Die Allendorfer Feuerwehrmänner Paul Wagner (v.) und Paul Krombach bringen ihre Ausrüstung in Ordnung. Ab dem kommenden Jahr erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung für den ehrenamtlichen und manchmal gefährlichen Dienst.	FOTO: SCHEPP
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Die Allendorfer Feuerwehrmänner Paul Wagner (v.) und Paul Krombach bringen ihre Ausrüstung in Ordnung. Ab dem kommenden Jahr erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung für den ehrenamtlichen und manchmal gefährlichen Dienst.

Neue Aufwandsentschädigung

Anerkennung für Einsatz: Freiwillige Feuerwehrleute in Gießen erhalten jetzt eine kleine Geld-Pauschale

  • Burkhard Möller
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Wenn’s brennt, riskieren sie Leib und Leben, um Menschen und Eigentum zu schützen. Aber sogar die Spritkosten tragen die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren selbst, wenn sie bei Alarm zum Gerätehaus eilen. In Gießen sollen sie ab dem nächsten Jahr für ihren Dienst eine Entschädigung erhalten.

  • Rund 200 Einsatzkräfte sind Teil der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Gießen.
  • Um den Einsatz zu würdigen, hat der Magistrat eine Aufwandsentschädigung beschlossen.
  • Das könnte auch positive Auswirkungen auf die Nachwuchswerbung haben.

Sie kämpfen gegen Feuersbrünste wie im August vor einem Jahr in Lützellinden, bei denen Menschen sterben. Sie müssen auf der Autobahn in Autowracks blicken, die von einem Lkw am Stauende zermalmt wurden. »Den Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren kann man mit anderen Ehrenämtern nicht vergleichen«, weiß Bürgermeister Peter Neidel. In diesem Bewusstsein um den Dienst, den die rund 200 Einsatzkräfte in den sechs Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Gießen leisten, hat der Magistrat am Montag eine Aufwandsentschädigung beschlossen. »Es ist auch ein Signal an die Feuerwehrleute, dass sie kein Geld mitbringen müssen für ihre Einsätze«, erklärt der Brandschutzdezernent.

Freiwillige Feuerwehr der Stadt Gießen: Jahrespauschale von 100 Euro

Die Ergänzung der städtischen Feuerwehrsatzung sieht eine jährliche Pauschale in Höhe von 100 Euro vor, wenn die Mindestzahl an 40 Übungsstunden geleistet wurde. Besteht in einer Wehr die Pflicht, regelmäßig mehr als die 40 Übungsstunden zu leisten, erhöht sich die Pauschale anteilig. Hinzu kommen pro Einsatz sieben Euro. Abgegolten werden sollen damit Fahrtkosten zum Einsatz, die Reinigung der bei Einsätzen getragenen Privatbekleidung, die Getränkeversorgung im Dienst oder die Nutzung des Privathandys, wenn darüber die Erreichbarkeit und Alarmierung der Einsatzkräfte sichergestellt wird. »Das ist eine maßvolle Entschädigung. Die Zeit und die Fähigkeiten, die die ehrenamtlichen Feuerwehrleute einsetzen, kann damit nicht entschädigt werden«, sagt Neidel. Die Kosten für den Stadthaushalt beziffert er auf 80 000 Euro pro Jahr. Dies entspreche in etwa den Kosten für einen Berufsfeuerwehrmann im höheren Rang.

Die Idee, auch in Gießen eine Aufwandsentschädigung für die knapp 200 Männer und Frauen aus den Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren einzuführen, hatte der frühere Stadtbrandinspektor Michael Fritze. »Vor gut einem Jahr saßen wir bei der Wehrführersitzung zusammen, da kam die Idee mit der Aufwandsentschädigung auf«, erinnert sich Fritze, der damals ein Konzept entwickelt hatte, das der Magistrat im Wesentlichen übernommen hat. Dass die Idee bei den Parteien im Stadtparlament und dem Magistrat angekommen sei, sei »erfreulich«, findet Fritze und betont: »Es geht um die Erstattung eines nachvollziehbaren Aufwands. Die Tätigkeit bei der Feuerwehr bleibt ein Ehrenamt.« Dieser Aufwand könne sich je nach Zahl der Einsätze von Wehr zu Wehr unterschiedlich darstellen.

Freiwillige Feuerwehr der Stadt Gießen: Entschädigung als Motivation

Von der Entschädigung verspricht sich der stellvertretende Stadtbrandinspektor auch ein Argument bei der Nachwuchswerbung. Fritze: »Vielleicht ist es eine zusätzliche Motivation. Die Mitgliederzahlen haben sich zuletzt etwas schleppend entwickelt.«

Für die jungen Feuerwehrmänner Paul Krombach (20) und Paul Wagner (19), die beide der Einsatzabteilung in Allendorf angehören, ist die Entschädigung ein »Stück Wertschätzung« und eine »nette Geste« für den ehrenamtlichen und nicht ungefährlichen Dienst. Auf 15 bis 20 Euro beziffern die beiden ihren monatlichen Aufwand. »Da drin enthalten sind zum Beispiel die Spritkosten für die Fahrt zum Gerätehaus, wenn Alarm ist, oder die Cola nach dem Einsatz«, erklärt Krombach, der seit seinem zehnten Lebensjahr bei der Feuerwehr ist und seit fast drei Jahren der Einsatzabteilung angehört. Seinen zeitlichen Aufwand schätzt er auf acht Stunden Ausbildung im Monat plus die Einsätze. Auch die Reinigung der »Privatklamotten« tragen die Feuerwehrleute, wenn die bei einem Einsatz verdreckt oder verraucht werden. »Die tragen wir ja unter unserer Einsatzuniform«, erläutert Wagner, der seit zwei Jahren bei der Einsatzabteilung ist.

Feuerwehr der Stadt Gießen: „Die Freiwilligen Feuerwehren heißen so, weil wir das freiwilligen machen“

Dass es jetzt eine Aufwandsentschädigung geben soll, finden beide natürlich gut, aber es sei kein Dauerthema unter den Wehrleuten. »Die Freiwilligen Feuerwehren heißen ja so, weil wir das freiwillig machen und Spaß dabei haben. Wir wollen damit kein Geld verdienen«, sagt Krombach.

Eine Berufsfeuerwehr mit 70 und sechs Freiwillige Feuerwehren mit rund 200 Mitgliedern stehen in Gießen für den Bevölkerungs- und Brandschutz zur Verfügung. Hinzu kommt eine Spezialeinheit für die Höhenrettung sowie seit März 2019 eine aus Stadtmitarbeitern rekrutierte Tagesfeuerwehr, die Alarmierungslücken schließen soll.

Erst kürzlich musste die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Gießen zu einem Einsatz anrücken: In den St.-Josefs-Krankenhaus brach bei Wartungsarbeiten ein Feuer aus.

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