Die Dornen der Kakteen dienen der Fraßabwehr. FOTO: PM
+
Die Dornen der Kakteen dienen der Fraßabwehr. FOTO: PM

Stachelige Gewinner des Klimawandels

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Gießen(chh). Sie sind das Symbol der amerikanischen Westernfilme, die Prärie ist ihr zu Hause - so war es zumindest früher. Denn durch den Klimawandel und die damit einhergehende zunehmende Trockenheit verbreiten sich Kakteen auch andernorts. Zum Beispiel in Gießen. Im Botanischen Garten gesellt sich der Wildwuchs somit zu einer angelegten Sammlung, die auf eine lange Tradition zurückblickt.

Kakteen sind sogenannte sukkulente Pflanzen, die in ihrem Gewebe Wasser speichern, manchmal im Stamm, manchmal im Blatt oder in der Wurzel. Ein weiterer Name ist "Fettpflanzen", wie Volker Wissemann, der wissenschaftliche Leiter des botanischen Gartens erklärt. "Und die ›Fette Henne‹, eine Vertreterin der Gattung Sedum, ist heimisch in unserer Flora." Den weitaus meisten Menschen sind sukkulente Pflanzen jedoch in Form von Kakteen bekannt. Ihre Verbreitung auf dem amerikanischen Kontinent reicht vom südlichen Kanada bis nach Patagonien. "Die markante Bedornung der Kakteen hilft der Pflanze, nicht das Opfer eines wasserbedürftigen Tieres zu werden, die Dornen dienen der Fraßabwehr", erklärt Wissemann. Für den Laien nahezu identisch (und in Baumärkten auch gemischt an der Pflanzentheke erhältlich) sind die Euphorbien, sukkulente Vertreter aus der Verwandtschaft des Weihnachtssterns. "Kakteen und Euphorbien sind weltweit geschützt. Bei der zunehmenden Trockenheit und Wärme sehen wir aber mittlerweile auch in Deutschland die Ansiedlung und Ausbreitung von Opuntien, einer Gruppe von Kakteen, die auch im Botanischen Garten der JLU im Freiland wachsen."

Alle Botanischen Gärten haben Kakteen in ihren Beständen. In Gießen gibt es jedoch eine lange Tradition. Ein historisches Foto aus den 30er Jahren zeigt die enorme Vielfalt, die unter der Ägide des Garteninspektors Friedrich Rehnelt kultiviert wurde. Die heutige Sukkulentensammlung ist an mehreren Orten der JLU verteilt. Als Gegenstand der pflanzensystematischen Forschung an Kakteen, Euphorbien und lebenden Steinen sind sie ebenso wichtiger Bestandteil des Gartens wie als Lehr- und Bildungsobjekte in den Gewächshäusern.

Die Sukkulenten sind also Gewinner des Klimawandels - und somit auch jene Menschen, die Kakteen und Co. sammeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare