer wieder falsch ausgefüllte Anträge in der Stadt Gießen

Mitarbeitende der Stadtverwaltung bemerkten bei Beratungsterminen immer wieder, wenn Textstücke nicht gut verstanden werden: Sei es durch Nachfragen oder durch falsch ausgefüllte Anträge. »Als Verwaltung bemühen wir uns zudem, Feedback zu einzelnen Texten oder Überarbeitungen gezielt einzuholen bei Kolleginnen und Kollegen mit den entsprechenden Kenntnissen.« Das Büro für Integration berate in dieser Frage.

Ein Beispiel für den Unterschied zwischen Einfacher und Leichter Sprache findet man übrigens am Ende des Artikels zur Eröffnung des Büros für Einfache und Leichte Sprache der Lebenshilfe Gießen.

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