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Mehr davon: Der Gießener Stadtbaumbestand soll sich bis 2030 nahezu verdoppeln.

Stadtbegrünung

Stadt Gießen soll fast 30 000 Bäume pflanzen

  • Burkhard Möller
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Bis 2030 soll der Bestand an Stadtbäumen in Gießen fast verdoppelt werden. Dies hat das Stadtparlament beschlossen. Ein Passus indes relativiert das ehrgeizige Vorhaben.

Gießen – Sollte dieser Antrag so umgesetzt werden, wäre es wohl die größte Begrünungsmaßnahme seit Jahrzehnten in Gießen. Etwa 3000 Bäume jährlich soll die Stadt bis zum Ende des Jahrzehnts anpflanzen. Dies hat das Stadtparlament bei seiner Sitzung im Juli auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Im Nachgang macht die Unionsfraktion auf die Dimension des Vorhabens aufmerksam. »Mit diesem Sonderprogramm würde der aktuelle Baumbestand von knapp 28 000 Bäumen um nahezu die gleiche Anzahl auf das Doppelte etwa 55 000 Bäume erhöht«, erklärt die CDU-Stadtverordnete Kathrin Schmidt.

Auf die Zahl 3000 kam die CDU, weil für jedes Kind, das in Gießen geboren wird, ein Baum gepflanzt werden sollte. Würde angesichts von durchschnittlich 3000 Neugeborenen in Gießen und verbleibenden neun Jahren bis 2030 also rund 27 000 Anpflanzungen bedeuten. Das wäre in der Tat fast eine Verdoppelung des Gießener Stadtbaum-Bestands. Der umfasst 25 000 Standorte in städtischer Pflege und weitere 3000, um die sich die Wohnbau kümmert.

Gießener Parlament diskutiert Baumpflanzungen

Diese Verdoppelung wäre wohl schon aus Platzgründen schwer zu realisieren. Der weitergehende Ursprungsantrag der CDU für ein »Sonderprogramm zur Straßenbegrünung«, der sich auf Parks, Grünflächen und Gärten und damit die Stadtbäume bezog, wurde der von der Koalition aus Grünen, SPD und Gießener Linke um den Stadtwald erweitert. Danach wird auch die »Aufforstung von abgängigen Waldbeständen« in das »Sonderprogramm« einbezogen. Die Pflege der neuen Bäume soll nach dem Willen der Koalition und der CDU durch ein Patenschaftsprogramm sichergestellt werden, heißt es in dem einstimmig beschlossenen Antrag. Allerdings enthält der keine Aufforderung an den Magistrat, sondern nur die Bitte, das Pflanzprogramm umzusetzen.

Auf die positive Wirkung von Stadtbäumen gerade in den Zeiten des Klimawandels verweist auch die antragstellende CDU-Fraktion. Die Stadtverordnete Schmidt verweist auf eine verbesserte Luftqualität, die Dämpfung von Lärm und die Schaffung von Lebensraum für Tiere und Pflanzen,

Gießen: Stadtbäume kühlen die Stadt herunter

In ihrer Broschüre, die die Stadt vor einigen Jahren anlässlich der Einführung der neuen Baumschutzsatzung auflegte, wird anschaulich deutlich gemacht, welche Wirkung allein ein ausgewachsener Stadtbaum hat. Er nimmt an einem Sommertag 18 Kilo Kohlendioxid auf und gibt nur einen Teil davon nachts wieder ab. Er produziert an einem Sommertag 13 Kilo Sauerstoff, etwas mehr als er nachts wieder verbraucht. Er schafft Lebensraum für Tiere und reduziert die Windgeschwindigkeit. Er bindet bis zu einer Tonne Staub pro Jahr, spendet bis zu 150 Quadratmeter Schatten und kühlt seine Umgebung im Sommer um bis zu drei Grad ab. Zudem verdunstet ein Baum etwa 400 Liter Wasser am Tag. (mö)

Traurige Nachrichten in Sachen Gießener Stadtbäume gab es im Januar, als im Theaterpark eine 160 Jahre alte Säuleneiche gefällt werden musste.

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