Der Zweck der Flaschenhalter an einigen Mülleimern ist hier noch nicht erkannt worden. FOTO: MÖ
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Der Zweck der Flaschenhalter an einigen Mülleimern ist hier noch nicht erkannt worden. FOTO: MÖ

Fußgängerzone

Stadt Gießen testet "Pfandringe"

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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In der Gießener Fußgängerzone werden sogenannte "Pfandringe" getestet. Weil die Standard-Mülleimer eckig sind, sind es keine Ringe, sondern Leisten. Der BID-Verein Seltersweg lobt den Testlauf.

Gießen(mö). Es hat lange gedauert, aber nun scheint auch in der Gießener Innenstadt ein Versuch mit sogenannten Pfandringen zu laufen. An mehreren der neuen Abfalleimer sind seitlich Leisten mit einigen Behältern für Flaschen angebracht worden. Es sind also eher Halterungen, aber unter dem Begriff Pfandring sorgt die Erfindung des Kölner Produktdesigners Paul Ketz seit acht Jahren Jahren für Schlagzeilen in den deutschen Lokalzeitungen.

Die Halterungen sind dafür gedacht, dort Pfandflaschen einzustellen, damit Pfandsammler nicht länger in den Mülleimern nach ihnen suchen müssen. Das übliche Ringmodell kann in Gießen nicht verwendet werden, weil die Standardmülleimer in der Fußgängerzone eckig sind.

Vom BID Seltersweg wird der Testlauf unterstützt. "Wir befürworten das. Da muss niemand mehr seinen Kopf in den Mülleimer stecken und im Abfalleimer wühlen. Das ist doch unwürdig", sagt BID-Geschäftsführer Markus Pfeffer. Die Stadt will sich noch nicht äußern. Die Maßnahme sei nicht abgeschlossen, hieß es aus dem Rathaus.

Ob die Flaschenhalter dauerhaft zum Stadtbild gehören werden, steht also noch nicht fest. Andere Städte machen jedenfalls sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Idee Pfandring. Viele haben nach einer Testphase auf sie verzichtet. Nach Angaben des Deutschlandfunks, der im Oktober 2019 eine Umfrage durchführte, werden sie aber in 70 Städten eingesetzt.

Ein oft genannter Kritikpunkt ist die Zweckentfremdung als Mülleimerchen, kritisiert wird auch, dass Menschen, die es nicht nötig haben, die Flaschen mitnehmen, um einige Cent zu kassieren. Auch das sozialpolitische Gegenargument, mit den Pfandringen werde das Elend, in dem Menschen im reichen Deutschland leben müssten, nur manifestiert, findet man in der Debatte.

Auch in Gießen wurde über die Pfandringe kontrovers diskutiert, als das Stadtparlament im Februar 2017 dem Magistrat mit breiter Mehrheit den Auftrag erteilte, einen Probelauf durchzuführen.

Das "Durchsuchen" von Abfalleimern ist in Gießen gemäß Gefahrenabwehrverordnung (GAV) übrigens nach wie vor eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

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