Die "Villa Wunderland" ist nahezu voll ausgelastet. FOTO: SCHEPP
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Die "Villa Wunderland" ist nahezu voll ausgelastet. FOTO: SCHEPP

Stadt erlässt monatsweise Kita-Gebühren

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Gießen(mö). Wenn am Montag in Hessen die Weihnachtsferien offiziell enden und das Land in den erweiterten Lockdown eintritt, wird sich in den Gießener Kindertagesstätten grundsätzlich nichts ändern. Der Notbetrieb werde aufrechterhalten und sei "sehr eingeübt", sagt Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich im Rückblick auf den Lockdown im Frühjahr und die Phase vor Weihnachten. Zuletzt seien die Kinderbetreuungseinrichtungen noch zu zwei Dritteln belegt gewesen.

Um der Notwendigkeit eines nochmals erhöhten Infektionsschutzes Rechnung zu tragen, will die Stadt Eltern jetzt gleichwohl "motivieren", ihre Kinder monatsweise zu Hause zu lassen. "Für diesen Monat muss dann keine Gebühr gezahlt werden", erläuterte Weigel-Greilich diese "Gießener Regelung". Der Verzicht auf Betreuung für diesen Zeitraum sollte dann aber auch verbindlich gegenüber der Kita erklärt werden. "Das erhöht auch die Planbarkeit des Betreuungsaufwands", fügte die Grünen-Politikerin hinzu.

Der Betreuungsbedarf werde im Grundsatz von den Kitas selbstständig mit den Eltern geklärt. Es sei bislang nicht so gewesen, dass die Kitas nicht gewusst hätten, wie viele Kinder morgens gebracht werden. "Die Kita-Leitungen kennen die Familien und die jeweiligen Umstände. Da gibt es eine persönliche Beziehungsebene und eine Vertrauensbasis", erläuterte die Jugenddezernentin. Ausnahmen seien natürlich kurzfristig auftretende Krankheiten oder der Zwang, sich in Quarantäne zu begeben. "Was notwendig ist, bestimmen die Eltern", betont Weigel-Greilich.

Der Umfang an "dringender Betreuungsnotwendigkeit", von der Ministerpräsident Volker Bouffier bei der Bekanntgabe der neuen Lockdown-Maßnahmen sprach, sei in einer Stadt wie Gießen mit einem großen Universitätsklinikum und einem Polizeipräsidium vermutlich höher als andernorts. "Es gibt schon viele Haushalte, wo beide Eltern oder Alleinerziehende in systemrelevanten Berufen arbeiten", erklärte die Stadträtin. So sei die "Villa Wunderland", die Betriebs-Kita des Uniklinikums, zu 90 bis 100 Prozent ausgelastet. Was dort an Betreuung geleistet werde, sei "enorm".

Spracherwerb mit Mundschutzmaske

Die freien Träger von Kindertagesstätten, die einzelnen Einrichtungen und auch die Eltern seien bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr "sehr gut mitgegangen", regelmäßig hätten Meetings zwischen Jugendamt und Betreibern stattgefunden, um sich abzustimmen. So habe man seinerzeit auch früh und noch vor dem Land entschieden, Eltern, die Erziehungshilfe brauchen, die Betreuung der Kinder zu garantieren. Dem Personal in den Kitas zollt die Dezernentin großen Respekt. Weigel-Greilich: "Das ist eine Herausforderung und Belastung, gerade mit unter dreijährigen Kindern durch den Mund-Nase-Schutz zu kommunizieren oder gar eine Form von Spracherwerb zu leisten."

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