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Müllsammelaktionen - wie hier am Oberlachweg - gab es in Gießen schon häufig. Nun will die Stadt den Einsatz der Bürger verstetigen. 

Müll sammeln

Stadt Gießen sucht "Sauberkeitspaten"

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Auf Dauer bei der Zange bleiben: Dies erhofft sich die Stadt Gießen von Bürgern. Sie können als "Sauberkeitspaten" aktiv dafür sorgen, dass in der Stadt weniger Müll herumliegt.

Irgendjemand müsste den Leuten beibringen, ihre Abfälle nicht einfach auf den Boden fallen zu lassen. Fürs Reinigen ist die Stadt zuständig, dafür zahlen wir schließlich Gebühren. Für solche Argumente hat Karin Schweitzer nur einen milden Blick übrig. "Wenn mich etwas stört, und ich kann es ändern, dann mache ich das." Sie will nun auf offizieller Basis regelmäßig Müll rund um die Schule gegenüber von ihrem Wohnhaus einsammeln. Und sie ist nicht die einzige: Rund 25 Bürgerinnen und Bürger sind zu einer Infoveranstaltung der Stadt gekommen. Die meisten von ihnen entscheiden sich am Ende dafür, dass sie "Sauberkeitspaten" werden wollen.

Etliche Interessenten sind längst aktiv, manche seit Jahrzehnten. Etwa Gerd Zörb, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Kleinlinden, die sich seit jeher um den Grillplatz am Hellberg kümmert. "Das wollen wir jetzt offiziell machen." Oder die Ahmadiyya-Gemeinde, deren junge Mitglieder unter anderem jedes Jahr Silvestermüll fegen und nun häufiger für die Allgemeinheit tätig sein möchten. Andere haben vom neuen Anlauf der Stadt zur Einbindung der Bürger gehört und wollen ihre Unterstützung anbieten. Wo auch immer es nötig ist, könnte sie einmal in der Woche Müll sammeln, erklärt die Studentin Onja Paulsen, die mitten in der Innenstadt wohnt. "Irgendjemand muss Verantwortung übernehmen."

Das findet auch Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die eher nebenbei erzählt, dass sie den Spielplatz neben ihrem Haus in Allendorf jahrelang gereinigt hat und beim Radfahren immer eine Mülltüte bei sich hat. Die Klimaschutzdebatte bringe neuen Schwung in die Diskussion, wie man für mehr Sauberkeit in den Städten sorgen kann, hofft die Grüne. Verstärkt in den Fokus gerate die Frage, wie man Abfallmengen von vornherein vermindern kann, auch im Interesse der Tiere. Derzeit prüfe die Stadt, ob sie wieder eine Verpackungssteuer erlassen kann - bisherige Bemühungen seien vor den Gerichten gescheitert.

"Sauberkeitspaten" Gießen: Neuer Anlauf für Verpackungssteuer

Die Idee der "Sauberkeitspaten" hat sich die Stadt Gießen in Langgöns abgeschaut. Ein erster Anlauf versandete weitgehend. Nun soll eine Anbindung beim Verein Ehrenamt dafür sorgen, dass die Freiwilligen langfristig sozusagen bei der Zange bleiben, wie es mit den "Grünen Engeln" in der Wieseckaue seit Jahren gelingt. Wenn Anwohner sichtbar aufsammeln, was andere weggeworfen haben, könnten sie zu einem allgemeinen Sinneswandel beitragen, meint Weigel-Greilich. "Die meisten Leute handeln ja aus Achtlosigkeit und nicht aus bösem Willen."

Diesen Effekt könnten offiziell bedruckte Westen verstärken, schlägt eine Interessentin vor und stößt damit auf offene Ohren bei den Vertretern der Stadt. Willkommen sind auch größere Gruppen, von der Schulklasse bis zum Kollegenkreis. Wer sich mit anderen zusammenschließen möchte, erhält Unterstützung durch den Verein. Möglich sind einmalige Einsätze oder erst einmal ein "Schnuppermonat".

Grundsätzlich sollten die Sauberkeitspaten zusätzlich zu den Behörden und bereits etablierten Sammelaktionen tätig werden, betont Ludwig Wiemer vom Gartenamt. Die Müllberge nach sommerlichen Grillgelagen am Lahnufer und im Stadtpark Wieseckaue würden bei Bedarf täglich beseitigt, auch am Wochenende durch beauftragte Unternehmen. Größere Sperrmüllmengen sollte man im "Mängelmelder" eintragen. Das Herumkriechen an schwer zugänglichen Stellen habe Grenzen: Jetzt zur Vogelbrutzeit sollte man Hecken meiden, Naturschutzgebiete eignen sich überhaupt nicht für Müllsammelaktionen.

Ein Interessent fragt schließlich unverblümt: Gibt es eine Belohnung? Neben Zangen, Handschuhen und Versicherungsschutz winkt eine Einladung zum jährlichen "Anerkennungstag", erläutert Angelika Nailor, Geschäftsführerin des Vereins Ehrenamt. Regelmäßige Treffen der Sauberkeitspaten sollten das Wir-Gefühl stärken und möglichen Frust auffangen. Und Weigel-Greilich weiß aus eigener Erfahrung, wie befriedigend der Einsatz sein kann. Sich als Teil der Zivilgesellschaft zu begreifen und Missstände nicht einfach hinzunehmen - "das macht Freude".

Offizielle "Sauberkeitspaten" können nur auf städtischen Flächen tätig werden. Wo und wie häufig sie Müll aufsammeln wollen, können sie grundsätzlich selbst entscheiden.

"Sauberkeitspaten" Gießen: So kann man mitmachen:

Wer mitmachen will, füllt das Anmeldeformular auf www.giessen.de aus, meldet sich per Mail unter sauberkeitspaten@giessen.de oder ruft beim Verein Ehrenamt an (Tel. 0641/306-2259). Der Verein meldet sich dann zurück. Alle Paten können Müllzangen, Handschuhe und spezielle Abfallsäcke entweder beim Stadtreinigungsamt abholen oder sich liefern lassen. Die Säcke stellen sie zur Entsorgung einfach neben die eigene Restmülltonne.

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