Spürbar entspannend

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Gießen(bf). Im Frauenkulturzentrum startet frau mit neuer Kunst ins neue Jahr. Gezeigt werden Arbeiten der Marburger Künstlerin Birgit Schäfer-Bivermann. Sie fasst ihre abstrakten Werke unter der Losung "Horizonterweiterung" zusammen und verwendet kräftige Farbfelder, kombiniert mit auch sehr feinen Strukturen, überwiegend in der Waagerechten. So sieht sie das augenblicklich. Die Eröffnung war am Freitag.

Die 1953 in Wuppertal geboren Birgit Schäfer-Bivermann erhielt ihre künstlerische Ausbildung bei der Irin Rosie McClelland (Belfast), sie lebte damals in der Wetterau. Sie studierte zunächst Literatur, Sprachwissenschaft und Geschichte in Marburg. "Ich wollte eigentlich immer schreiben, das mache ich auch", sagt sie. "Ich hab sogar mal in Gießen einen Literaturpreis der Uni und der Stadt Gießen zum Thema ›Alte Menschen(k)eine Randgruppe‹ mitgewonnen, da hab ich den zweiten Preis gemacht, Ende der Neunziger."

"Meinen ersten Malkurs hab ich schon in der Schulzeit gemacht, einen Porträtkurs", erinnert sie sich. Nach dem Studium habe sie "erst gedacht, ich konzentrier mich aufs Schreiben, habe dann aber immer wieder Kurse in allen möglichen malerischen Themen genommen". Neben dem Schreiben", sagt Schäfer-Bivermann, "das ist ja nicht weggegangen". Dann lernte sie die irische Malerin Rosie McClellan kennen und nahm bei ihr sieben Jahre Unterricht. Zu der Zeit hatte Schäfer-Bivermann bereits begonnen, selbst für Kinder Malkurse zu geben und einen Teil von McClellans Kursen übernommen, später auch für Erwachsene. Sie war später 15 Jahre an der VHS des Landkreises Marburg-Biedenkopf als Dozentin tätig. Gelegentliche Lesungen ihrer Gedichte und Geschichten kamen hinzu. "Ich hab das Schreiben dann irgendwann nicht weiter verfolgt, das Malen hat im Prinzip die Oberhand gewonnen."

Kräftige Farbfelder

Schäfer-Bivermann verfügt über reichliche, überwiegend regionale Ausstellungserfahrung. In ihren Bildern tritt Überraschendes zutage, eine erhebliche Dichte der Darstellung, ein enormes Differenzierungsvermögen und eine Vielfalt der Gestaltung. Ganz besonders beachten sollte man die beiden ganz kleinen, kaum postkartengroßen Acrylbilder ("Himmel und Erde 1 und 2"). Sie sind vom Duktus her eindrucksvolle große Landschaftsbilder von großer Fülle und Kraft. In ihrer Einführung bestätigte die Künstlerin, dass Landschaften und Landschaftsbilder inzwischen zu den wesentlichen Einflüssen gehören, die ihre Arbeit bestimmen. In der Aquarelltechnik habe sie schließlich zu wenig Umsetzungs- und Variationsmöglichkeiten gefunden, sagte Schäfer-Bivermann, sodass sie zur Gouache gekommen sei. Mit dieser Technik seien vor allem auch größere Formate einfacher zu realisieren.

Die Arbeiten erschließen sich nicht sofort, sie möchten gleichsam gebeten werden. Aber dann erlebt man expressive Tiefe und eine Fülle gestalterischer Details, die bis an die Grenze des Wahrnehm- baren reichen, man kann tief eintauchen und einen spürbar entspannenden Effekt wahrnehmen und genießen.

Die Ausstellung läuft bis zum 22. Februar.

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