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Unerwünschte Spenden

Stadt Gießen duldet keine "Gabenzäune" und nennt Gründe

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Es war als Hilfsaktion für Obdachlose gedacht. Aber sie beschert Hygieneprobleme. Neben "Gabenzäunen" sind auch Bürgersteig-Geschenke unzulässig, bekräftigt die Stadt.

Gießen (mö). Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie sind sie zum Trend geworden: sogenannte Gabenzäune, an denen verpackte Lebensmittel und Bekleidungsspenden für Obdachlose und Hilfsbedürftgie gehängt werden. In Gießen zum Beispiel gibt es solch einen Gabenzaun im Löbershof. Was nach der Schließung unter anderem der Tafeln als Hilfe in einer Notlage gedacht ist, entpuppt sich zunehmend als Problem. Der Platz im Löbershof mutierte schnell zur illegalen Altkleiderabgabestelle, aus prallgefüllten Plastiktüten mit Hundefutter purzelten die Leckerlis übers Pflaster.

Entsprechend kritisch wird der Trend auch vom städtischen Reinigungs- und Fuhramt gesehen. "Wir freuen uns über die Bereitschaft vieler Gießener für diejenigen zu spenden, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf viele materielle Dinge verzichten müssen. Den Gabenzäunen stehen wir jedoch sehr skeptisch gegenüber und dulden sie nicht", erklärt Stadtsprecherin Claudia Boje.

Gießen: "Gedeckter Teller" für Ratten

Schnell entwickelten sich diese Abgabestellen nämlich zu Entsorgungsstellen für Altkleider und anderes. Dies habe zur Folge, dass die Stadtreinigung an diesen Stellen einen erhöhten Reinigungsaufwand habe. "Gänzlich inakzeptabel ist das Bereitstellen von offenem Tierfutter. Dies gilt auch, wenn es in einer Plastiktüte an einen Zaun gehängt wird. Es könnten kleine Kinder in einem unbeobachteten Moment davon essen, vor allen Dingen handelt es sich aber um einen gedeckten Teller für Ratten", gibt Boje zu bedenken. Ratten hätten nämlich keine Probleme damit, auch an einen höher hängenden "Futternapf" zu gelangen.

Seit den Beschränkungen in der Coronakrise mit der Absage von Veranstaltungen, der Schließung von Gaststätten, Kino und Theater ist zudem zu beobachten, dass Kisten mit Büchern und DVD in Grundstückseinfahrten und auf Bürgersteigen vermehrt abgestellt werden, um Zeitvertreib zu spenden. Im öffentlichen Straßenraum ist das verboten.

Dazu erklärt die Stadt: "Gegen das Bereitstellen von wieder verwendungsfähigen Gegenständen auf dem eigenen Hof an der Grenze zum Gehweg bestehen keine Bedenken." Die Nutzung des Gehweges hierfür sei dagegen nicht zulässig, um Fußgänger/innen nicht einzuschränken. Dies gelte im besonderen Maß für Menschen mit Seheinschränkungen oder radfahrende Kinder. "Leider beobachten wir seit einigen Jahren aber auch eine Tendenz, dass mit dem Hinweis ›Zum Mitnehmen‹ schlicht eine Abfallentsorgung stattfindet, die letztlich auf Kosten der Allgemeinheit entfernt werden muss", sagt Stadtsprecherin Boje.

Gießen: "Give-Box" musste geschlossen werden

Neben den bereits bekannten Bücherschränken in der Stadt ist so eine Abgabe- und Tauschstelle zum Beispiel in der Goethestraße vorbildlich eingerichtet worden.

Wie gut gemeinte Initiativen schiefgehen können, diese Erfahrung mussten im letzten Jahr auch die Initiatoren der "Give-Box" an der Lincolnstraße machen. Mieter der Gesellschaft für Soziales Wohnen (GSW) aus der Pendleton-Siedlung hatten vorne an der Straße extra eine kleine Holzhütte gebaut. Anwohner konnten dort noch gebrauchstüchtige Alltagsgegenstände einstellen und gegen andere eintauschen. Aber nur wenige Tage nach der Eröffnung sammelte sich Sperrmüll um die Hütte an, die zudem als Schlafplatz zweckentfremdet wurde. Folge: Die "Give-Box" wurde geschlossen.

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